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Lübke, Wilhelm
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart — Leipzig, 1865

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https://doi.org/10.11588/diglit.26748#0199

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Drittes Kapitel. Römische Baukunst.

177

Wenn wir im Folgenden nun die Gattungen der römischen Gebäude durch- Denkmäler,
gehen und für jede einige charakteristische Beispiele geben, so glauben wir
unserem Zwecke zu genügen, da eine selbst nur annähernd vollständige Auf-
zählung der Denkmäler nicht in unserem Plane liegt*).

Von den Tempeln, über deren Bau wir zahlreiche Nachrichten besitzen, Tempel,
sind zumeist nur geringe Reste der äusseren Säulenhallen stehen geblieben.

Die meisten folgten der Anordnung des griechischen Tempels, wie der von
Augustus erbaute T. des Capitolinischen Juppiter auf dem Capitol, von
dem keine Spur übrig ist; der Tempel des Mars Ultor (irriger Weise ge-
wöhnlich Tempel des Nerva genannt), ebenfalls aus Augustus’ Zeit, von dessen
Peristyl noch drei sehr schöne, gegen 50 Fuss hohe korinthische Säulen sammt
Gebälk erhalten sind; der aus der besten Zeit stammende Tempel der Dios-
kuren am Forum, früher irrthümlich Tempel der Minerva, auch Tempel des
Juppiter Stator benannt, von dem ebenfalls nur noch
drei reich und prachtvoll gebildete Säulen sammt Ge-
bälk stehen (vergl. das Kranzgesims desselben unter
Fig. 118 auf S. 168). Andere zeigten den etruski-
schen Grundplan, indem sie nur eine tiefe Vorhalle
von Säulen vor der kürzeren Cella besassen. So zu
Rom der Tempel des Antoninus und der Faustina
(Fig. 123) in der Nähe des Forums, um 150 n. Clir.
in reichem korinthischen Styl errichtet. Seine Säulen
sind aus kostbarem Cipollin-Marmor, und daher un-
cannelirt. Am Friese sieht man Greifen paarweise um
Kandelaber angeordnet. Die Umfassungsmauern aus
Peperinquadern waren mit Marmorplatten bekleidet.

Ferner zu Assisi ein Tempel ähnlicher Anlage von
edler Durchbildung, jetzt die Kirche S. Maria della
Minerva. Die schönen korinthischen Marmorsäulen
mit ihren reich gegliederten Basen, den cannelirten
Schäften und den zierlich geschnittenen Akanthusblät-
tern der Kapitale sind Zeugnisse der augusteischen
Epoche. Aus derselben Zeit stammt der in den Dom zu
Pozzuoli eingebaute korinthische Tempelrest, sowie zu
Pola in Istrien ein Tempel des Augustus und der
Roma, ebenfalls in glänzendem korinthischen Style. Eine
dreifache Cella mit originell gebildeter ebenfalls dreifacher Vorhalle, deren
mittlerer Theil bedeutend vorspringt, zeigt der Herkulestempel zu Brescia (Fig.

124.) Seine Säulen haben korinthische Kapitale und cannelirte Schäfte, deren
Canneluren unten rohrartig ausgefüllt sind. Die Anlage an sanft ansteigendem
offnem Platze muss von prächtiger Wirkling gewesen sein. Noch andere be-
kunden jene schon oben berührte Verschmelzung etruskischer und griechischer
Anlage, die zu der Vorhalle an den andern Seiten noch Halbsäulen hinzufügte,
eine Mischgattung, die als Prostylos Pseudoperipteros zu bezeichnen ist.

Solcher Art ist zu Rom der Tempel der Fortuna virilis (vgl. dessen Grund-
riss unter Fig. 1 15 auf S. 1 65), noch aus den Zeiten der Republik stammend,

Tempel des Antonias
und der Faustina.

*) A. Desgodetz, Les ddifices antiques de Rome. Fol. Paris 1682 (neue Ausg. 1779).—B. Piranesi, Le
antiquitä Romane. 14 Tomi. Fol. Roma.—L. Canina, Gli edifizj di Roma antica. Fol. 1840. — G.Valladier,
Raceolta delle piii insigne fabbricche di Roma antica. Fol. Roma 1826.— E. Platner und C. Bunsen, Be-
schreibung der Stadt Rom. 5 Bde. 8. u. Fol. Stuttgart 1830. — J. Burckhardt, Der Cicerone. 8. Basel 1855.
Liibke, Geschichte d. Architektur. 12
 
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