mit den Resultaten regionale Eingrenzungen der
Entstehungsgebiete, Hinweise auf Handel mit
Produkten132 oder Herkunft und Beschaffung von
Rohstoffen133 erhofft.
Wirtschaftshistorische Untersuchungen zur Be-
antwortung der Frage nach potentiellen Entste-
hungsgebieten von Produkten stehen der Glasfor-
schung kaum zur Verfügung. Eine Auswertung
historischer und archivalischer Schriftzeugnisse,
beispielsweise von Zollregistern, die für die Frage
nach Handels- und Absatzwegen von Glaspro-
dukten von großer Aussagekraft wäre, hat erst in
sehr bescheidenem Umfang stattgefunden.134
Neben Forschungsarbeiten zum Formenreper-
toire des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Tafel- und Haushaltsgeschirrs sowie zur Verbrei-
tung und Herkunft der Glasgefäße, liegen bisher
nur sehr wenige Ansätze zur Untersuchung von
Verwendung und Gebrauch und damit der kultur-
geschichtlichen Bedeutung der Glasfunde vor.
Obgleich theoretische Abhandlungen über die
Problematik, Fragestellungen und Aufgaben der
archäologischen Sachgutforschung innerhalb der
mittelalterlichen Geschichtswissenschaften in
zahlreichen Publikationen existieren,135 sind bis-
her kaum Versuche einer Einbindung archäologi-
scher Glasfunde in übergreifende Fragestellungen
unternommen worden.
Diese beschränken sich weitgehend auf Arbeiten
von kunsthistorischer Seite, die vorrangig in der
reinen Gegenüberstellung der Sachrelikte mit ih-
ren Abbildungen auf spätmittelalterlichen und
frühneuzeitlichen Gemälden, Altarbildern oder
niederländischen Stilleben bestehen.136 Darüber
hinaus ist der Versuch unternommen worden,
ikonographische Quellen für eine Überprüfung
der zeitlichen Einordnung der archäologischen
Glasobjekte heranzuziehen (Brongers u. Wijn-
man 1968) oder Auskünfte über Funktionen und
Möglichkeiten der Verwendung innerhalb ihres
sozialen Umfelds zu erhalten.137
130 Lübeck (Schüssler u. Wilde i.V), Höxter (König, Stephan u. Wedepohl i.Dr.), Brunshausen (Stephan, Wedepohl u. Hart-
mann 1994b), Mainz (Wedepohl 1996), Freiburg (Leiber u.a. 1985).
ui England (Freestone u. Bimson 1993), Belgien (De Raedt, Janssens, Veeckman u. Adams 1997; dies. 1998), Österreich
(Schreiner u. Sauter 1991, dies. 1994), Frankreich (Barrera u. Velde 1989), Böhmen (Hejdovä u.a. 1983; Dankovä 1997)
sowie Italien (Pause 1996; Veritä 1995).
132 Beispielsweise werden Mainzer Glasfunde als Produkte der Spessarthütten ausgewiesen (Wedepohl 1996).
133 Siehe z.B. zur Bestimmung der Bleioxidgehalte von Bleigläsern und der Beziehung zu Bleilagerstätten als Rohstoffquelle
(Wedepohl, Krueger u. Hartmann 1995), vgl. Kap. III.1.1.6).
134 Vgl. Keller 1984; von Döry 1991. Erste Untersuchungen über Umfang und Art der frühneuzeitlichen Handelsbeziehungen
zwischen deutschen Glashütten und dem niederländischen Absatzgebiet basieren auf historischen Quellenauswertungen
(Graf zu Solms 1956; Dubbe 1962) und vergleichenden Materialstudien (Kruse 1992; Henkes 1992).
135 Interdisziplinäre Diskussionsbeiträge werden zusammenfassend vorgestellt in Fehring u. Sage 1995; Both 1996; Hunds-
bichler 1998. Zur Methode und Fragestellung der archäologischen Sachkulturforschung, vgl. insbesondere Scholkmann
1988; dies. 1995; dies. 1998; Falle 1992.
136 Neben kunsthistorischen Abhandlungen (Grimm 1984, Theuerkauff-Liederwald 1968; dies. 1992) sind insbesondere in
Ausstellungskatalogen Abbildungen und Sachgüter gegenübergestellt worden (Kahsnitz 1984, Henkes 1994).
