Kutsch, Ferdinand
Attische Heilgötter und Heilheroen — Gießen, 1913

Seite: 30
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Kutsch

und es fragt sieb, ob wir in ihnen Epione oder Hygieia zu
erkennen haben. Thraemer1 glaubt in der Matrone immer
Epione, in der Jungfrau immer Hygieia sehen zu müssen,
während Koerte2 die Ansicht vertritt, Hygieia sei in Titane
des Gottes Gattin gewesen und könne deshalb auch in Athen
als Matrone erscheinen. Nun hat zwar Thraemer mit ziem-
licher Sicherheit erwiesen3, daß Hygieia immer als jung-
fräuliche Tochter des Asklepios gegolten hat, und sicher kann
sie in Athen niemals Gattin des Asklepios geworden sein, da
Epione zugleich mit Asklepios ihren Einzug gehalten hat, aber
trotzdem wird man in der matronalen Figur — wenn sie allein
mit Asklepios vorkommt — Hygieia erkennen müssen, denn
sie steht mit ihm in engster kultlicher Verbindung, an sie
wendet man sich *, nach ihr und Asklepios werden die Priester
genannt, wenigstens in späterer Zeit5. Ferner ist auch im
rhamnusischen Amphiareion eine matronale Göttin gefunden
worden, die doch unmöglich Epione darstellen kann °. Folgen
wir also darin Thraemer nicht7, so dünken uns seine folgen-
den Gesichtspunkte zur Erklärung der Reliefs richtigs. Ist
eine jungfräuliche Göttin dargestellt, so ist sie Hygieia, sind
es zwei jungfräuliche Göttinnen, so müssen sie für Iaso und
Panakeia gelten, ebenso drei Töchter als Iaso, Panakeia, Akeso;
haben wir vier weibliche Gestalten, so sind sie Hygieia und
die drei Heilerinnen. Hinzuzufügen wäre, matronale und jung-
fräuliche Göttin: Epione und Hygieia. Entsprechend wird
bei der Darstellung von männlichen Göttern zu verfahren,
sein. Zwei männliche Gestalten haben als Machaon und Po-
daleirios zu gelten. Sie unterscheiden sich von Asklepios
immer durch ihre Jugend. Treten allerdings mehrere Götter
und Göttinnen neben Asklepios, so ist es kaum möglich, eine
Entscheidung zu treffen. Übrigens werden die Athener sich
nicht bei jedem Relief im Heiligtum überlegt haben, wer ge-

1 In Bosch ers Mythol. Lexikon I 2781.

- Ath. Mitt. XVIII 1893, 249. 3 AaO. 2778.

1 Vgl. die S. 29 aufgezählten Inschriften. 5 Nr. 39. 129.

8 S. u. 123 Nr. 8.

7 Einmal, Svor. XLV 5, 270, ist Epione durch Beischrift gesichert, aber
im Kreis aller Heilerinnen. 8 Thraemer aaO. 2781, 2ff.
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