Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus <Berlin> [Hrsg.]
Gemälde alter Meister: Sammlung aus dem Nachlass Emil Goldschmidt, Frankfurt a.M. ; Versteigerung: Dienstag, den 27. April 1909 (Katalog Nr. 1547) — Berlin, 1909

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err Emil Goldschmidt in Frankfurt a. M. ist kürzlich in
verhältnismässig jungen Jahren gestorben, bald nach
seinem Vater S. B. Goldschmidt, der wie er eine vor-
treffliche Sammlung alter Bilder zusammengebracht
hatte. Während der Kunstbesitz des Vaters in Wien
zur Versteigerung gekommen ist, wird die nicht weniger
umfangreiche Galerie des Sohnes nunmehr in Berlin zum
Verkauf gestellt. Die Frankfurter Familie Goldschmidt, zu der diese Herren
gehörten, hat sich auch sonst durch Kunstliebe und Sammelleidenschaft
hervorgetan. Ihr entstammte auch der Pariser Leopold Goldschmidt, dessen
ausgezeichnete Kunstschätze sich jetzt bei seinen Erben befinden.
Die zumeist in Holland und in Wien erworbenen Gemälde des Herrn
Emil Goldschmidt sind im folgenden Kataloge mit aller Sorgfalt und Berück-
sichtigung der Urteile mehrerer hervorragender Bilderkenner verzeichnet.
Den eigentlichen Körper der Sammlung bilden die Holländer des 17. Jahr-
hunderts. Von den beiden Grossmeistern ist Rembrandt mit einer alten
Replik nach einem interessanten mythologischen Bilde aus seiner Früh-
zeit vertreten, der Diana im Bade (Nr. 55), und Ausstrahlungen seines
Genies sind in mehreren interessanten Schöpfungen seiner Schüler zu
finden. Frans Hals ist mit einem geistreich skizzierten Männerporträt
repräsentiert. Von anderen holländischen Porträtisten, die ihre Zeitgenossen
in der Grösse des Lebens geschildert haben, begegnet uns Jacob Delff
mit einem tüchtigen, signierten und 1652 datierten Frauenporträt (Nr. 68)
und Jan Verspronck mit einem ungewöhnlich guten, blonden und heiteren
Bildnis, das, wenn nicht in der Malweise, so doch in der Auffassung an
Frans Hals gemahnt (Nr. 45).

Hobbema und Aelbert Cuijp fehlen, wie fast überall in deutschen Samm-
lungen, während Jacob van Ruisdaels ernste Kunst wenigstens in zwei
Proben sich zeigt. Das Waldbild (Nr. 27) ist eine Arbeit aus der früheren
Zeit des Meisters, fett im Vortrag und reich im Detail; die Schneelandschaft
gehört einer späteren Periode seines Schaffens an (Nr. 30). Ganz im Stile
Ruisdaels gestaltet ist das grosse dramatisch bewegte Seestück (Nr. 36).
In der Darstellung des holländischen Flachlandes steht der Haarlemer
Vermeer kaum zurück hinter Jacob van Ruisdael (Nr. 62).
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