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Anhaltspunkt bietet mit großer Wahrscheinlichkeit die Lage der alten Burg in Verden, die
neuerdings im Gelände wieder aufgefunden und durch Grabungen untersucht werden
konnte4 5. Auf der Kurfürstlichen Landesaufnahme von 1779 führen die Wegzüge abwei-
chend von der heutigen Bundesstraße, die für die Überquerung des Urstromtales erheb-
licher Kunstbauten bedarf, über Wahnebergen auf das Gelände der ehemaligen Burg zu.
Sie benutzten dabei einige höher gelegene, aus der Flußmarsch aufragende Horste. Dieser
Trasse entlang ist auch die Eisenbahnlinie geführt, bei deren Bau ein Teil des Burgge-
ländes abgetragen wurde. Auf dem Meßtischblatt Verden ist noch heute ein Fußweg von
Wahnebergen zu einer Kahnfähre eingezeichnet, deren Landestelle unterhalb des alten
Burggeländes liegt. Vielleicht ist hier noch eine Andeutung der alten Straßenführung er-
kennbar.

Prähistorische Funde aus der Umgebung Dörverdens
Daß die auf geographische Gegebenheiten zurückführenden Wegzüge bereits in alter
Zeit Bedeutung besaßen, zeigt die Lage verschiedener Fundstellen, von denen viele in
die Zeit unseres gemischt-belegten Friedhofes Dörverden gehören (vgl. Karte Taf. 32). Der
bedeutsame, durch Reichtum und Importgegenstände ausgezeichnete Friedhof von Mahn-
dorf bei Bremen6 kann als Indiz für das Vorhandensein einer wichtigen und reichen An-
siedlung angesehen werden. Darüber hinaus bildet er durch die Belegung mit Körper- und
Brandbestattungen, das Auftreten von Pferdegräbern und die Feststellung wahrschein-
lich schon christlicher, von Westen nach Osten ausgerichteter Bestattungen in Baumsär-
gen eine wichtige Parallele zu unseren Funden und Befunden auf dem Friedhof Dörverden.
Ein anderes, im Charakter ähnliches, wenn auch nicht ganz so bedeutendes, gemischt-
belegtes Gräberfeld mit Pferdebestattungen liegt gegenüber Mahndorf auf der linken Seite
der Weser in Hagen-Leeste, Kr. Grafschaft Hoya“. Ganz in der Nähe sind in Kirchweyhe
bedeutende römische Importfunde entdeckt worden 7. Beide Friedhöfe sind leider nicht so
umfassend durch Grabungen erschlossen und veröffentlicht, daß man ihre besiedlungs-
geschichtliche Bedeutung in ihrem ganzen Umfange erkennen könnte.
Aus Verden selbst und seiner näheren Umgebung stammen bisher nur wenige Urnen,
Bronze- und Eisengefäße und römische Münzen, die in so alter Zeit geborgen wurden, daß
Fundbeobachtungen fast völlig fehlen und z.T. nicht einmal die genauen Fundstellen be-
kannt sind. Es ist durchaus möglich, daß die alten Fundschichten durch die verhältnismäßig
dichte Bebauung innerhalb der mittelalterlichen Bischofsstadt zerstört oder überdeckt
worden sind. Sowie die schriftlichen Nachrichten einsetzen, erfahren wir von der Bedeu-
tung Verdens als Vorort des späteren Sturmigaues und seiner Gerichtsstätte am Lugen-
stein in der Nähe des Domes. Auch die Tatsache der Erwähnung anläßlich der Sachsen-
kriege Karls des Großen im Zusammenhang mit der Hinrichtung aufständischer Sachsen
zeigt die Bedeutung Verdens mit aller Deutlichkeit. Eine systematische Bodenuntersuchung
würde sicherlich diese schriftliche Überlieferung stützen und ergänzen können. Zwischen
Verden und Dörverden schied eine Landwehr, die von der Weser bei Riede bis zum
Wahneberger See reichte, den unmittelbar zum Amte Verden gehörigen Bezirk von der
4 Schünemann: „Die alte Burg" in Verden.
5 Grohne: Mahndorf.
6 Potratz: Schmelzverzierte Schmuckfunde.
7 Nowothnig: Kirchweyhe.

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