Lustige Blätter: schönstes buntes Witzblatt Deutschlands — 14.1899

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„Wer gut schmiert, der gut führt.“



Box seift den Leibbursch Büffel ein,
Da tritt des Dienstes Magd herein
Und meldet, wie sie oft gethan,
Dass draussen Manichäer nah’n.

Doch die Studenten ohne Zagen
Die packen ihren Hund beim Kragen,
Und seifen ein das treue Thier,
Dass es tollwüthig aussieht schier.



Und Schneider und Gerichtsvollzieh’r
Entsetzen sich vor diesem Thier
Und schreien beide schreckensvoll
Gesträubten Haars: Das Vieh ist toll!

Und fliehend kreischt der Gläub’gen Heer:
Wir sind verloren; hilf, Pasteur!
Moral hiervon: Wer schwer begreift,
Wird eo ipso eingeseift.

Unter Redakteuren.
„Na, Herr Knopf, zurück
aus Paris? Sicher doch Rue
Chabrol gesehn! Was sagen
Sie zur Affäre Guerin?“
„„Was soll ich sagen? —
Humor des Auslands!““
Qeographie schWach.
Lehrer: Metz und Sedan
sind berühmte Festungen.
Wer kann mir noch berühmte
Festungen nennen?
Schüler: Die „Festung
Guerin“.
Trinksprüche.
Schüren die Völker der Zwie-
tracht Flammen,
Kommen die Herren Minister
zusammen.
Haben die Völker Hühnchen
zu pflücken,
Essen die Herren Minister
die Kücken.
Werden die Völker noch
unangenehmer,
Füllen die Herren Minister die
Römer,
Und je ärger sie unten toben,
Um so verbindlicher toasten
sie oben.
So kann’s kommen.
A.: Wie, Sie haben gar keine
Kinder?
Mann: Nein, das leidet
unser Dienstmädchen nicht!

©te einunfcfcvetßtij ^ftegen.
®an3 moberne Dichtung aus ©rSu < Deutfdjlanb.
(Eimmbbretßig fliegen furrten
Um mid? f]er trt meinem gtmmer,
Diefes Surren mar entfettet?
Unb es roarb beftänbtg fdjlimmer.
3n betn gtmmer mollt’ tef? fdjlafeu,
©ber ganj genau gefproefjen:
Schlaflos lag idj fiets im Sette,
Don ben fliegen rings umfrodjen.
£attge fjatt’ icfy es erbulbet,
Kaufte eine ^ltegenfalle,
(Eine ausgebaucfyte jdafdje,
Parin fingen fidj faft alle.
IDotjlgejätilte breifüg fliegen
mußten in bem (Sias oerftummen,
(Eine ein3'ge nur blieb braußen
Unb bie feßte fort tl]r Summen.
Kterfft Pu mas, ueref]rter £efcr?
IDitterft Pu fcfyon, mte id? ftroptjifcf?
3u bem Haf]tnen biefer Pidjtung
Ptd? belehre pt]ilofopt|ifd??
Hein? fo laß Pir’s enblicf? fagen,
3mmer nod; flol] mich ber Schlummer:
(Eine fliege ftört genau fo,
Stört mie einunbbreißig Srummer!

Beim Ohrenarzt.
Patient: Wieviel beträgt meine
Schuld, Herr Sanitätsrath?
Arzt: Vierzig Mark.
Patient (legt zwanzig Mark auf den
Tiscli und will gehen).
Arzt (lauter sprechend): Ich sagte
vierzig Mark.
Patient: Da hat die Kur also
doch nichts genützt, — denn ich höre
auch jetzt nur die Hälfte von dem,
was gesprochen wird!
Exegese.
„Ein Reuiger freut den Herrn mehr,
Als neunundneunzig Gerechte!“
So lasst uns denn tollen nach
Herzensbegehr:
Wo nähmen wir sonst die Reue her,
Die uns die Seligkeit brächte . . ?
Nicht Verlegen.
Backfisch: Mama, wenn ich
einmal verheirathet bin-
Mama: Ach, Dich nimmt
überhaupt kein Mann, Du bist ja in
der Schule immer die Letzte!
Backfisch: Na, da heirath’ ich
einfach wieder einen Letzten!

Erpressung.
Der kleine Pepi:
Gleich schenkst Du
mir einen Ballon,
sonst werd’ ich Anti-
semit!



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LUSTIGE BLÄTTER.

No. 37
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