VORWORT
Kernstück des Angebots ist eine umfangreiche Sammlung erlesener Dosen des 18. Jahr-
hunderts aus Gold mit Email oder aus Edelgesteinen. Sie dienten dem verbreiteten
Gebrauch des Schnupftabaks, dem Herren und Damen, Erwachsene und Kinder huldig-
ten. Die Tabatiere wurde rasch ein Gegenstand des höchsten Luxus, ihre Herstellung
ein wirtschaftliches Betätigungsfeld des Merkantilismus, ihre Kostbarkeit und Form ein
Zeichen huldvollen Geschenkes, teuren Besitzes, eitlen Selbstbewußtseins. Es gab kein
Land, das sich nicht am Wettstreit um die beneidenswerteste Leistung beteiligt hätte:
Juweliere, Steinschneider, Emailmaler fanden Verdienst und Ansehen. Die Goldarbeit
war behördlicher Kontrolle unterstellt.
Die Franzosen haben einen Kultus mit den Chargen-, Meister- und Dechargenstempeln
auf Goldwaren getrieben, der uns heute bei der Bestimmung zugute kommt. Lob der
Steuer und den Steuerpächtern! So erscheinen meist drei Pompons. Sie sind zwar oft
verschlagen, aber selbst die „Reste“ lassen wenigstens die Stadt der Herstellung —
meist Paris — erkennen. Es gab Goldstempel auch in der Schweiz, in Rußland usw.:
in Deutschland ist mir nur ein einziger bei dem Dresdener Hofjuwelier Neuber begeg-
net. Die kostbare Golddose blieb als „Galanterieware“ Inbegriff des „galanten“ Jahr-
hunderts, der formvoll bezeigten Huldigung bis herab zur Anerkennung, solange es
Potentaten und Gesellschaftsschichten gab, die sie bezahlen konnten. Die „Bastille“
ist auch hier ein Fanal, wenngleich keineswegs das Ende der goldenen Dosen. Wir
hören mit staunendem Vergnügen, daß die Arbeit der Hofjuweliere in höchstwertigen
Schöpfungen auf wahre Leidenschaften der Großen stieß. Über Friedrich den Großen
sagt Thiebault: „Ich habe an ihm nur einen einzigen Gegenstand des Luxus gekannt,
die Tabatiere. Er besaß davon, so erzählte man, eintausendfünfhundert Stück". Frie-
drich der Große hatte in Schlesien selbst das Chrysopasvorkommen und Achat- und
Marmorvorkommen im Lande; Dresden verarbeitete sächsische Halbedelsteine, in
Berlin kannte man Edelgesteinverarbeitung in Relieftechnik, wußte man Perlmutter
kunstvoll zu bearbeiten. Emaildosen gab es überall.
An bemerkenswerten französischen Dosen sind zwei Tabatieren von Blerzy zu
nennen (Kat. Nr. 242 und 243). Er war durch Neuerwerbung auch im Grünen Ge-
wölbe zu Dresden vertreten. Ähnlich ist die Dose von Granchez, 1777 (Kat.-Nr. 246).
Unendlich geschmackssichere Kühle folgt dem Schema des Klassizismus, dessen mo-
dische Gesetze jetzt Königin Marie Antoinette angab, wie einst Madame Pompadour.
Granchez bezeichnete seine Golddosen „Du Petit Dunkerque". Er war „Bijoutier de
la Reine“. Vielleicht bedeutet die seltsame Bezeichnung eine Firma, wie „A la Pa-
gode“ von Gersaint der früheren Generation. Die Emailmalerei der Medaillons auf
den Dosen — wie auch bei der Dose des Charles Alexandre Bouillerot 1776 (Kat.-
Nr. 244) — ist in ihrer Qualität der Leistung der Juweliere ebenbürtig; leider sind
sie unbezeichnet. Eine neue Note „pompejanischen" Geschmacks bringt 1774—1780
Jean Formey (Kat.-Nr. 239). Dosen dieser Zeit werden gern mit transluzidem Email
über guillochiertem Grund verkleidet.
