Lüders, Heinrich [Hrsg.]
Bruchstücke buddhistischer Dramen — Berlin, 1911

Seite: 24
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/lueders1911/0034
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
24

». . hungrig wandre ich meinen Weg; auch viel saure Milch . .«. Sicher-
lich parodierte hier der Vidüsaka die Rede des Mönches.
An dieser Stelle mag auch erwähnt werden, daß in io und 11 eine
Tierfabel vorkommt, in der ein Cakraväkapaar mit einem Genossen und ein
Turteltaubenpaar erscheinen. Der Held wird gebeten zu erzählen, wie die
Trennung des Taubenpaares zustande kam. Er kommt der Aufforderung
nach (VwM); aus seiner Erzählung sind indessen nur die Worte erhalten: »Er,
in der Meinung, daß sie, die aus Freude verstummt war, eingeschlafen sei,
schweigend . . .«. Ich bin nicht imstande, diese Fabel anderswo nach-
zuweisen.

DIE TECHNIK DER DRAMEN.
Wer den Text der Fragmente durchgeht, wird vielleicht noch einen
oder den andern Zug finden, der für die Rekonstruktion des Dramas in Be-
tracht kommen könnte; viel wird es kaum sein. Aber nicht darin hegt die
Bedeutung dieser Fragmente und des vorhin besprochenen Blattes, daß sie
die indische Literaturgeschichte um ein paar Dramen bereichern, über deren
ästhetischen Wert nicht einmal ein Urteil möglich ist; weit wichtiger ist,
was sie uns über die formale Seite des indischen Dramas zu einer Zeit, die
mindestens vier, wahrscheinlich sogar fünf Jahrhunderte vor Kälidäsa hegt,
lehren, und dessen ist trotz des traurigen Zustandes, in dem sie sich befinden,
eine Fülle.
Das klassische Drama beginnt mit der sogenannten Nändl und einem
Vorspiel. In Fragment 3 liegt uns der Anfang des zweiten Dramas vor, wie
das Wort und das w%77g%/% am Rande, das ich durch 0777 wieder-
gegeben habe, zeigen. Hinter NaUAam steht die Bühnenanweisung
»der Gehülfe des Schauspieldirektors«. Von seinen Worten ist nur ein
Buchstabe erhalten. Wenn wir sicher wären, daß die Worte
tatsächlich den Anfang des Textes bildeten, so würde daraus
folgen, daß der die Nändl sprach. Allein es ist sehr wohl
möglich — und die Form des Fragmentes macht es sogar wahrscheinlich —
daß der obere Rand des Blattes weggebrochen ist, und daß mit
die zweite Zeile begann und nur scheinbar in der Zeile, in Wirklich-
keit aber ebenso wie (<777 am Rande steht. Wir dürfen also aus der Angabe
nur schließen, daß das Stück mit einem Vorspiel begann, in
dem der Gehülfe des Schauspieldirektors auftrat wie in so vielen Dramen
der klassischen Zeit.
Das zweite Drama der Fragmente war wie alle größeren Dramen der
späteren Zeit in Akte geteilt. In 13 Anden wir hinter der Bühnenanweisung
»alle treten ab«: . . und dahinter einen Kreis. Hinter
fehlt eine Silbe, und zweifellos müssen wir 77^%% ergänzen. In 43 Anden wir
hinter der Bühnenanweisung »beide treten ab« die Ziffer 2 und dahinter
denselben Kreis. Hier schloß also offenbar der zweite Akt.
loading ...