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Die verkehrsgeographische Lage von Dörverden
(vgl. Karte Taf. 32)
Der Ort Dörverden liegt ca. 11 km südlich der Kreis- und alten Bischofsstadt Verden,
direkt am östlichen Weserufer an einer verkehrsgeographisch sehr wichtigen Stelle.
Schon der Name des Ortes weist auf eine Furtstelle hin. Es ist durchaus möglich und liegt
nach den heutigen Umständen nahe, daß hier auch in alter Zeit ein Weserübergang eine
große Rolle spielte, der heute noch durch die Fähren in Dörverden und, etwas südlich da-
von, in Barme in Erscheinung tritt. Dieser Übergang könnte dem Verkehr einer Ost-West-
Verbindung gedient haben, die, aus dem Hoyaschen kommend, den Übergang zur Stader
Geest jenseits der Aller suchte. Sicher aber hat Dörverden auch im Verkehrsstrom der
großen nach Süddeutschland führenden Weserstraße gelegen, deren Fortsetzung nach
Süden auf die nach Italien führenden Alpenpässe zielte. Sie benutzte von Bremen bis
Nienburg/Weser die trockenen Dünenzüge, die das Urstromtal der Weser an seiner Ost-
seite begleiten. Dieser natürliche Weg wird durch das AUer-Urstromtal unterbrochen.
An dem letzten festen Punkt, den der von Süden kommende Weg durchläuft, ehe er in
diese feuchte und wahrscheinlich hochwassergefährdete Niederung übergeht, liegt der Ort
Dörverden, der damit seine Bedeutung als Schnittpunkt zweier wichtiger Straßensysteme
erhält.
Den Brückenkopf nördlich des Urstromtales bildet die alte Bischofsstadt Verden, die
ebenfalls im Schnittpunkt mehrerer Wegezüge hegt. Von Südosten her bilden die östlich
der Allerniederung liegenden Dünen die Voraussetzung für eine Verkehrsstraße. Nach
Nordwesten führt auf einer Dünenkette, entlang dem Urstromtal der Weser, ein Straßen-
zug, an dessen nördlichem Abschluß die Bischofsstadt Bremen hegt. Ein weiterer Weg
führt von Verden aus über Hellwege nach Stade, einem wichtigen Fährort, der den An-
schluß an das über Jütland nach Kopenhagen führende mittelalterliche Straßensystem ver-
mittelte 2. Es ist somit nicht zuviel gesagt, daß Dörverden an einer der für die Frühzeit
bedeutendsten Handels- und Verkehrsstraßen Norddeutschlands hegt, die nach mittel-
alterlichen Nachrichten, unter anderen einer Reisebeschreibung eines aus Island stammen-
den Abtes, die Verbindung zwischen Italien und Dänemark herstellte. So ist es auch nicht
weiter verwunderlich, daß Dörverden mit großer Wahrscheinlichkeit in der Erdbeschrei-
bung des alexandrinischen Geographen Ptolemäus im 2. Jh. n. Chr. als „Tulifurdon" er-
wähnt wird3. Die gleichen geographischen Voraussetzungen, die den Verlauf der alten
Heer- und Handelsstraße bestimmen, bilden auch die Grundlage für das heutige Ver-
kehrssystem, die Trassen der Bundesstraße 215 und der Eisenbahnlinie Hannover —
Nienburg — Bremen.
Wie das Urstromtal der Aller zwischen Dörverden und Verden in alter Zeit überbrückt
wurde, läßt sich ohne genauere Untersuchung im Gelände vorerst nur vermuten. Einen
2 Fundkarte des Kreises Verden nach Rosenbrock; Kersten: Frühgeschichtliche Heerwege.
3 Herrn Prof. Wesche, Göttingen, verdanke ich die Auskunft, daß von Seiten der Sprachwissenschaft
keine Bedenken gegen die Gleichsetzung von Tulifurdon und Dörverden bestehen.

1 Dörverden

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