Boerhaave lieh sich sattsam Zeit zur Diaguose, und währsnd er im
Derlauf von Wochen seine ganze Hexenküche an ekligen Latwergen, geifer-
lichen Säften und ranzigem Geschmiersel über den Aermsten ausstülpte,
genoh er weidlich mit Dehagen d-ie KOstbarksiten der kursürstlichen Küche
und des Kellers. In Summa: Der Professor hatte seine klapperige
Magerkeit in eine blühende Feistigkeit hineingeräkelt; absr der Patient
war seines leiblichen Wohlstandes schier in allen Stücken bankrott ge-
worden. Doerhaave wurde vermittels einer kurfürstlichen Grobheit ent-
lassen, dis allerdings von einem fürstlichen Honorar ins Gütliche tem-
periert war. Dafür aber hatte ihm der Hofnarr seinen grinsenden Spott
heimlich der Kutsche hintendrauf geschrieben, dah allerwege den Dhein
hinunter öas höhnische Gelächter herzulief, und die Gassenbuben trabten
feixend hinterdrein und machten Luftsprünge. wobei sie sich ausgelassen
auf den Hinteren klopften; denn so war des Lkarren Spott:
„Willst du bald dein Epitaph.
Konsultiere den Boerhaav;
HZst umsonst nicht mit Dedeuten
Ein Professor von Leiden."
2kun aber stand auf Schlohwache ein Grenadier mit gsgipften Haar-
locken und dem angepappten schwarzen Schnurres, der Hammann Philipp
aus Lachen, einem Oertchen bei dem köstlichen Lkeustadt, und- trug unter
seiner martialischen Montur ein gar wackeres unb fühlendes Herz — was
des Hannickels iRickele bestätigen mochte — also dah er die Lamentationen
im Schloh nicht länger mit anhören konnte und sich Courage gefaht hat,vor
seinen Leutnant hinzutreten mit den Worten: „Bei uns daheim in Lachen
ist der Dauerndokter Groß, der macht Menschen und Dish gesund, dah sie
von weither zu ihm kommen."
Der Leutnant meldete es seinem Obristen, dieser dem Hofmarschall,
der Marschall dem Leibarzt und der Leibarzt dem hohen Patienten.
Dieser war beinahe erlustiert darüber, eine Ortschaft, so optimistisch be-
namset, in seinem Fürstentum zu haben, und weil ihm der Dame Lachen
ein günstiges Omen mochte dünken, gab er Avis zum Anspannen.
Dier Stunden später um Mittag brauste ein Vierspänner in das ver-
schlafene Oertchen, ein tressenstarrender Lakai sprang vom Dock und fragte
nach dem Doktor Groh. Der war eben im Dorf und hatte alle Händs
voll zu tun; denn der Schweinerotlauf ging um. Die gute Frau Grossin,
welche nicht anders meinte, als der Lakäi wärs der Kurfürst sslber, lief im
Dapus davon, ihren Mann zu suchen. Groß knurrte in den waldigen Dart
und meinte seelenruhig: „Was Kurfürst, die Säu gehen vor", ein Wort,
das bis auf gegenwärtige Zeit als lebendige Stimme des unvergehlichen
Groh im Gäu zu Hören ist. Er kam auch erst nach einer guten Weile
heim, nachdem er jegliche Derordnung getroffen hatte. Weil der Lakai
seinen Unmut darüber nicht unterdrücken konnte, fuhr ihnGroß, der seinem
Damen nach gewachsen war, mit einer Därenstimme an: „Kann ich's
riechen, dah er Heut dahergeschneit kommt, dem Hannickel seine Säu soll
ich vielleicht verrecken lasssn". Gegen diese Logik in solch verpflichtendem
Son wagte der Abgesandte keinen Einwand und vertrat sich seine An-
ruhe in stummer Derbissenheit vor dem Haus. Mittlerweile hatte sich
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Derlauf von Wochen seine ganze Hexenküche an ekligen Latwergen, geifer-
lichen Säften und ranzigem Geschmiersel über den Aermsten ausstülpte,
genoh er weidlich mit Dehagen d-ie KOstbarksiten der kursürstlichen Küche
und des Kellers. In Summa: Der Professor hatte seine klapperige
Magerkeit in eine blühende Feistigkeit hineingeräkelt; absr der Patient
war seines leiblichen Wohlstandes schier in allen Stücken bankrott ge-
worden. Doerhaave wurde vermittels einer kurfürstlichen Grobheit ent-
lassen, dis allerdings von einem fürstlichen Honorar ins Gütliche tem-
periert war. Dafür aber hatte ihm der Hofnarr seinen grinsenden Spott
heimlich der Kutsche hintendrauf geschrieben, dah allerwege den Dhein
hinunter öas höhnische Gelächter herzulief, und die Gassenbuben trabten
feixend hinterdrein und machten Luftsprünge. wobei sie sich ausgelassen
auf den Hinteren klopften; denn so war des Lkarren Spott:
„Willst du bald dein Epitaph.
Konsultiere den Boerhaav;
HZst umsonst nicht mit Dedeuten
Ein Professor von Leiden."
2kun aber stand auf Schlohwache ein Grenadier mit gsgipften Haar-
locken und dem angepappten schwarzen Schnurres, der Hammann Philipp
aus Lachen, einem Oertchen bei dem köstlichen Lkeustadt, und- trug unter
seiner martialischen Montur ein gar wackeres unb fühlendes Herz — was
des Hannickels iRickele bestätigen mochte — also dah er die Lamentationen
im Schloh nicht länger mit anhören konnte und sich Courage gefaht hat,vor
seinen Leutnant hinzutreten mit den Worten: „Bei uns daheim in Lachen
ist der Dauerndokter Groß, der macht Menschen und Dish gesund, dah sie
von weither zu ihm kommen."
Der Leutnant meldete es seinem Obristen, dieser dem Hofmarschall,
der Marschall dem Leibarzt und der Leibarzt dem hohen Patienten.
Dieser war beinahe erlustiert darüber, eine Ortschaft, so optimistisch be-
namset, in seinem Fürstentum zu haben, und weil ihm der Dame Lachen
ein günstiges Omen mochte dünken, gab er Avis zum Anspannen.
Dier Stunden später um Mittag brauste ein Vierspänner in das ver-
schlafene Oertchen, ein tressenstarrender Lakai sprang vom Dock und fragte
nach dem Doktor Groh. Der war eben im Dorf und hatte alle Händs
voll zu tun; denn der Schweinerotlauf ging um. Die gute Frau Grossin,
welche nicht anders meinte, als der Lakäi wärs der Kurfürst sslber, lief im
Dapus davon, ihren Mann zu suchen. Groß knurrte in den waldigen Dart
und meinte seelenruhig: „Was Kurfürst, die Säu gehen vor", ein Wort,
das bis auf gegenwärtige Zeit als lebendige Stimme des unvergehlichen
Groh im Gäu zu Hören ist. Er kam auch erst nach einer guten Weile
heim, nachdem er jegliche Derordnung getroffen hatte. Weil der Lakai
seinen Unmut darüber nicht unterdrücken konnte, fuhr ihnGroß, der seinem
Damen nach gewachsen war, mit einer Därenstimme an: „Kann ich's
riechen, dah er Heut dahergeschneit kommt, dem Hannickel seine Säu soll
ich vielleicht verrecken lasssn". Gegen diese Logik in solch verpflichtendem
Son wagte der Abgesandte keinen Einwand und vertrat sich seine An-
ruhe in stummer Derbissenheit vor dem Haus. Mittlerweile hatte sich
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