Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 17.1974

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Die schultypneutrale, dynamisch und weltoffene Kollegstufe als Ziel

Von der Praxis des Schulversuchs ausgehend, wollten die Verfasser des Modifika-
tionspapiers am KHG in einem modellimmanenten Alternativkonzept die Möglichkeit
aufzeigen, die Kollegstufe annähernd schultypneutral, gehaltvoller, gerechter, dynami-
scher und liberaler zu gestalten. Die Identifikation von Belegungs- und Anrechnungs-
pflicht in einem kompakten, die allgemeine Studierfähigkeit garantierenden Kern er-
laubt den Kollegiaten erst, über die durchschnittlich 62 Grundkurswochenstunden
hinaus neue berufsbezogene Fächer wie Psycholoie, Pädagogik, EDV, Technik u. a. ein-
zubeziehen, sie befreit zugleich die Schulen weitgehend, mit disziplinarischen Maßnah-
men die Anwesenheit und Mitarbeit der Kollegiaten zu sichern, weil die bloßen Be-
legungsstunden des jetzigen Modells größtenteils entfallen und die Anrechnungspflicht
die Mitarbeit hinreichend motiviert.
Die Forderung nach Schultypneutralität durch Vermehrung der Fremdsprachenkurse
erwuchs aus der Sorge um den Bestand des sprachlichen Gymnasiums und ausreichender
Sprachstudien am Gymnasium überhaupt. Wenn es stimmt, daß Fremdsprachenkennt-
nisse mit Fenstern zu vergleichen sind, die einen befreienden und orientierenden Blick
aus begrenzender Abgeschlossenheit gewähren, dann erscheint das jetzige Modell der
Kollegstufe als ein ziemlich fensterarmes Obergeschoß des Gymnasiums. Es besteht die
Gefahr, daß die Freunde solcherart Architektur in Kürze auch in den Untergeschossen
Fenster zumauern werden. Dabei war das Studium mehrer Fremdsprachen bisher ein
deutlich erkennbares Spezifikum des Gymnasiums, das man um einer soliden Studier-
fähigkeit und des eigenen Fortbestandes willen nicht erodieren lassen sollte.
Die Verfasser hoffen, daß die Versuchserfahrungen die Kulturpolitiker bewegen, das
jetzt noch nicht zufriedenstellend programmierte Kollegstufenmodell im Rahmen des
Spielraums, den die KMK-Vereinbarung zuläßt, zu verbessern.
Heinrich Schmeußer, Gymnasialprofessor Dr. Franz Parthe, Oberstudienrat
am Kaiser-Heinrich-Gymnasium und am am Kaiser-Heinr ich-Gymnasium in Bamberg
Dientzenhofer Gymnasium in Bamberg 8600 Bamberg, Obere Seelgasse 7a

„Lernziele und Fachleistungen“ einer neuen Didaktik
„des gelehrten Unterrichts“?
Bemerkungen zu „Lernziele und Fachleistungen“
Ein empirischer Ansatz zum Latein-Curriculum. Im Auftrag des Deutschen Altphilo-
logenverbandes herausgegeben von Karl Bayer. Stuttgart (Klett) 1973. Der altsprach-
liche Unterricht. Beiheft I zu Reihe XVI/1973. 79 S. Mit einem Anhang 33 S.
In der Schlußbetrachtung seiner „Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den
deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur
Gegenwart. Mit besonderer Rücksicht auf den klassischen Unterricht“ (Leipzig
1885. 3. Auflage in zwei Bänden 1919 und 1921) hatte Friedrich Paulsen den
Versuch unternommen, die „Vorteile“, die man dem altsprachlichen Unterricht
„nachzurühmen pflegt“, mit seinen tatsächlich erreichten Erfolgen zu konfron-
tieren: „Also sprachlich-logische Schulung, ästhetisch-literarische Bildung, Ver-

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