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Zeitschrift für Humor und Kunst 171

Witterung — "So, jetzl werd' ich mal erst ein Stündchen schlafen, bis es da drüben im

Dorf Mittag gibt. Verschlafen werd' ich'S ja nicht - der Wind steht hierher."

Der Fingerabdruck

geblieben. An ihm rankt sich meine Seele sehnsuchtSvoll
empor und schmiegt sich an; die herauSfordernde, begehrende
Iugend dagegen läßt mich kalt und gleichgiltig. And so
ist denn zu Beate (er nannte sie schon Beate) eine Neigung
emporgekeimt, die weit über den Nahmen einer slüchtigen
Freundschast hinausgeht. Jch bin ihr von WieSbaden, wo
wir uns kennen lernten nachgereist in der festen Absicht,
mich um ihre Gunst zu bewerben und, falls mir daS gelingen
sollte, daS Glück meines Lebens an ihrer Seite zu finden."

Das war so offenherzig, so bieder und ehrenhaft ge-
fprochen, daß unS kein Zweisel an der Aufrichtigkeit seiner
Gesinnung kommen konnte. Selbst die immer noch hübsch
eitle Tante nahm eS ihm nicht übel, daß er fie so ohne Äehl,
statt ihr zu schmeicheln, in die Nolle der Matrone drängte.

„Gerade das," betonte sie, „nimmt mich im Gegensatze
zu andern Männern für ihn ein. Würde er wohl daS
Risiko einer so starken Offenheit auf sich nehmen, wenn er
eS nicht ehrlich meinte? Nein, Kinder, ihr müßt euch
darauf gesaßt machen, ihn bmnen kurz oder lang als euern
künftigen Onkel zu begrüßen."

„Donnerkilian," sagte Vetler Richard unwirsch, „da
IpuktS kriminalisch. Der hat ja die Tante vollkommen
behext. Was sagst du?"

Ich zuckte mit den Achseln.

„Was soll man da sagen? Dieser Äackelberg wird
unser Onlel, so gewiß Beate Äolzapfel unsre Tante ist,
und daS schöne Vermögen wandert in seine für mütter

liche Zuneigung so empfängliche Tasche. Wenn du alS
Iurist keinen Ausweg weißt, wie soll da ich einen wiffen?"

Richard war nämlich Iurist, wenigstens hatte er dieses
Fach studiert.

„Ach waS," erwiderte er gereizt, „was hat der Iurist
mit dieser Angelegenheit zu tun? Verhaften kann ich ihn
doch nicht laffen, und daS Llebrige entzieht sich meiner
BefugniS."

„Sollten wir nicht dennoch versuchen, auf die Tante
einzuwirken?"

„Wenn du ein Mittel weißt ihr die gesamte Männer-
welt einschließlich ihreS Lackelberg zu verekeln, so könnten
wir's probieren; wenn du aber keinS weißt, so ist es ge-
scheiter, wir verbrennen uns den Mund nicht allzusehr,
sonst schmeißt sie uns gar noch auS ihrem Testamente
hinaus und der brave Onkel schluckt den fetten Biffen ganz.
Nein, da ist nichtS zu machen."

Vetter Richard hatte recht. Ttnsre AuSsichten standen
trüb. !lnd wir durften unS nicht einmal grollend zurück-
ziehen, sondern mußten mit heitrer Miene zusehen, wie
der gefühlvolle Mitgiftjäger rapide Fortschritte in der
Gunst seines verliebten Opfers machte. Die Verlobung,
zu der der Baron inSgeheim drängte, stand vor der Türe
und man wartete nur noch aus Profeffor Müller, einen
vertrauteir Freund und langjährigen Berater unserer
Familie, der sich zur Zeit in Wien aufhielt, die nächsten
Tage aber zurück erwartet wurde.

Inzrvischen konnte allerdings noch manches geschehen.
 
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