Meggendorfer-Blätter — 127.1921 (Nr. 1606-1618)

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— „Wirklich, Adolar, du bist jetzt so weit, daß du an ein Konzert denken kannst.
Ich bürge dir für den Erfolg."

— „Schönl Aber nun müßte ich noch jemand finden, der für die Saalmiete bürgt."

Der entgegenkommende Beamte

Seit einiger Zeit habe ich ein Postscheckkonto. Eigentlich
hätte ich es gar nicht nötig, aber ich bin ein schwacher
Mensch, und weil mir in den lehten Iahren so viele drin-
gende Aufforderungen begegnct sind, mir ein Postscheckkonto
zunehmen, habe ich schließlich nicht widerstehen können. Ia,und
darum habe ich jetzt eins. Die Nummer brauche ich hier ja nicht
anzugeben, - es wird mir ja doch niemand was drauf schicken.

Für meinen unbedeutenden Geschäftsverkehr indefsen
habe ich mir einen Stempel machen lassen (Postschcckkonto
Nummer Soundso), von dem ich, wenn es nur irgend geht,
Gebrauch mache. Aber es ift merkwllrdig: manche Leute
kehren sich gar nicht daran. Sie überweisen nicht, ste zahlen
nicht auf Zahlkarte ein, — nein, sie schicken eine Anweisung,
Das ist unbequem für mich. Denn dann gehe ich — der
Geldbriefträger ist hierzulande noch nicht eingeführt — auf
mein Postamt und hole mir das bare Geld ab.

Kundige Leute werden nun sagen: Das ist ja Ansinn!
Sie können ja, dazu haben Sie das Recht, bei Ihrem Post-
amt beantragen, daß alle für Sie eingehenden Post- und
Zahlungsanweisungen Ihrem Postscheckkonto gutgeschrieben
werden. — Stimmtl Die kundigen Leute wissen Bescheid,
und auf jene Möglichkeit bin ich schließlich auch selbst ver-
fallen. Zch ging also auf mein Postamt, um, wie es heißt,
einen „diesbezüglichen Antrag" zu stellen.

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Am Schalter saß ein alter, guter Beamter, der aber
grade ein bißchen verdrießlich zu sein schien. Nun, wir sind
ja jetzt alle manchmal ein bißchen verdrießlich. Der alte,
gute, aber ein bißchen verdrießliche Beamte lauschte meiner
Rede. Dann fragte er: „Ia, bekommen Sie denn wirklich
so oft Postanweisungen?"

Das mußte ich leider verneinen. Nur hin und wieder
einmal käme eine Anweisung, aber es wären oft große Zeit-
räume zwischen dem Auftreten so erfreulicher Erscheinungen.

Da verlor der gute, alte Beamte etwas von seiner
Verdrießlichkeit. Er sah mich ein bißchen freundlich an und
meinte dann: „Na, dann hat die Geschichte mit dem Aeber-
weisen ja eigentlich keinen Zweck. Sehen Sie, das macht
ja so viel Amstände! Da müssen wir dann eine Kontokarte
für Sie ausfüllen, und dann muß überhaupt immer auf-
gepaßt werden, daß mal eine Anweisung Ihnen nicht doch ins
Laus getragen wird, und wenn es trotzdem mal vorkommt,
dann gibt es Schcrereien und alles solche Sachen. Das
Einfachste ist, Sie lassen es, wie es ist."

„Gut, dann lassen wir es," sagte ich, denn ich merkte,
der gute alte Beamte hatte keine rechte Lust. Außerdem
halte er ja ganz guke Gründe vorgebracht.

Vor ein paar Tagen aber kam ich wieder einmal mit
einer Anweisung auf das Postamt, und da war ein ganz
junger Beamter da. Vielleicht war er Volontär, oder wie

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