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Abb. 52. Sächsisches Palais nach Ricaud de Tirregaille 1762.

DER BAROCKSTIL II.

DAS SÄCHSISCHE ZEITALTER,

August II. (Friedrich August der Starke, Kurfürst von Sach-
sen) gewann die polnische Krone im Jahre 1697. In dem
polnisch-türkischen Kriege erntete er die Früchte der An-
strengungen seines großen Vorgängers. Im Frieden von Karlowitz
erhielt er Podolien und die Ukraine zurück, mit der Zusicherung, daß
die tatarischen Einfälle aufhören werden. Damit waren die polnisch-
türkischen Kriege für immer beendet. Für seine Aufgaben in
Polen hat August nie Sinn gehabt. Seinen höchsten Ehrgeiz sah
er in der Nachahmung des französischen Hofes. Daraus erwuchs
mancher künstlerische Vorteil sowohl für Warschau wie für Dresden.
Er riß Polen in das verhängnisvolle Abenteuer des zweiten Nordi-
schen Krieges. Anstatt sich mit Schweden gegen das empor-
strebende Rußland zu verbünden, wiederholte er den Fehler Sigis-
mundus III., indem er mit Zar Peter vereinbarte, gemeinsam über
Karl XII. herzufallen. Als Hintergedanke schwebte August die
Gelegenheit vor, seine sächsischen Truppen, deren er im Kampfe
gegen den Adel bedurfte, im Lande zurückzubehalten. Der Krieg
nahm nach der Schlacht bei Narwa einen für die Verbündeten un-
erwarteten Verlauf. Für Polen begann die Invasion der schwedi-
schen, sächsischen und russischen Truppen, die Kontributionen auf-
erlegten und das Land verwüsteten. Karl XII. nahm Kurland in
 
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