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Lüdtke, Gerhard
Die Wiedergewinnung der Manessischen Liederhandschrift (aus: Forschung und Wissen ; 1914, H. 3, S. 1-3) — [S.l.], [1914]

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https://doi.org/10.11588/diglit.4100#0001
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Die IVicdergewinnuny der Manessrschen Eiederhandschrifk^^^^ ^

in den Stürmen des Dreißigjährigen Krieges, der das deutsche Kulturleben
zerbrach und vernichtete, ging auch die Manessische Liederhandschrift, das

- anschaulichste Dokument der Blüte mittelhochdeutscher Dichtung, Deutschland

verloren. Sie wurde aus Heidelberg geraubt und kam schließlich in den Besitz der
Pariser Nationalbibliothek.

Seit 25 Jahren ist dies Nationalkleinod aber wieder im Besitz des Deutschen
Reiches und im besonderen der Heidelberger Bibliothek; gewissermaßen auch ein Sym-
bol der wiedererstandenen deutschen Einheit.

Die Würdigung des Verdiensies, die Handschrift dem deutschen Kulturleben
zurückgewonnen zu haben, wird mit dem Namen von vr. Karl Trübner immer
verknüpft bleiben.

Es sei gestattet, nach dem wenig bekannten Bericht, den Trübner selbst im Jahre
1888 im Zentralblatt für Bibliothekswesen in schmuckloser und alles Persönliche mög--
lichst ausschaltender Form gegeben hat, und aus persönlicher Erinnerung an mündliche
Äußerungen des Mannes, hier eine kurze Darstellung der glücklichen Handels zu geben.

Karl Trübner war i. I. 1866 in das Geschäft seines Onkels Nikolaus Trübner
eingetreten, in dem er bis ;. I. 1871 blieb, um dann in Straßburg sein eigenes Ge--
schäft zu gründen. Der Aufenthalt in England hatte ihm, neben mancherlei innerer
und äußerer Förderung, auch eine eingehende Kenntnis des englischen Büchermarktes,
des Antiquariatsgeschäftes und der in England vorhandenen Handschriftenschätze
gebracht, die er in seiner Straßburger Buchhandlung eifrig nützte. Jst doch durch Ver-
mittlung seines Antiquariates, das die Verbindung mit dem Londoner Hause aufs
regste aufrechterhielt, so manche, namentlich orientalische, Handschrift in deutschen
Besitz übergegangen.

Eine der berühmiesten Handschriftensammlungen Englands, die des Lord Ash^
burnham, war also Trübner aus seinen Londoner Tagen gut bekannt, er verfolgte
ihre Schicksale, die nach einzelnen Teilverkäufen die gänzliche Auflösnng erwarten
ließen, und er hatte Kenntnis von Verhandlungen, die der Besitzer mit dem Britischen
Museum wegen Ankaufs der ganzen Sammlung gepflogen hatte. Jn der Ashburn-
hamsschen Sammlung war nun eine besondere Gruppe französischer Handschriften, die

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