Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus <Berlin> [Editor]
Sammlung Baurat Schiller, Berlin: Werke antiker Kleinkunst ; Goldschmuck, Gläser, Tonfiguren, Tongefäße ; [Versteigerung 19. u. 20. März 1929] (Katalog Nr. 2008) — Berlin, 1929

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Goldschmuck: Halsketten

7. Statt der Münzen zwei in Blech gepreßte Bilder (Brakteaten).

A. Büste der Luna, nach r., in Halbmond. Perlrand. B. Büste des
Sol, mit Strahlenkrone. Perlrand.

Vielleicht dachte der Verfertiger an die seit Caracalla vorkommenden Münzen,
die vorn die Büste des Kaisers mit Strahlenkrone, hinten die der Kaiserin in
der Mondsichel zeigen. Vgl. auch Kaiser und Kaiserin als Helios und Selene
auf alexandrinischen Prägungen: Jos. Vogt, Die alexandrinischen Münzen II,
Index 1 b, S. 180, auch 5, S. 183.

8. A. Kopf des Vespasianus mit Lorbeerkranz, nach r. IMPCAES-
VESPAVG PM COSIIIICEN. B. Bundtempel mit Statue der Vesta.
Auch rechts und links vom Tempel Statuen, die linke fast ganz von
der Umrahmung verdeckt. Von der Inschrift nur TA sichtbar:
Vesta.

Cohen I, S. 413, Nr. 575, 578, 582.

Bei allen diesen Anhängern ist der die Münze haltende schmale
Bahmen auf der Bückseite unordentlich zurechtgedrückt. Es läßt sich
die Vermutung nicht ganz abweisen, daß er geöffnet und die Einlage
ausgewechselt worden ist. Die Schieber haben kleine Einbeulungen.
Die Zwischenglieder zwischen den Anhängern sind teilweise leicht be-
schädigt, eines ist entzwei gebrochen. An dem dritten Anhänger ist
die Öse offenbar von moderner Hand aufgeschnitten, auf der Bück-
seite der Münze ist das Gold durch Schaben probiert. Im übrigen ist
das Schmuckstück gut erhalten.

Die jüngste Münze ist die der vergöttlichten Faustina, die 141 n. Chr. gestorben
ist. Die Herstellung des Schmuckstückes selbst ist aber beträchtlich später an-
zusetzen, denn das einzige bekannte Gegenstück, das vielleicht aus derselben
Werkstatt stammt, die Halskette, die aus der Sammlung Bachofen von Echt in
das Wiener Münzkabinett übergegangen ist (Voetter, Die Sammlung B. v. E.;
wiederholt in Forrer, Reallexikon S. 518), trug in ihrem ursprünglichen Zustande
drei Anhänger mit Prägungen des Commodus, des Antoninus Pius und des Gor-
dianus III., 238—243 n. Chr. (vgl. Amtliche Berichte aus den Kgl. Kunstsamm-
lungen, Berlin, XXXVIII, Okt. 1916, S. 20, Anm. 3, und die Feststellung des ersten
Zustandes des Schmuckstückes durch Marc Rosenberg, Der Cicerone XIV, 1922,
S. 334, oben, mit Abbildung auf S. 331). Wir gelangen somit auch für unser
Stück etwa in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. Beide Gehänge sind in
Ägypten gefunden. Vgl. hier Einleitung S. 15.

Umfang der Kette 0,94 m. Durchm. der Anhänger 0,028 m. Lg. der Schieber.
0,035 m. Tafel 61.

112. GBOSSE HALSKETTE MIT ZWEI MEDAILLONS

Der Schmuck setzt sich aus zwei ungleich langen, sehr locker gefügten
Ketten zusammen. Die einzelnen Glieder bestehen aus eng zusammen-
gedrückten Drahtschleifen mit ringartigen Enden, die in der Mitte der
Längsachse um einen Stab bis zur Berührung gebogen und dann

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