Lanckoroński, Karl [Editor]
Der Dom von Aquileia: sein Bau und seine Geschichte — Wien, 1906

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Fig. 22 Die Vorhalle und das Baptisterium

AUSGRABUNGEN BEIM BAPTISTERIUM
UND AUF DEM FRIEDHOFE

us dem Dome in die Vorhalle hinaustretend, befinden wir uns dem Eingange
zur «chiesetta dei pagani» gegenüber. Oberhalb der Eingangstür ist eine In-
schrift angebracht, welche besagt, daß das «Heidenbaptisterium» im Jahre 1738
wiederhergestellt wurde. In welchem Umfange diese Herstellung erfolgte,
ist heute nicht nachzuweisen. Wir steigen zwei Stufen hinab in einen bis
auf geringe Bildreste schmucklosen Raum von 4*35 m Breite und 12*30 m Länge.
Nischen und wenige kleine Fenster beleben die Wände. Eine Querabteilung

des Raumes ist gekennzeichnet durch drei hinabführende Stufen und durch die Anordnung der
Wölbung. Der Längenschnitt (Fig. 23) zeigt, daß der der offenen Vorhalle zunächst gelegene
Teil der Chiesetta mit einer Kuppel eingewölbt ist, welche bedeutend höher hinaufreicht als
die beiden den anderen Teil des Raumes überdeckenden Kreuzgewölbe. In den Plattenfußboden
ist der umstehend Fig. 24 abgebildete Stein eingelassen. Das Gebäude hatte ehemals ein Ober-
geschoß, dessen eine Langmauer im Dachboden teilweise erhalten ist und ähnliche Nischen
aufweist, wie sie unten zu sehen sind. Der Dachboden ist nur durch eine Öffnung in der
Außenwand mittels einer Leiter zu erreichen. Die Mauern dieses Vorraumes bestehen fast
durchgehends aus römischen Ziegeln; die seichten Fundamente sind jedoch nicht antik. Es
muß bemerkt werden, daß auch bei den mittelalterlichen Konstruktionen Aquilejas antike
Ziegel benützt wurden.

Von dem beschriebenen Vorräume aus betritt man das eigentliche Baptisterium, einen Baptisterium
achteckigen, offenen Raum, dessen oben mit Steinplatten abgedeckte Wände jetzt 6-50 bis
7-50 m hoch sind.

Der Raum mißt von einer Wand bis zur gegenüberliegenden 13-75 m, die Länge der ein-
zelnen Achteckseiten beträgt etwa 5-80 m. In der Südostwand, also nicht in der Hauptachse,
befindet sich eine halbkreisförmige Nische von 4 m Durchmesser, deren Wölbung zerstört ist.

Inmitten des Baptisteriums sieht man einen sechsseitigen Taufbrunnen mit steinerner
Einfassung von Im Höhe. Nach innen verengt sich das Becken in drei Absätzen, außen ist

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