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Bruckschen, Martina
Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens (Band 33): Glasfunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus Braunschweig: Bedeutung, Verwendung und Technologie von Hohlglas in Norddeutschland — Rahden/​Westf.: Verlag Marie Leidorf, 2004

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.68703#0194
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anhand der wenigen fragmentarischen Belegstü-
cke aus Braunschweig nicht zu gewinnen. Dem-
gegenüber könnte das gemeinsame Auftreten der
drei blauen Glasgefäße in einer Fundstelle als
Hinweis auf die Verwendung eines gleichfarbigen
Geschirrsets gewertet werden, ähnlich wie dies
für Lübeck mit einem Service aus fadendekorier-
ter Schale mit vermutlich einigen Bechern aus
grüner Glasmasse für die Zeit vor 1200 überliefert
ist (Steppuhn 1997, 53ff.).
1.2 Glasgefäße des 13./14. Jahrhunderts
Eine zunehmende Verwendung von Glas inner-
halb der Tischkultur, aber auch eine größere Ver-
fügbarkeit von Glasprodukten unterschiedlicher
Werkstattkreise wird innerhalb des Braunschwei-
ger Fundbestandes im Laufe des 13. Jahrhunderts
deutlich. Aufgrund der überwiegend ungenauen
Datierungsgrundlagen ist das Einsetzen dieses
sprunghaften Anstiegs nicht genau zu verifizie-
ren, zeichnet sich jedoch für die Mitte und zweite
Hälfte des 13. bis ins beginnende 14. Jahrhundert
zunehmend deutlicher ab. Mit einem Anteil von
über 25% stellen die Glasobjekte, die in ihrer
funktionalen Zusammensetzung nahezu aus-
schließlich dem Tafelgeschirr zuzuordnen sind,
einen wesentlichen Fundschwerpunkt innerhalb
des überlieferten Glasmaterials dar. Die Verwen-
dung von Glas für Haushaltsgegenstände scheint
demgegenüber in dieser Zeit keine nennenswerte
Rolle gespielt zu haben und bleibt im Braun-
schweiger Fundgut auf wenige funktionsspezifi-
sche Formen, wie etwa Lampen (Kap.III.B. 2.3)
und ein nicht näher anzusprechendes Gefäß
(Kap.III.B.1.1.3) beschränkt.
In deutlichem Gegensatz zum früheren Zeitab-
schnitt ist für die umfangreiche Glassammlung des
13./14. Jahrhunderts anhand technologischer Ma-
terialeigenschaften und stilistischer Merkmale ei-
ne wesentlich differenziertere Aufgliederung mög-
lich, die zugleich eine qualitative Wertung bzw.
Abstufung der einzelnen Glasgruppen beinhaltet.
Demnach besteht neben schlichten grünen Glas-
gefäßen vermutlich regionaler Herkunft das Gros
des Fundmaterials aus farblosen Gefäßen feinerer
Machart, die in ihrer Glasqualität und Ausfüh-
rungssorgfalt sowie aufgrund ihres geographisch
weit gestreuten Verbreitungsgebietes als gehobene
Gebrauchsgläser, zum Teil als Luxusgläser anzu-
sprechen sind. Ergänzt wird der Fundbestand von

einer bemerkenswerten Anzahl an Farbgläsern,
unter denen insbesondere Bleigläser hervorzuhe-
ben sind. In unterschiedlicher Gewichtung treten
die verschiedenen Glasgruppen miteinander ver-
gesellschaftet in Fundkomplexen auf, die nahezu
ausschließlich auf Parzellen der patrizischen
Oberschicht in der Braunschweiger Altstadt lagen.
1.2.1 Glasgefäße aus grüner Glasmasse
Der Fundüberlieferung nacli zu urteilen, nehmen
schlichte Glasgefäße aus kaliumreicher Glasmas-
se gegenüber farblosen Tafelgläsern eine unterge-
ordnete Rolle ein.1289 In ihrer funktionalen Zu-
sammensetzung decken sie in unterschiedlicher
Quantität alle Bereiche des Trink- und Schenkge-
schirrs sowie auch des Tafelgerätes ab (Farbtaf. 1).
Die wenigen überlieferten Haushaltsgläser gehö-
ren ausschließlich Typen mit diesen einfachen
Glasrezepturen an.
Der größte Anteil innerhalb des Tafelgeschirrs
entfällt auf Trinkbecher, die im wesentlichen von
zwei Glastypen vermutlich regionaler Herkunft
vertreten werden. Bei den in der Glasforschung
bislang kaum berücksichtigten Bechertypen han-
delt es sich zum einen um eine breite, leicht bau-
chige Gefäßform (Taf. 1.1, 1.2) aus hellgrüner bzw.
hellgrünblau getönter Holzasche-Kalk-Glasmas-
se mit breitem Randfaden (Kap. III.A. 1.1.1.1).
Diese recht voluminösen Gläser folgen in ihrer
Formgebung weitgehend breiten Bechern und
Schalen des 12. und 13. Jahrhunderts unter-
schiedlicher Glasrezeptur und entsprechen damit
einer offenbar anhaltenden Gestaltungsvorliebe,
die sich materialübergreifend auch bei Dauben-
schalen bemerkbar macht. Dieselbe Tradition
zeigt sich aucli im begrenzten Dekorspektrum der
ansonsten weitgehend schlicht ausgeführten Be-
cher: Wie ein Braunschweiger sowie mehrere Ex-
emplare aus der Magdeburger Sammlung vorfüh-
ren, schließt der Bechertyp mit horizontalen und
bogenförmigen Fadenauflagen aucli in seinem
Dekor an das Schmuckrepertoire des 12. Jahr-
hunderts an (Taf. 1.3).
Zum anderen treffen diese Merkmale von nahezu
standardisierten Ausführungen in Größe und Pro-
portionen, beachtlichen Fassungsvermögen sowie
mehrfachen Auftretens auch für die zweite Be-
cherart mit profiliertem Randfaden zu, die nicht
nur den Hauptbestandteil unter den grünen Trink-
bechern Braunschweigs bildet, sondern auch hin-

1289 Diese haben einen Anteil von 33,8% am Glasbestand des 13./14. Jahrhunderts.

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