Buchbesprechungen
Carl Vossen: Mutter Latein und ihre Töchter, Frankfurt. Fischer Taschenbuch-Verlag.
1972.
„Mutter Latein und ihre Töchter“ hat schon viele Leser gefunden; die erweiterte
und verbesserte Neuauflage, als Taschenbuch zugleich auch besonders preiswert, wird
gewiß viele neue Freunde gewinnen — das ist ihr jedenfalls zu wünschen. Mit Sach-
kenntnis und Begeisterung für die Sache weiß der Verfasser nicht nur mancherlei
Fragen zu sprachlichen Phänomenen und fremden Ausdrücken zu beantworten, die
immer wieder im täglichen Leben begegnen; er vermag auch zu eigenen Beobachtungen
- und vielleicht auch zum Studium der lateinischen Sprache und Literatur selbst an-
zuregen.
Einleitend wird ein historischer Überblick über die Entwicklung des Latein „vom
Hirtendialekt zur Weltsprache“ (im Mittelalter) gegeben; anschließend folgen Be-
merkungen zur Verwendung des Latein vom Humanismus bis in unsere Zeit (Bedeu-
tung für Wissenschaft und Werbung, im internationalen Verkehr, in der Kirche u. a. m.).
Nach einem Abschnitt über das Alphabet werden in den Kapiteln „Latein und die
Romania“ und „Latein im angelsächsischen Sprachbereich“ Anregungen und Hinweise
gegeben, die für Lehrer und Schüler besonders hilfreich und wichtig erscheinen. Auch
Sprachspielereien und am Schluß ein Wort zur Rechtfertigung des Lateinunterrichts
heute fehlen nicht. Das Buch wird Altphilologen und Neuphilologen, Schülern und
Eltern mancherlei Nutzen und Freude bringen! C. Joachim Classen
Waldemar Haberey: Die römischen Wasserleitungen nach Köln. Kunst und Altertum
am Rhein Nr. 37. 160 S. mit 122 Abb., Skizzen und Plänen, davon 4 Farbtafeln. -
Rheinland-Verlag. Düsseldorf 1971. 8,- DM.
Nur selten verbindet sich, ein solches Maß von langjähriger, aus innerer Anteil-
nahme begeisterter Sachkenntnis mit bescheidener Zurückhaltung sowohl gegenüber
der eigenen Leistung wie hinsichtlich der Beurteilung des Gegenstandes wie bei Walde-
mar Habereys'Buch, von dem er im Vorwort sagt, es sei ein Bericht, der auf zahlreichen
Vorarbeiten fußt und selbst nur eine weitere Vorarbeit sein will, um dem Fachmann
Unterlagen, dem Altertumsfreund Anregungen zu geben.
„Die römischen Wasserleitungen nach Köln“ werden als typischer Fall der Wasser-
versorgungstechnik einer antiken Stadt geschildert. Als die Vorgebirgsquellen, aus denen
Köln sein Wasser bezog, dem wachsenden Bedarf nicht mehr genügten, legte man den
heute „Eifel-Kanal“ genannten Aquädukt an: Ziel der neuen Leitung waren die in
der Luftlinie etwa 50 km entfernten Kalkmulden der Eifel, von wo aus das Wasser
auf geländebedingten Umwegen nach Köln geleitet werden mußte. Die Zeit der An-
lage wird durch Münzfunde annähernd auf die Mitte des 1. Jh.s n. Chr. bestimmt.
Die römischen Leitungen .wurden in unserem Klima in der Regel in frostfreier Tiefe
verlegt; so war bei geringer Wartung große Sicherheit gewährleistet, auch gegen Zer-
störung im Kriegsfälle. Um das Wasser frisch zu halten, wurde es gegen Lichteinwirkung
geschützt und erhielt ausreichende Luftzufuhr. Der Kanal war gemauert und hatte
einen Begleitgraben mit Dränage zur Seite. Durch Revisionsschächte konnte er zu Aus-
besserungen betreten werden. Der Arbeitsaufwand war groß: Die Baukosten hätten
sich ohne die Hochbauten und Quellenfassungen 1969 auf ca. 40-50 Millionen DM
belaufen.
Die zahlreichen guten Illustrationen jeder Art vermitteln zusammen mit dem in-
struktiven Text eine leicht verständliche Vorstellung von den Wasserwerken und ihrer
Erforschung; sie verlocken auch dazu, die vielerorts noch sichtbaren Zeugnisse zu be-
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Carl Vossen: Mutter Latein und ihre Töchter, Frankfurt. Fischer Taschenbuch-Verlag.
