Lindau, Martin B.
Lucas Cranach: e. Lebensbild aus d. Zeitalter d. Reformation — Leipzig, 1883

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Ein Iubelbild des 70 jährigen Lranach.

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Wenn du nun siehst solch thun vnd zier
So betracht im Herzen wohl bei dir
Des Herrn Christi große gnadt
Die Er durch sie Dir geben hat,

Bitt, daß er kunst wie Tugend fein
Vermehr zu Lob des Namens deinb"

Fünftes Aapitel.

Herzog Moritz und die Ernestiner. Die Wurzner Fehde und Luther.
Belagerung von Wolsenbüttel. Landgraf Philipp von Hessen. Johann
Cellarius und sein Epitaphbild. Ein „Christus am Kreuz" in Craazen.
Johannes predigt den Kriegsknechten und andere Bildcr (bis 1547). Das
'Stammbuch. Das Turnierbuch. Holzschnittwerke. Lucas II. Bibel-

illustrationen.

Anfang des Jahres 1542 können wir Cranach wieder nach dem
durch seine kunstreiche Hand so reichlich ausgeschmückten Torgauer Schlosse
begleiten, wo abermals glänzende Vorbereitungen zu einem fürstlichen
Beilager, zur Vermählung des Herzogs Johann Ernst, zweiten Sohnes
Johann's des Beständigen, mit Katharina von Braunschweig-Grubenhagen
getroffen wurden. Es war dieses fürstliche Beilager, am 12. Februar,
die letzte derartige Festlichkeit, welche das Ernestinische Haus in diesem
Schlosse feierte und auf welche noch der letzte, scheinbar ungetrübte Sonnen-
strahl jener friedlichen Ausgleichung fiel, welche Heinrich's des Frommen
kurze, aber vermittelnde und versöhnende Zwischenherrschaft sür die alte
politische und religiöse Spaltung der beiden süchsischen Häuser angebahnt
hatte; denn auch Herzog Moritz hatte sich mit seiner vierzehnjührigen
Gemahlin Agnes und mit seinem Bruder August, mit einem Geleit
von 150 gerüsteten Pferden, zur Feier dieser Hochzeit in Torgau ein-
gefunden. Jnzwischen hatte Moritz bereits (21. Januar) die Erklärung
abgegeben, daß er dem schmalkaldischen Bunde nicht beitreten werde, und
von Seiten des Churfürsten war an den Bischof von Meißen bereits
jenes einseitige peremtorische Gebot ergangen, für das unter beiderseitiger
Herrschaft stehende Stift Wnrzen die vom Reiche ausgeschriebene Türken-
steuer einzubringen und nach Torgau einzusenden. Der vorzugsweise von

i Dieses an sich sehr gute Portrait Cranach's in Holzschnitt ist weder bei Heller,
noch sonstwo unter den von Cranach existirenden Portraits ausgeführt. — S. das
Titelkupfer dieses Werkes. Vergl. auch S. 75.
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