Während die Poin^ons für Frankreich oder die Schweiz die Flerstellung der Galan-
teriewaren deutlich machen — außer den Tabatieren sind es noch Necessaires und
Kernstück des Angebots ist eine umfangreiche Sammlung erlesener Dosen des 18. Jahr-
hunderts aus Gold mit Email oder aus Edelgesteinen. Sie dienten dem verbreiteten
Gebrauch des Schnupftabaks, dem Herren und Damen, Erwachsene und Kinder huldig-
ten. Die Tabatiere wurde rasch ein Gegenstand des höchsten Luxus, ihre Herstellung
ein wirtschaftliches Betätigungsfeld des Merkantilismus, ihre Kostbarkeit und Form ein
Zeichen huldvollen Geschenkes, teuren Besitzes, eitlen Selbstbewußtseins. Es gab kein
Land, das sich nicht am Wettstreit um die beneidenswerteste Leistung beteiligt hätte:
Juweliere, Steinschneider, Emailmaler fanden Verdienst und Ansehen. Die Goldarbeit
war behördlicher Kontrolle unterstellt.
Die Franzosen haben einen Kultus mit den Chargen-, Meister- und Dechargenstempeln
auf Goldwaren getrieben, der uns heute bei der Bestimmung zugute kommt. Lob der
Steuer und den Steuerpächtern! So erscheinen meist drei Pompons. Sie sind zwar oft
verschlagen, aber selbst die „Reste“ lassen wenigstens die Stadt der Herstellung —
meist Paris — erkennen. Es gab Goldstempel auch in der Schweiz, in Rußland usw.:
in Deutschland ist mir nur ein einziger bei dem Dresdener Hofjuwelier Neuber begeg-
net. Die kostbare Golddose blieb als „Galanterieware“ Inbegriff des „galanten“ Jahr-
hunderts, der formvoll bezeigten Huldigung bis herab zur Anerkennung, solange es
Potentaten und Gesellschaftsschichten gab, die sie bezahlen konnten. Die „Bastille“
ist auch hier ein Fanal, wenngleich keineswegs das Ende der goldenen Dosen. Wir
hören mit staunendem Vergnügen, daß die Arbeit der Hofjuweliere in höchstwertigen
Schöpfungen auf wahre Leidenschaften der Großen stieß. Über Friedrich den Großen
sagt Thiebault: „Ich habe an ihm nur einen einzigen Gegenstand des Luxus gekannt,
die Tabatiere. Er besaß davon, so erzählte man, eintausendfünfhundert Stück". Frie-
drich der Große hatte in Schlesien selbst das Chrysopasvorkommen und Achat- und
Marmorvorkommen im Lande; Dresden verarbeitete sächsische Halbedelsteine, in
Berlin kannte man Edelgesteinverarbeitung in Relieftechnik, wußte man Perlmutter
kunstvoll zu bearbeiten. Emaildosen gab es überall.
An bemerkenswerten französischen Dosen sind zwei Tabatieren von Blerzy zu
nennen (Kat. Nr. 242 und 243). Er war durch Neuerwerbung auch im Grünen Ge-
wölbe zu Dresden vertreten. Ähnlich ist die Dose von Granchez, 1777 (Kat.-Nr. 246).
Unendlich geschmackssichere Kühle folgt dem Schema des Klassizismus, dessen mo-
dische Gesetze jetzt Königin Marie Antoinette angab, wie einst Madame Pompadour.
Granchez bezeichnete seine Golddosen „Du Petit Dunkerque". Er war „Bijoutier de
la Reine“. Vielleicht bedeutet die seltsame Bezeichnung eine Firma, wie „A la Pa-
gode“ von Gersaint der früheren Generation. Die Emailmalerei der Medaillons auf
den Dosen — wie auch bei der Dose des Charles Alexandre Bouillerot 1776 (Kat.-
Nr. 244) — ist in ihrer Qualität der Leistung der Juweliere ebenbürtig; leider sind
sie unbezeichnet. Eine neue Note „pompejanischen" Geschmacks bringt 1774—1780
Jean Formey (Kat.-Nr. 239). Dosen dieser Zeit werden gern mit transluzidem Email
über guillochiertem Grund verkleidet.
Während die Poin^ons für Frankreich oder die Schweiz die Flerstellung der Galan-
teriewaren deutlich machen — außer den Tabatieren sind es noch Necessaires und