1972.
„Mutter Latein und ihre Töchter“ hat schon viele Leser gefunden; die erweiterte
und verbesserte Neuauflage, als Taschenbuch zugleich auch besonders preiswert, wird
gewiß viele neue Freunde gewinnen — das ist ihr jedenfalls zu wünschen. Mit Sach-
kenntnis und Begeisterung für die Sache weiß der Verfasser nicht nur mancherlei
Fragen zu sprachlichen Phänomenen und fremden Ausdrücken zu beantworten, die
immer wieder im täglichen Leben begegnen; er vermag auch zu eigenen Beobachtungen
- und vielleicht auch zum Studium der lateinischen Sprache und Literatur selbst an-
zuregen.
Einleitend wird ein historischer Überblick über die Entwicklung des Latein „vom
Hirtendialekt zur Weltsprache“ (im Mittelalter) gegeben; anschließend folgen Be-
merkungen zur Verwendung des Latein vom Humanismus bis in unsere Zeit (Bedeu-
tung für Wissenschaft und Werbung, im internationalen Verkehr, in der Kirche u. a. m.).
Nach einem Abschnitt über das Alphabet werden in den Kapiteln „Latein und die
Romania“ und „Latein im angelsächsischen Sprachbereich“ Anregungen und Hinweise
gegeben, die für Lehrer und Schüler besonders hilfreich und wichtig erscheinen. Auch
Sprachspielereien und am Schluß ein Wort zur Rechtfertigung des Lateinunterrichts
heute fehlen nicht. Das Buch wird Altphilologen und Neuphilologen, Schülern und
Eltern mancherlei Nutzen und Freude bringen! C. Joachim Classen
Waldemar Haberey: Die römischen Wasserleitungen nach Köln. Kunst und Altertum
am Rhein Nr. 37. 160 S. mit 122 Abb., Skizzen und Plänen, davon 4 Farbtafeln. -
Rheinland-Verlag. Düsseldorf 1971. 8,- DM.
Nur selten verbindet sich, ein solches Maß von langjähriger, aus innerer Anteil-
nahme begeisterter Sachkenntnis mit bescheidener Zurückhaltung sowohl gegenüber
der eigenen Leistung wie hinsichtlich der Beurteilung des Gegenstandes wie bei Walde-
mar Habereys'Buch, von dem er im Vorwort sagt, es sei ein Bericht, der auf zahlreichen
Vorarbeiten fußt und selbst nur eine weitere Vorarbeit sein will, um dem Fachmann
Unterlagen, dem Altertumsfreund Anregungen zu geben.
„Die römischen Wasserleitungen nach Köln“ werden als typischer Fall der Wasser-
versorgungstechnik einer antiken Stadt geschildert. Als die Vorgebirgsquellen, aus denen
Köln sein Wasser bezog, dem wachsenden Bedarf nicht mehr genügten, legte man den
heute „Eifel-Kanal“ genannten Aquädukt an: Ziel der neuen Leitung waren die in
der Luftlinie etwa 50 km entfernten Kalkmulden der Eifel, von wo aus das Wasser
auf geländebedingten Umwegen nach Köln geleitet werden mußte. Die Zeit der An-
lage wird durch Münzfunde annähernd auf die Mitte des 1. Jh.s n. Chr. bestimmt.
Die römischen Leitungen .wurden in unserem Klima in der Regel in frostfreier Tiefe
verlegt; so war bei geringer Wartung große Sicherheit gewährleistet, auch gegen Zer-
störung im Kriegsfälle. Um das Wasser frisch zu halten, wurde es gegen Lichteinwirkung
geschützt und erhielt ausreichende Luftzufuhr. Der Kanal war gemauert und hatte
einen Begleitgraben mit Dränage zur Seite. Durch Revisionsschächte konnte er zu Aus-
besserungen betreten werden. Der Arbeitsaufwand war groß: Die Baukosten hätten
sich ohne die Hochbauten und Quellenfassungen 1969 auf ca. 40-50 Millionen DM
belaufen.
Die zahlreichen guten Illustrationen jeder Art vermitteln zusammen mit dem in-
struktiven Text eine leicht verständliche Vorstellung von den Wasserwerken und ihrer
Erforschung; sie verlocken auch dazu, die vielerorts noch sichtbaren Zeugnisse zu be-
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