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Kunsthaus Lempertz <Köln> [Editor]; Kunsthaus Lempertz [Editor]; M. Lempertz' Antiquariat (P. Hanstein) [Contr.]
Math. Lempertz'sche Kunstversteigerung: Gemälde neuzeitlicher und alter Meister - aus Sammlung W. Müller-Velbert und anderem Besitz: mit 12 Lichtdrucktafeln ; [28. Mai 1932] — Köln, Nr. 338.1932

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https://doi.org/10.11588/diglit.7507#0007
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Vo rwort

Die Wichtigkeiten dieses Katalogs stammen in der Mehrzahl aus der Sammlung des
Herrn W. Müller-Velbert, eines Kunstfreundes guter alter Prägung, der, mit reifem
Verständnis sammelnd, mit den Schöpfern der Bilder nicht minder als mit den Bildern
selbst in ein wirkliches Freundschaftsverhältnis zu treten wußte. Jedes Bild dieser Samm-
lung, über die ein sorgfältig ausgearbeiteter Privat-Katalog existiert, hat irgendwie eine
Beziehung zu der persönlichen Artung ihres Besitzers; man steht beim Durchschreiten
des kunstgefüllten Hauses ständig unter dem Eindruck, daß kein Stück aus bloßem
Zufall an diese Wände kam, sondern nur dann, wenn der Dreiklang: Maler — Werk —
Sammler glockenrein stimmte.

Da ist zunächst das wundervolle Bild Eduard von Gebhardts „Die Emmaus-
jünger", das in vollen starken Orgeltönen klingt und wie das gemalte Hohe Lied deut-
schen Christentums anmutet: Dieses Einssein biblischen Geschehnisses mit den deutschen
Menschen, die es darstellen, und mit der behaglichen deutschen Bürgerstube, in der es
sich abspielt. — Da ist ferner das gewaltige Bauernbild von Albin Egger-Lienz
„Das Mittagessen". Vier urtümliche Bauern, Autochthonen, aus der Muttererde gewach-
sen, sitzen da mit ihren kantigen, großflächigen Nibelungengesichtern, breitgelagert, müde
von schwerster Arbeit, um einen groben Tisch und löffeln mit wuchtigen Fäusten den
Mittagsbrei aus einer Schüssel, die in der Tischmitte steht; primitives Urmenschentum
festester Erdgebundenheit, vom Künstler zur reinen Idee absoluter Einmaligkeit erhoben.
Die Palette, aus der dieses Bild gemalt wurde, kennt nur die braune Farbe, aber in drei
Stufen, und jede wieder mit Ubergängen verschiedenster Tönung: Das Braun der Erde
an sich, das Braun im Halb- und im Ganzschatten und das Braun in den wechselnden
Lichtern des Tages. Ein luministisches Meisterwerk reifster Könnerschaft im Artistischen
und ein Monument schöpferischer Genialität im Gesamtausdruck.

Zu des Sammlers besonderen Lieblingen gehört auch das Bild von Franz Eich-
horst mit den beiden hessischen Bäuerinnen vor dem geöffneten Kleiderschrank, eine
Malerei von besonders feiner Tonigkeit bei einer linearen Größe, die man fast statua-
risch nennen könnte.

Von Wilhelm Leibi ist als künstlerische Kostbarkeit sowohl wie als kunsthisto-
rische Kuriosität der Kopf aus dem vielbesprochenen „Wildschützenbild" in der Samm-
lung enthalten. Diese handtellergroße Fläche wundervollster Leibi-Kunst würde, wenn
sie als einzige Reliquie des Meisters auf die Nachwelt kommen würde, schon ge-
nügen, Wilhelm Leibis Stellung unter c"en ganz Großen der Malkunst aller Zeiten zu
sichern.

Wie eine spritzige Impression mutet, trotz ihres großen Formates, die „Malerwerk-
statt" von Constantin Gerhardinger an. Der prächtige Rückenakt ist hier in
eine prickelnd-raffinierte Beleuchtung hineingestellt.

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