Lübke, Wilhelm
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart — Leipzig, 1865

Page: 272
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Viertes Buch.

Damaskus.

-Medina.

Aegypten

Moschee in
Alt - Kairo.

Moschee zu
Kairo.

Justinian erbauten Kirche der Gottesmutter entlehnt zu sein. Die durch-
gezogenen Architravbalken erinnern an das Oktogon der Sachra, die über-
höhten Spitzbögen sind ein acht mohamedanisches Element. — Dass in
Damaskus auf Befehl des Kalifen Omar die Basilika des h. Johannes den
Christen und Mohamedanern zu gemeinsamer Benutzung überwiesen wurde,
fand bereits Erwähnung. Walid, der später die Christen ausschloss, errichtete
auf ihr eine hochaufragende Kuppel, legte einen Vorhof mit Säulenhallen an
ihre Faeade und schmückte sie mit drei Minarets. — Um zu beweisen, wie
schwankend in jener Zeit die Grundformen der Moscheen waren, fügen wil-
den beiden Beispielen als drittes, wiederum verschiedenes die ebenfalls von
Walid errichtete Moschee zu Medina hinzu. Diese besteht nur aus einem
Hofe, der auf drei Seiten von dreifachen, auf der vierten von zehnfachen Ar-
kadenreihen umgeben wird.

Zu einem festeren Style entwickelte sich die mohamedanische Architektur
in Aegypten, welches schon unter Omar durch dessen Feldherrn Amru dem
Islam unterworfen wurde. Der ernste, strenge Geist der alten Denkmäler des
Landes hat offenbar einen imponirenden Eindruck auf die Eroberer gemacht
und auf ihre baulichen Unternehmungen mancherlei Einfluss geübt. Was zu-
nächst die Grundform der Moscheen betrifft, so folgt dieselbe regelmässig der
Anlage eines von Arkaden umschlossenen Hofes. Die eine Seite der Hallen,
von demUebrigen durch Gitter mit Thoren abgetrennt, hat eine grössere Tiefe.
Auf der Mitte des Hofes erhebt sich ein von einer Kuppel überdachter Brunnen
für die Waschungen. Die Minarets sind zum Theil rund, zum Theil polygon
oder rund auf viereckigem Unterbau. Bemerkenswerth ist vorzüglich, dass
die Architektur, ohne Zweifel unter dem Einfluss der altägyptischen Denk-
mäler, eine massenhaftere Anlage aufweist, die sich besonders in einem kräf-
tigen Pfeilerbau und in der soliden Ausführung in Quadern kund gibt. Das
würfelförmige Kapital, welches man bisweilen auf den Säulen antrifft, ist
offenbar byzantinischer Abkunft. Sodann tritt die Form des Spitzbogens
hier am frühesten auf und ward in einfach gemessener Weise angewandt.
Auch die Kuppeln bescheiden sich mit einer schlichten oder etwas überhöhten
runden Linie.

Zu den ältesten Gebäuden gehört hier die im J. 643 gegründete Moschee
des Amru in Alt-Kairo. Ihre Portiken ruhen auf antik-römischen Säulen,
deren Kapitale den byzantinischen Würfelaufsatz zeigen. Von diesem steigen
die hufeisenförmigen, im Scheitel zugespitzten Bögen auf, die vielleicht erst
einer Umänderung des 9. Jahrhunderts angehören. Den Spitzbogen findet
man an der 8S5 gegründeten Moschee Ihn Tulun zu Kairo, deren Hof
von drei Arkadenreihen, an der Seite des Heiligthums von fiinfen, einge-
schlossen wird. Ihre Bögen ruhen auf kräftigen viereckigen Pfeilern, welche
die schöne Anordnung haben, dass sie an jeder Ecke sich mit einer Säule ver-
binden. Diese ansprechende Gliederung führte indess auch hier nicht zu einer
weiteren Entwicklung. Ungemein reich und prachtvoll ausgestattet ist die
Moschee des Sultan Hassan, 1356 erbaut, besonders aber durch eine von
den übrigen ägyptischen Bauten ganz abweichende Grundform ausgezeichnet.
Diese bildet nämlich ein Kreuz, indem nach vier Seiten sich grosse überdeckte
Räume an den in der Mitte liegenden freien Hof anschliessen. Die Nische des
Heiligthums, von einer hohen Kuppel überdeckt, liegt an der Stelle, welche
in christlichen Kirchen der Altar einnimmt. Durch diese bedeutsame Anlage,
so Avie durch ihre glänzende Ausstattung, zeichnet sich diese Moschee vor den
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