Lüders, Heinrich [Hrsg.]; Kumāralāta [Hrsg.]
Bruchstücke der Kalpanāmaṇḍitikā des Kumaralāta — Leipzig, 1926

Seite: 36
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Ganz anders liegt die Sache natürlich, wenn Agvaghosas Werk eine Erklärung
der Sütras des Kanons der Sarvästivädins enthielt. Einem Buche, das aus-
führlich die Lehren des Hinayäna auseinandersetzte, konnte die Darstellung
der neuen Lehre von der Bodhi und dem Bodhisattva allerdings in bewußter
Rivalität gegenübergestellt werden. Und ist der Süträlamkära wirklich mit
dem Sutrakommentar identisch, von dem uns Bruchstücke erhalten sind, so
hat auch in der äußeren Form die größte Ähnlichkeit zwischen ihm und seinem
Gegenstück bestanden. Der Süträlamkära war dann eine Erläuterung der
Lehre des Sütras in Versen, denen wahrscheinlich, wie wir gesehen, ursprüng-
ich weitere Erklärungen in Prosa hinzugefügt waren; der Mahäyänasüträlamkära
besteht in der uns vorliegenden Gestalt aus metrischen die durch eine
in Prosa abgefaßte ergänzt werden'. So glaube ich, daß auch von dem
späteren Mahäyänasüträlamkära her die Wahrscheinlichkeit meiner Ansicht
über den Charakter des Süträlamkära des Agvaghosa verstärkt wird.

UMFANG UND EINTEILUNG DER KALPANÄMANDITIKÄ.
In der Übersetzung des Kumärajlva ist das ganze Werk in 1$ Kapitel 2
geteilt, während der im Jahre $97 hergestellte Katalog des chinesischen Kanons,
das Li-tai-san-pao-ki angibt, daß das von dem Bodhisattva Agvaghosa verfaßte
Ta-cuang-yen-lun 1 mal 10 Kapitel (= Papierrollen) umfasset Man könnte die
Angabe des Li-tai-san-pao-ki vielleicht als gänzlich belanglos beiseite lassen,
da es jetzt ja, wie schon bemerkt, nicht einmal sicher ist, ob sie sich überhaupt
auf unsere Sammlung von Erzählungen bezieht. Allein auch wenn man von
jener Angabe ganz absehen will, wird man Huber zugestehen müssen, daß er
ein gewisses Recht hatte, wenigstens die Echtheit der letzten zehn Erzählungen
der Sammlung anzuzweifeln. Denn diese heben sich in der Tat der Form
wie dem Inhalte nach scharf von allen übrigen Erzählungen des Werkes ab;
es sind kurze Parabeln, denen eine ausführliche Auslegung hinzugefügt ist, während
die Moral, die sonst den Eingang der Erzählungen zu bilden pflegt, fehlt. Auch
Levi war von der Unechtheit dieser Parabeln überzeugt; er meinte (S. 182), daß
der von Kumärajlva benutzten Handschrift am Schlüsse, sei es zufällig, sei es
wegen einer gewissen Ähnlichkeit des Inhalts, ein paar Blätter aus einem andern
Werke beigelegt waren, die von dem Übersetzer als Bestandteil der Kalpanä-
manditikä angesehen wurden.
1 Aut' die Frage, ob beides, und auf Asanga zurückgeht, will ich hier nicht
eingehen. Vollkommen sicher scheint die Verfasserschaft Asangas für die Strophen trotz Levis
2 1— 1—3; II —4—io; III = H — l6;IV— iy—22;V=^2ß—30; VI ==31—40: VII —
4t—44; VIII = 4$='So; IX = $i—34; X = 5$—60; XI = 6i—63; XII = 64—63; XlII = 66-6y;
XIV =? 68—yo; XV = yj— go. Bei der Zählung der Kapitel in der Übersetzung ist ein Versehen
untergelaufen; siehe die Bemerkung auf S. 308.
3 Wohl mit Rücksicht auf diese Angabe wird im Ct-yüan-lu bemerkt, das Werk bestehe
aus 13 oder io Kapiteln.
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