Lüders, Heinrich [Hrsg.]; Kumāralāta [Hrsg.]
Bruchstücke der Kalpanāmaṇḍitikā des Kumaralāta — Leipzig, 1926

Seite: 132
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Iß2

Asokarajasutra

Upagupta-Legende




Asokarajasutra
(A-yü-wang-king)


DIE KALPANAMANDITIKA IN DER BILDENDEN KUNST.
Wir wissen, daß die buddhistische Kunst mit Vorliebe ihre Stoße den
Sammlungen von Jätakas, Legenden und erbaulichen Erzählungen entnahm,
die in so reicher Fülle im Laufe der Jahrhunderte entstanden, und ich glaube
zeigen zu können, daß auch die Kalpanämanditikä die buddhistische Malerei
beeinflußt hat.
Die 20. Erzählung, die bisher, soviel ich weiß, noch nicht in einem
älteren Texte nachgewiesen ist und daher auf der eigenen Erfindung Kumä-
ralätas beruhen dürfte, handelt von einem Prediger, der durch seine Beredsam-
keit die Herzen seiner Laienhörer im Sturme erobert. Täglich versammeln
sich Scharen um ihn, um die Lehre zu hören; die Hetärenhäuser der Stadt
werden nicht mehr besucht. Da beschließt eine junge, außerordentlich schöne
Hetäre die Hörer jenes Predigers zu weltlicher Lust zurückzuführen. Angetan
mit ihrem prächtigen Schmucke, von einer lärmenden Schar von Dienerinnen,
Tänzerinnen und Eunuchen begleitet, begibt sie sich eines Tages in die Nähe
des Klosters, wo der Meister seine Predigten zu halten pflegt. Kaum hat dieser
auf dem Platz genommen und seine Ansprache begonnen, da tritt
die Hetäre in die Tür, während' sich ihre Begleitung unter die Menge der
Hörer mischt. Die Wirkung ist ungeheuer. Niemand achtet mehr auf die
Predigt; alle blicken bewundernd auf das schöne Weib und sinnliche Lust
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