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Kunsthaus Lempertz <Köln [Editor]; Kunsthaus Lempertz [Editor]; M. Lempertz' Antiquariat (P. Hanstein) [Contr.]
Math. Lempertz'sche Kunstversteigerung: Werke alter Malerei und Plastik: Sammlungen eines belgischen und eines Wiener Kunstfreundes, Sammlung Ludwig Diehl, Stuttgart, Teile der vormals Egestorff'schen Sammlung, Hannover, verschiedener Besitz ; mit 14 Lichtdrucktafeln ; 18. November 1930 — Köln, Nr. 306.1930

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https://doi.org/10.11588/diglit.6399#0005
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VORWORT

In diesem Lempertz-Katalog vereinigen sich unter dem Gesamttitel „Werke alter Malerei und Plastik"
die Sammlungen von vier verschiedenen Kunstfreunden zu einem Angebot von beachtlichem Niveau, dem
als fünfte Abteilung eine Reihe von Gemälden und Skulpturen aus verschiedenem Besitz angegliedert ist.

Die ersten 15 Gemälde bildeten die kleine aber sehr gewählte Sammlung eines belgischen
Amateurs, hauptsächlich Niederländer des 16. Jahrhunderts enthaltend, unter denen der Calvarienberg
des Jan Wellensz de Cock vom Jahrhundert-Anfang, die Antwerpen er Gregormesse
aus dem 2. Jahrzehnt und die Anbetung der Könige von Pieter Aertsen aus der Jahrhundertmitte
am meisten hervorgehoben seien. Aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts ist die eigenartige Grisaille des
Höllenbrueghel, das miniaturfeine Landschaftsbildchen des Samtbrueghel, der in den gleichen
Kreis gehörende Brand von Antwerpen sowie der farbenfreudige Adam van Noort anzumerken.
Die brillante, in Farben rauschende Skizze von Peter Paul Rubens zu seinem großen Antwerpener
Bilde „Die Kommunion des heiligen Franz", trägt so sehr den Stempel der Meisterschaft, daß ein Zweifel an
der Eigenhändigkeit der Arbeit wohl nicht aufkommen wird. Außer vlämischen Bildern enthält diese
belgische Sammlung an Werken anderer Kunstkreise nur eine sehr schöne U 1 m e r Tafel aus der Um-
gebung des Bartholomäus Zeitblom und ein lieblich anmutiges Madonnenbild von Buonaccorsi.

Die zweite Abteilung unseres Katalogs bildet die Skulpturen- und Gemäldesammlung LudwigDiehl,
Stuttgart. Der als Romanschriftsteller und Kunsthistoriker bekannte Sammler (Romane: Suso, Ahasver
und Aton; außerdem „Der Altertümer-Sammler") begann seine Sammlung um 1900 in der Nähe des Boden-
sees, also in einer Gegend und in einer Zeit, wo man altes Kunstgut noch an seinem Fntstehungsorte
entdecken und kaufen konnte. Das Entdecken war Diehl, wie jedem echten Sammler, das Köstlichste seiner
Tätigkeit. Denn nur dann kommt man in das richtige intime Verhältnis zu den Kunstwerken alter Zeiten,
wenn man die erste Freundschaft auf der Heimaterde, aus der sie gewachsen sind, mit ihnen schließt,
nachdem man sie aus ihrer Verbannung auf Kirchenspeichern, hinter Sakristeien und dergleichen erlöst hat.
Kunstdinge, die auf solche Art und Weise gesammelt sind, sind dem beglückten Besitzer lebendige Persön-
lichkeiten geworden und reden ganz anders zu ihm als das Kunsthändlergut, das ihm nur Ware scheint. —
Diehl war einer der wenigen Sammler um die Jahrhundertwende, der die allgemeine Sucht des Ablaugens
schon damals als ein Verbrechen an den Werken alter Plastik erkannte. Unendlich viel Wertvolles ist durch
solche banausische Manie zerstört worden, die herrlichsten romanischen und gotischen Fassungen fielen
der Lauge zum Opfer. Diehl, in Ablehnung solcher Vandalentätigkeit, bemühte sich im Gegenteil, die alten
Fassungen mit unendlicher Mühe wieder freizulegen und war sogar den späteren Ubermalern noch in
gewissem Sinne dankbar, denn unter der schützenden Hülle späterer Farbschichten hatte sich in vielen
Fällen die Köstlichkeit der originalen Fassung unversehrt erhalten. Diese Tätigkeit des Freilegens, die ihn
zwang, bis in das Intimste der künstlerischen Arbeit des alten Meisters nachzugehen, war es nicht in letzter
Linie, die dem Sammler den Blick weitete für die Erkenntnis so mancher verborgener Schönheit, sein
Auge aufs Trefflichste schulte, seine Erkenntnis für künstlerische Wertbemessung aufs Höchste steigerte.
So fand Diehl Werke auf, wie die heute so bekannten heiligen zwei Jungfrauen von Hans
Striegel, die trauernde Madonna von Gregor Ehrhard, an denen manche Kenner
 
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