137 Cerna 1996a; Pause 1996b.
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Entstehungsgebiete, Hinweise auf Handel mit
Produkten132 oder Herkunft und Beschaffung von
Rohstoffen133 erhofft.
Wirtschaftshistorische Untersuchungen zur Be-
antwortung der Frage nach potentiellen Entste-
hungsgebieten von Produkten stehen der Glasfor-
schung kaum zur Verfügung. Eine Auswertung
historischer und archivalischer Schriftzeugnisse,
beispielsweise von Zollregistern, die für die Frage
nach Handels- und Absatzwegen von Glaspro-
dukten von großer Aussagekraft wäre, hat erst in
sehr bescheidenem Umfang stattgefunden.134
Neben Forschungsarbeiten zum Formenreper-
toire des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Tafel- und Haushaltsgeschirrs sowie zur Verbrei-
tung und Herkunft der Glasgefäße, liegen bisher
nur sehr wenige Ansätze zur Untersuchung von
Verwendung und Gebrauch und damit der kultur-
geschichtlichen Bedeutung der Glasfunde vor.
Obgleich theoretische Abhandlungen über die
Problematik, Fragestellungen und Aufgaben der
archäologischen Sachgutforschung innerhalb der
mittelalterlichen Geschichtswissenschaften in
zahlreichen Publikationen existieren,135 sind bis-
her kaum Versuche einer Einbindung archäologi-
scher Glasfunde in übergreifende Fragestellungen
unternommen worden.
Diese beschränken sich weitgehend auf Arbeiten
von kunsthistorischer Seite, die vorrangig in der
reinen Gegenüberstellung der Sachrelikte mit ih-
ren Abbildungen auf spätmittelalterlichen und
frühneuzeitlichen Gemälden, Altarbildern oder
niederländischen Stilleben bestehen.136 Darüber
hinaus ist der Versuch unternommen worden,
ikonographische Quellen für eine Überprüfung
der zeitlichen Einordnung der archäologischen
Glasobjekte heranzuziehen (Brongers u. Wijn-
man 1968) oder Auskünfte über Funktionen und
Möglichkeiten der Verwendung innerhalb ihres
sozialen Umfelds zu erhalten.137
130 Lübeck (Schüssler u. Wilde i.V), Höxter (König, Stephan u. Wedepohl i.Dr.), Brunshausen (Stephan, Wedepohl u. Hart-
mann 1994b), Mainz (Wedepohl 1996), Freiburg (Leiber u.a. 1985).
ui England (Freestone u. Bimson 1993), Belgien (De Raedt, Janssens, Veeckman u. Adams 1997; dies. 1998), Österreich
(Schreiner u. Sauter 1991, dies. 1994), Frankreich (Barrera u. Velde 1989), Böhmen (Hejdovä u.a. 1983; Dankovä 1997)
sowie Italien (Pause 1996; Veritä 1995).
132 Beispielsweise werden Mainzer Glasfunde als Produkte der Spessarthütten ausgewiesen (Wedepohl 1996).
133 Siehe z.B. zur Bestimmung der Bleioxidgehalte von Bleigläsern und der Beziehung zu Bleilagerstätten als Rohstoffquelle
(Wedepohl, Krueger u. Hartmann 1995), vgl. Kap. III.1.1.6).
134 Vgl. Keller 1984; von Döry 1991. Erste Untersuchungen über Umfang und Art der frühneuzeitlichen Handelsbeziehungen
zwischen deutschen Glashütten und dem niederländischen Absatzgebiet basieren auf historischen Quellenauswertungen
(Graf zu Solms 1956; Dubbe 1962) und vergleichenden Materialstudien (Kruse 1992; Henkes 1992).
135 Interdisziplinäre Diskussionsbeiträge werden zusammenfassend vorgestellt in Fehring u. Sage 1995; Both 1996; Hunds-
bichler 1998. Zur Methode und Fragestellung der archäologischen Sachkulturforschung, vgl. insbesondere Scholkmann
1988; dies. 1995; dies. 1998; Falle 1992.
136 Neben kunsthistorischen Abhandlungen (Grimm 1984, Theuerkauff-Liederwald 1968; dies. 1992) sind insbesondere in
Ausstellungskatalogen Abbildungen und Sachgüter gegenübergestellt worden (Kahsnitz 1984, Henkes 1994).
137 Cerna 1996a; Pause 1996b.
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