Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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— 453 — Eime

merkung in den Neuen Heidelb. Jahrbb. V
S. 99). Mit Wahrscheinlichkeit werden wir
diese Umwallung (eines vicus ?) in die zweite
Hälfte des 3. Jahrhunderts setzen, in
welcher die Donaugrenze bereits bedroht
war und solche Schutemassregeln notwen-
dig wurden. Zu dieser Zeit stimmt ferner
die halbrunde Form der Irnsinger Scbanze:).
Diese darf nicht „erhebliche Zweifel gegen
den riimiseben Ursprung verursachen", wie
Fink wollte. Vielmehr ist dies eine aus
spätrümischer Zeit bekannte Form eines
Brückenkopfs. Eine solche hat die im
J. 1889 von E. "Wagner mit K. Schumacher
Kaiser-Augst gegenüber bei Wyhlen unter-
suchte Schanze2), auf deren Analogie mich
Schumacher aufmerksam machte. Sie be-
steht rückwärts aus einem Halbrund, wäh-
rend nach dein Rheine zu auf dem steilen
Uferrande drei Türme den Abschluss bil-
den. In den letzteren fanden sieb Ziegel
mit dem Stempel, der unerklärt ist, aber
sicher in das Ende des 3. oder etwa in
das 4. Jahrh. gehört. Er kommt noch vor
in Kaiser-Augst selbst3) (bekanntlich dem
nach Aufgeben der Augusta Rauricorum
gegen Ende des 3. Jahrb. angelegten
Castrum Rauracense), ferner in Argento-
varia (Horburg) und in Epamanduodurum
(Mandeure), sämtlich Orten der damali-
gen Provinz Sequania oder Maxima Se-
auanornm. Abgesehen von diesen Ziegeln
der Türme fanden sich in diesem Brücken-
kopfe keine römischen Altertümer —
ebenso wie bei Irnsing. — Der Eingang
des Wyhlcr Brückenkopfs ist nicht nach-
gewiesen worden, war aber ohne Zweifel
vorhanden. — Die Türme am Rhein waren
teilweise abgestürzt oder abgetragen. Bei
der Ähnlichkeit der Irusinger Schanze
Hess sich nun von vornherein vermuten,
dass auch auf ihrer Fronte Türme ge-
standen haben, diese aber dann ganz ver-
schwunden sind. In der That teilt Fink
in seinem Berichte mit, die Schanze habe

1) Krhalton ist der grüsstc Teil der rechten
(südwestlichen) und der hinteren (nordwestlichen)
Seite in einer Länge von 120, bezw. 260, zusam-
men 380 in. Die (nach Westen Berichtete) Kcke
ist abgerundet. Die linke und die vordere (Uber
dein steilen Abhang nach der Donau liegende)
Seite sind teils abgetragen, teils abgestürzt.

2) Bß schrieben von K. Wagner, Westd. Zeit-
schrift IX, S. 150 und Tar. « und 7.

3) Mommsen, Inscr. Helvet. n. 315.

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lange Zeit den Anwohnern Baumaterial
geliefert; ältere Leute in Irnsing hätten
von ihren Vätern gehört, dass nach dem
Brande Stadtamhofs (1809) Wall und
Mauer, welche längs der Donau hinge-
zogen wären, niedergerissen worden seien.
„Und wirklich fanden sich an einigen
Stellen dieser Seite Scliuttreste. Auch
ein Turm sei dort gestanden".

Wir werden danach wohl auch der Irn-
singer Schanze römischen Ursprung zuzu-
weisen und sie in die zweite Hälfte des
3. Jahrhunderts zu setzen haben, wie denn
nach Mommsens Ansicht, die er mir gelegent-
lich einmal ausgesprochen hat, alle be-
festigten Brückenköpfe der Römer in eine
späte Periode zu gehören scheinen. — Und
der Zusammenhang mit dem Limes liegt
auf der Hand. Die Scbanze ist von der
rätiseben Mauer in der Luftlinie 4—f> km,
also noch etwas weniger als das 7—8 km
zurückliegende Kastell Pföring entfernt.
Gerade unterhalb derselben im Norden
läuft die von dem genannten Kastell kom-
mende Limesstrasse, deren Stelle mir
General Popp bezeichnete. Jenseits der
Donau zog sie dann hinauf au dem Ab-
hänge nach dem Kastell Eining, dieser
wichtigen Deckung des caput limitis. Hier
war offeubar ein wichtiger Obergang über
die Donau zur Bömerzeit4). In den ersten
Jahrhunderten des Mittelalters scheint er
aber aufgegeben und durch eine etwas
oberhalb angelegte Passage ersetzt worden
zu sein. Denn im 8. Jahrb. in dem Kriege
Karls d. Gr. mit Thassilo scheint die
Haupt-(.'herfahrt hei dem hiernach benann-
ten Pföring gewesen zu sein, das damals
„Faringa", „Feringa" bicss5).

Eine eingehendere Untersuchung des
Innern dieser Schanze und des nach der
Limesstrasse führenden Verbindungsweges,
womöglich auch die Nachweisiing des
Donauübergangs, ist nach dem Vorstehen-
den dringend zu wünschen.
Heidelberg. K. Zangemeister.

4) Das von Kallec, Kriegstheater 1KS9 S. 28
Fig. 2 für römische Befestigungen von Ftussüber-
giingon aufgestellte Schema entspricht der Lage
von Irnsing zu Eining. Speziell von diesem
Donau-i'bergang handelt er S. 27.

5) S. l-'oerstemann, Ortslexikon, 2. Aull. Sj>. 53(1.
In neuester Zeit sehreibt man mit weiterer Ver-
schlimmbesserung: Pförring*.
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