Lüders, Heinrich [Hrsg.]
Bruchstücke buddhistischer Dramen — Berlin, 1911

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FUNDORT UND ÄUSSERE BESCHAFFENHEIT
DER FRAGMENTE.

Beim Durchsehen der Fragmente von Palmblatthandschriften, die Herr
Dr. von Le Coq in einem der Höhlentempel von Ming-Öi by Kysyl westlich
von Kutscha gefunden hat, fielen mir eine Anzahl von kleineren Bruchstücken
durch die eigenartige Schritt, die sie trugen, auf. Es galt, diese Stücke zu-
nächst zu sammeln und dann soweit wie möglich zusammenzusetzen, eine
langwierige und mühselige Arbeit, bei der ich mich der Unterstützung des
Herrn Dr. Siegling und meiner Frau erfreuen konnte. Leider hat sich dabei
ein ganz vollständiges Blatt nicht ergeben. In vielen Fällen haben sich aber
doch größere Bruchstücke hersteilen lassen. Fragment i, das aus 8 oder 9
kleineren Stücken zusammengesetzt ist, ist 34,5 cm, das nächstgrößte Stück,
Fragment 8, 25 cm lang. Die kleinsten Fragmente sind kaum einen Ouadrat-
zentimeter groß. Im ganzen liegen jetzt 144 einzelne Bruchstücke vor*), von
denen ßO hier nicht publiziert sind, weil sie entweder nur ein paar Buch-
staben oder ein gewöhnliches Sanskritwort enthalten, das für die Beurteilung
des Textes keinen Wert hat. Es ist möglich, daß sich in der Folgezeit noch
einige Stückchen werden zusammensetzen lassen. Vielleicht wird sich auch
bei einer erneuten Prüfung des gesamten schwer übersehbaren Materiales
noch ein oder das andere Fragment dazu hnden; erheblichen Zuwachs aber
wird das, was ich hier vorlegen kann, kaum erfahren.
Die Handschrift, der unsere Fragmente angehören, ist unzweifelhaft in
Indien entstanden und erst später nach Turfan gebracht worden. Das be-
weist schon das Material. Die zum Schreiben verwendeten Blätter stammen
von der Talipat-Palme. Sie sind vollständig glatt und offenbar wie in späterer
Zeit präpariert. Zum Schreiben ist eine tiefschwarze Tinte benutzt. Der
Duktus der Schrift zeigt deutlich, daß man ebenso wie in späterer Zeit eine
Rohrfeder verwendete.
Die ursprüngliche Länge des Blattes, dem die Fragmente 1 und 2 an-
gehören, läßt sich mit Sicherheit berechnen, da das Blatt Verse enthält. In
der ersten Zeile der Vorderseite beginnt eine STharirn-Strophe, die in der
zweiten Zeile endet. Es fehlen iß txAsYzrtz.s'. In der vierten Zeile der Vorder-

') Nachdem die Photographien hergestelit waren, haben sich noch ein paar Bruchstücke
aneinandergefunden.
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