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Claus, Martin; Fansa, Mamoun
Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens (Heft 18): Palithi: die Keramik der jüngeren Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit und des Mittelalters aus dem Pfalzbereich von Pöhlde (Stadt Herzberg am Harz, Landkreis Osterode am Harz) — Hildesheim: Verlag August Lax, 1983

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.65794#0014
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3. Die Keramik der jüngeren Eisenzeit und älteren Kaiserzeit

з. 1 Einordnung und Datierung
Bei den Ausgrabungen im Pfalzgelände von Pöhlde kamen neben den großen Mengen an früh- und
hochmittelalterlicher Tonware zahlreiche Gefäßreste zum Vorschein, die als Keramik der jüngeren
(vorrömischen) Eisenzeit oder der älteren (römischen) Kaiserzeit bestimmt werden konnten.
Für die Bearbeitung dieser älteren Tonware wirkt sich nachteilig aus, daß eine klare Stratigraphie im
gesamten Pfalzbereich nicht gewonnen werden konnte. Wie schon im vorhergehenden Kapitel ver-
merkt wurde, war der Untergrund im Pfarrgarten (Ealttaf. 1 u. 2) und auch im Kirchhof (Ealttaf. 1
и. 3) meist bis auf den anstehenden kiesigen Lehm beim Bau der mittelalterlichen Gebäude, an der
Kirche außerdem noch durch die vielen rezenten Grabanlagen gestört. An manchen Stellen liegt die
ältere Keramik häufig vergesellschaftet mit jüngerer Tonware in den untersten Grabungsstraten un-
mittelbar über dem anstehenden Lehmboden unter den durchweg sehr starken Bauschuttablagerun-
gen. Mehrfach wurden aber auch einzelne Scherben direkt unter der heutigen Humusdecke festge-
stellt (z. B. Kat. Nr. 58/13:72); andere lagen direkt auf mittelalterlichen Mauerresten, z. B. im
Schnitt 5 (Kat. Nr. 140/18:71). Die jeweiligen Fundumstände sind im Katalogteil kurz gefaßt ange-
geben.
Abgesehen von zwei Bruchstücken von Webgewichten und zwei Scherben von Drehscheibengefä-
ßen bildet den Hauptbestandteil des Fundmaterials die handgefertigte Keramik. Ihr Aussagewert
wird jedoch durch den fragmentarischen Zustand und die unsicheren stratigraphischen Befunde er-
heblich beeinträchtigt. Nicht näher bestimmbare grobe und auch glattwandige Ware überwiegt
stark gegenüber den Gefäßbruchstücken, meist Randscherben, die durch ihre Form näher festgelegt
werden können. Um den Formenvorrat dieser Keramik zu kennzeichnen, erfolgt die Vorlage der
Fundstücke nach der von R. VON USLAR (1938) aufgestellten üblichen Einteilungin die Formen I bis VI.
Mehrere Scherben aus dem Schnitt 14 (Kat. Nr. 3/101:64) gehören zu einem weitmündigen, situla-
ähnlichen Gefäß der Form I (Taf. A, 7). Das verhältnismäßig niedrige Oberteil mit dem schräg
nach außen gerichteten, horizontal abgestrichenen Rand und einer schmalen, schräg nach innen an-
steigenden Schulter ist durch einen stark betonten, kantigen Umbruch vom straff eingezogenen Un-
terteil abgesetzt. Diese kräftige Einziehung läßt ein schalenartiges Gefäß vermuten. Mit gewissem
Vorbehalt, da die Gefäßform nicht genau erkennbar ist, wird auch das Hals-Schulter-Bruchstück aus
dem Schnitt 3 (Taf. B, 17) zu dieser Gefäßform zu rechnen sein, obwohl die Konturen nicht so
scharf ausgeprägt sind und der Übergang vom Ober- zum Unterteil durch eine mehr gerundete Bie-
gung dargestellt wird (vgl. VON USLAR 1938, 14; Taf. 13, 1). Zwei Gefäßunterteile mit flachem Bo-
den aus den Schnitten 6 und 9 (Taf. D, 7; E, 1) können zu derartigen situlaähnlichen Gefäßen der
Form I gehört haben.
Während diese Gefäßform I unter der Keramik aus den wenigen, bisher bekannt gewordenen Sied-
lungsplätzen des südwestlichen Harzvorlandes noch nicht nachweisbar war (CLAUS 1979, 29), liegt
sie im Leinetal aus der Siedlung Geismar bei Göttingen vor (ROSENSTOCK 1972, 30 Abb. 7, 1; 1979,
214 f.; Abb. 30, 16). In dem benachbarten nordhessischen Gebiet tritt sie in Siedlungen auf, deren
Beginn am Ende der vorrömischen Eisenzeit bzw. am Anfang der älteren römischen Kaiserzeit liegt
(MILDENBERGER 1972, 80 ff.). Stratigraphische Befunde in der Siedlung Böhme, Lkr. Soltau-
Fallingbostel, ermöglichen es, Gefäße dieser Form I, die den Gefäßtypen Böhme II—III entspricht,

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