Lindau, Martin B.
Lucas Cranach: e. Lebensbild aus d. Zeitalter d. Reformation — Leipzig, 1883

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Dritter Abschnitt. Neuntes Raxitel.

burg bestätigen und zugleich auch den freundschaftlicheu Verkehr erkennen
lafsen, in welchem die beiden Künstler unter der scheinbar friedlich über-
einstimmenden Anregung ihrer Fürsten in Augsburg neben einander wirkten.

Neuntes Aapitel.

Cranach in Jnnsbruck und seine Thätigkeit für Johann Friedrich. Zwei
Dresdner Bilder aus jener Zeit. Portraits des Churfürsten und seiner
Gemahlin Sibylle (Holzschnitte). Karl's V. Flucht aus Jnnsbruck. Johann
Friedrich's Freilassung und Heimkehr. Cranach's letztes Bild und Ende.

üach dem Reichstage zu Augsburg verlebte Johann Friedrich die Zeit
seiner Gefangenschaft vorzugsweise zu Jnnsbruck. Der Kaiser pflegte hier wie
in einer natürlichen Veste zwischen Deutschland und Jtalien seinen gichtkranken
Körper, bis die durch Moritz herbeigeführte Katastrophe, durch welche die
Sache, welche bei Mühlberg verloren zu sein schien, geahndet ward, ihn mit
einmal aus seiner Ruhe und aus dem stolzen Traume seiner unüberwind-
lichen Macht erweckte. Ueber diese Zeit der Gefangenschast und die nächsten
sich daran knüpfenden Verhültnisse, an welchen Cranach, als einer der nüchsten
Genossen des Chursürsten, bis zur endlichen Heimkehr theilnahm, berichtet
am eingehendsten Johann Förster der Jüngere (in Arnstadt) in seiner 1587
herausgegebenen und den Herzögen Friedrich Wilhelm und Johann gewid-
meten Schrift, in welcher er, wie er in der Widmung sagt, die Auszeich-
nungen seines Vaters, des ehemaligen chursürstlichen und nachher herzog-
lichen Rathes und geheimen Secretairs, Johann Förster, ergänzt durch die
Aufzeichnungen anderer glaubwürdiger Personen und namentlich des Kanz-
lers Or. von Minckwitz, der die Gesangenschast Johann Friedrich's theilte,
getreulich gesammelt hatU „Soviel sonsten S. Fürstl. Gnaden Custodien
anlangt", heißt es u. a. in dieser Schrift, „so ist zu wissen, daß dieselben

1550 ließ der Kaiser den gesangenen Churfürsten Johann Friedrich malen! Chursürst
August schenkte jenes Portrait des Moritz, wie es scheint, ohne dcssen hohen Werth sür
seine von ihm sorgsam gepflegte„Kunstkammer" zn erkennen, seinem sehr unbedeutendenHof-
maler Heinrich Göding (oder Götting), und niemand weiß, wo dieses Bild hingekommen
ist, das für die Dresdner Galerie künstlerisch und historisch ein merkwürdiger Schatz
sein würde; vergl. Archiv zur sächs. Gesch., IV, S. 117.

i „Oustockia ot libsrntio Herzog Johann Friedrich's des älteren zu Sachsen,
gebornen Churfürstens, d. i. ausführliche Historia von S. Churf. G. Hafft und Er-
ledigung" von Johann Förster d. Jüngern, beider Rechte Doctor zn Arnstadt; bei
Hortleder, II, lüb. III, 88.
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