Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 4.1896

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich In 5 —G Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Druck und Verlag; der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Nr. 18. Ausgegeben am 15. Mai 1890.

Okarben. [Kastell und Militärbad.] Vgl.
S. 377 ff. und 412 ff. Im Juli wurden die
Untersuchungen im Kastell und seiner Um-
gebung fortgesetzt, soweit es mit Bück-
sicht a'if die Überbauung der Reste durch
das heutige Dorf möglich war. Die nörd-
liche Umfassungsmauer wurde genauer
festgelegt und auch hier die früher ge-
machte Beobachtung bestätigt gefunden,
dass sich unmittelbar an den Wall, ohne
trennenden Weg, Wohnräume anschlössen,
die teils kasemattenartig in den ersteren
angebaut, teils auf massiven Mauern auf-
geführt waren. Südlich vom Dorfe wur-
den Anhaltspunkte für die Verzweigung
der aus der porta principalis dextra, die
hier den Hauptverkehr mit dem Hinter-
lande zu vermitteln hatte, hinausführenden
Strasse gefunden, teils durch Aufdeckung
des Strasseukörpers, teils wo diese besei-
tigt waren, durch Auffindung von Mauer-
fluebten, deren Verhältnis zu den verschie-
denen Kastcllthoren die lüchtiing der an
ihnen vorüberführenden Wege vermuten
Hess. Von Interesse dürfte es sein, dass
in den untersten Lagen der (römischen)
„Steinstrasse" u. a. ein stark verrostetes
Hufeisen von der bekannten kleineren Art
gefunden wurde, die auf den Gehrauch
ponyartiger Pferde schliessen liisst. Im
Zusammenhange damit mag erwähnt wer-
den, dass im Kastell sich eine offenhar
naturalistisch gehaltene Bronzestatuette
eines Pferdes gefunden bat, welches durch
seine gedrungene Gestalt, den dicken Kopf
und die kurze aufrecht stehende Mähne
im die erwähnte Itasse erinnert.

In einem grossen Obst- und Grasgarten
hinter dem Hause des Bäckers Hestennann,
in dem bereits früher ein Estrichboden
aufgedeckt war (vgl. Koller, Westd. Korrbl.

1889, VIII, 84) wurde das Badegebäude
gesucht und auch, leider freilich in einem
aussergewöhnlich hohen Grade zerstört,
gefunden. Die Mauern waren nirgends er-
halten, selbst die Fundamen tgräben Hessen
sich infolge wiederholter Durchwühlung
nur unsicher erkennen; dagegen waren
einige Estrichböden wegen ihrer Festigkeit,
und weil sich ihnen kein brauchbares
Steinmaterial entnehmen Hess, besser er-
halten, darunter der, welchen Koller und
Büchner im Jahre 1889 angeschnitten hatten.
Es stellte sich jetzt heraus, dass er der
Boden eines jä'/s m langen und 2 m brei-
ten Badebassins war. Charakteristisch
war die VerSinterung der Oberfläche und
der Umstand, dass der sehr starke und
feste Ziegelestrich an den ausgebrochenen
Wänden sich in konkavem Kogen erhob.
Trotz der ungünstigen Beschaffenheit der
Beste Hessen sich die Grundrisse einer
grösseren Anzahl von rechteckigen Bäumen
mit verschieden tiefem Kussboden noch
feststellen und deren Zugehörigkeit zu ei-
nem grossem Gebäude erkennen, welches,
mit seiner Längenachse senkrecht gegen
die südliche Langseite des Kastells gerich-
tet, zwischen dem zur porta principalis
dextra führenden Wege und der Abdachung
nach der Nidda lag. Die für die Militür-
bäder am Pfahlgraben charakteristischen
halbrunden Absciilussmauern konnten nicht
konstatiert werden, vielleicht nur deswegen,
weil an den Stelleu, an welchen man sie zu
linden erwarten durfte, die Mauern sich noch
unter den Zäunen des Grundstücks hindurch
in die anliegenden Gemüsegärten erstreck-
ten. Trotzdem ist es keinem Zweifel unter-
worfen, dass wir in dem nach den erkenn-
baren Besten 40 m langen und an den
1 breitesten Stellen mehr als 30 m breiten
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