Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

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Zwei indische Etymologien

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Frauen wieder die Hetäre, die Alte und zwei ihrer Begleiterinnen zu sehen
haben.
Es bleiben endlich noch die Figuren unten links. Hier sehen wir den
König auf einem mit zwei Pferden bespannten Wagen hinter dem Wagen-
lenker stehen. Er trägt einen runden Gegenstand, etwa eine Schale, in den
hoch erhobenen Händen. Im Hintergründe steht wiederum ein Baum. Ich
glaube, daß wir diese Gruppe von der Szene zur Rechten abtrennen müssen
und hier den König vor uns haben, der mit Geschenken dem Rsyasrnga ent-
gegenzieht.
Leider ist nun über die Herkunft gerade dieser Platte nichts Genaueres
zu ermitteln. Sie kann, wie Fergusson bemerkt, nach ihrem Stile und ihren
Größen Verhältnissen weder den 'Rails' noch dem Mittelgebäude angehört
haben. Allein, wenn das Relief auch einer späteren Zeit angehört — und
dafür spricht namentlich die Übertreibung und ganz mechanische An-
wendung des Motivs der heraustretenden Hüfte —, so gehört es doch sicher-
lich noch der buddhistischen Periode der südindischen Kunst an und muß
daher vor dem 6. Jahrhundert n. Chr. entstanden sein, wo mit der Aus-
breitung der Macht der Calukyas im Dekkan die brahmanische Periode
beginnt. Wenn meine Auslegung des Reliefs richtig ist, so ist damit die
Existenz der puranischen Fassung der Rsyasrnga-Sage spätestens für das
5. Jahrhundert n. Chr. bezeugt.
Zwei indische Etymologien.
Pali
P. furchtbar, böse' und Wäger', wurde von Fausboll zu Sk.
'Beute, Raub', gestellt^). Kuhn führt es auf Sk.
zurück, hält aber auch die Fausbollsche Ableitung für möglich^). Bei
Childers wird ebenfalls als Äquivalent gegeben. Trenckner stellt
das Wort offenbar zu rtWru; er führt unter den Wörtern, die im Pali in
verschiedenen Formen erscheinen, und auf^). Im
Glossar zum Suttanipäta, S. 306, hat Fausboll diese Etymologie abgelehnt
und mit identifiziert.
Was zunächst in der Bedeutung furchtbar betrifft, so scheint
es mir keinem Zweifel zu unterliegen, daß es Sk. ruttdru ist. So haben es
die Inder selbst gefaßt. G. 16 des Samkiccajätaka (530):
fcc e^e a.üAu m'm-yü aM'Aüfü [
pacceM 3o(as' ])
lautet in der Sanskritfassung, Mahävastu I, 9:
eü; TMfayd ü/rAyüG [
ü/Jr/M jj
1) Gelegentlich geschrieben; z. B. Jät. V, 270, 4.
2) Five Jätakas, S. 38. 3) Beiträge zur Pali-Grammatik, S. 41.
*) Pali Miscellany, I, S. 63, Note 19.
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