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Claus, Martin; Fansa, Mamoun
Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens (Heft 18): Palithi: die Keramik der jüngeren Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit und des Mittelalters aus dem Pfalzbereich von Pöhlde (Stadt Herzberg am Harz, Landkreis Osterode am Harz) — Hildesheim: Verlag August Lax, 1983

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.65794#0010
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2. Die Ausgrabungsbefunde im Pfalzbereich
Die archäologischen Untersuchungen zur Geschichte von Königshof und Pfalz Pöhlde (Palithi) be-
zogen sich auf zwei große Komplexe: einmal auf die unmittelbar südlich des Ortes auf dem Kamm
des Rotenberges liegende Wallanlage ,, König Heinrichs Vogelherd” und zum anderen auf die Um-
gebung der im alten Ortsteil Pöhldes liegenden Kirche, wo der in den Jahren 927 und 929 urkund-
lich genannte liudolfingische Königshof, die spätere Pfalz Palithi, mit dem um 950 gegründeten Be-
nediktinerkloster vermutet wurde. Diese Annahme stützt sich auf Erscheinungen im heutigen Orts-
bild, auf örtliche Überlieferungen und auf Beobachtungen bei Erd- und Bauarbeiten, bei denen
stets „alte Mauerteile'' angetroffen wurden.
Für die ausführliche Darstellung der Grabungsbefunde aus diesem Pfalzbereich ist eine eigene Pu-
blikation vorgesehen. Der nachfolgende Überblick bringt kurz informierend nur die Angaben und
Befunde, die für die Bearbeitung und Auswertung des keramischen Fundmaterials notwendig sind.
Ein die bisherigen Ergebnisse zusammenfassender Vorbericht war bereits 1972 erschienen (CLAUS
1972, 283—293; 1978, 99—111).
Bei einem im Jahre 1956 nördlich der Kirche durchgeführten Probeschnitt (Schnitt 2; Falttaf. 1 u. 3)
waren unter einer durchschnittlich einen Meter starken Bauschuttschicht Mauerreste festgestellt wor-
den. Im selben Jahr beobachtete man bei der Anlage eines Heizungskellers an der Nordseite der
Kirche (Schnitt 1; Falttaf 1 u. 3) in 1,20 Meter Tiefe unter der heutigen Oberfläche Reste eines
Gipsestriches und schließlich kamen bei Ausschachtungsarbeiten für eine neue Fundamentisolie-
rung an der Nord-, Süd- und Westseite der heutigen Kirche im Jahre 1961 Bauteile zum Vorschein,
die nur als Reste eines älteren, vermutlich größeren Kirchengebäudes gedeutet werden konnten.
Ausgehend von diesen Feststellungen, sollte im Jahre 1964 mit der systematischen Untersuchung
des Geländes der ehemaligen Pfalz Pöhlde begonnen werden. Bedingt durch den Neubau eines
Pfarrhauses auf dem der Kirchengemeinde Pöhlde gehörenden Pfalzgelände mußte entgegen dieser
Planung die Untersuchung des Bauplatzes im Pfarrgarten unternommen werden. Die Ausgrabungs-
arbeiten begannen bei noch gefrorenem Boden im März 1964 gleichlaufend mit den Erdarbeiten für
den Neubau. Einsetzendes Tauwetter mit starken Regenfällen verwandelte den Lehmboden sehr
bald in eine regelrechte Schlammwüste, wodurch Dokumentation und Fundbergung sehr stark be-
einträchtigt wurden. Inmitten der ständig fortschreitenden, durch Maschineneinsatz beschleunigten
Bau- und Ausschachtungsarbeiten mußte die Dokumentierung der Grabungsbefunde schnellstens
vorgenommen werden. Die präzise Untersuchung einzelner Befunde, wie sie für jede planmäßige
Ausgrabung eine Selbstverständlichkeit ist, war daher nicht durchführbar. Es mußte vor allen Din-
gen Wert darauf gelegt werden, die zahlreichen Baubefunde vor ihrer endgültigen Zerstörung
durch den Bagger möglichst genau aufzuzeichnen; dagegen konnte das Fundmaterial, das nahezu
ausschließlich aus den stark ausgeprägten Bauschuttschichten stammt, meist nur in größeren Fund-
komplexen aufgesammelt werden. Die genauere Lokalisation jedes einzelnen Fundstückes war nicht
möglich.
Die Untersuchungen bezogen sich zunächst auf die für den Neubau notwendigen Fundamentgrä-
ben, von denen einige im weiteren Verlauf der Grabungen zu einer zusammenhängenden Fläche
von rund 650 Quadratmetern erweitert werden konnte (Schnitt 14), dagegen mußten Arbeiten im
weiteren Baugelände auf die schmalen, maschinell ausgehobenen Fundamentgräben beschränkt
bleiben. Unvermeidbar war daher, daß die in diesen Abschnitten angetroffenen Befunde isoliert be-
stehen blieben, zumal meist nur eine sehr kurze Frist zwischen Ausschachten und Betonieren für die

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