Meinert, Friedrich
Die schöne Landbaukunst oder neue Ideen und Vorschriften zu Landgebäuden, Landhäusern und Oekonomie-Gebäuden ... in Grundrissen, Aufrissen und Durchschnitten: dargestellt durch Kupfertafeln von einigen der besten Baumeister und Conducteure in Sachsen (Band 1, Abtheilung 2) — Leipzig, 1798

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XIV.

Ein Gebäude im ländlichen Style oder Rustique.

Der ländliche Charakter in Gebäuden ist oben schon angegeben.

Das gegenwärtige ist kein für den Landbewohner ausgemitteltes Wohn-
haus, sondern es ist zu einem Erholungsorte bestimmt, um von Wirth-
schaftsanordnungen oder andern Geschäften auszuruhen, und soll durch
den Anblik die Unschuld, Gnügsamkeit und den Frohsinn der
Landbewohner vergegenwärtigen und den Besitzer zu ähnlichen Empfin-
dungen reitzen.

Der Grundris enthält ein kleines Vorgelege mit der darin be-
findlichen Thür Öffnung in den Saal, aus welchem eine Thür in eine
daran stofsende Stube, Küche oder in ein Vorsälchen führt, worin die Ein-
heitzung liegt.

Das Ganze ist von Holz oder von sogenanntem Fach- oder Bleich-
werke gebauet, welches mit irregulären, aber auf eine bestimmte Bahn zu-
gehauenen Granitstücken oder andern, am Bauorte befindlichen Bruch-
steinen ausgesetzt wird.

Zum Bedachungsmaterial wählt man Stroh und auf dem Forst
stehen autgerichtete und im Körper umbundene Stroh- oder Roggengar-
be*i, welche bestimmt sind, den Hauptcharakter zu verstärken.

Der Abputz wäre hier überflüssig und würde den Eindruk schwä-
chen; daher ist die Aufsenseite roh, im Innern aber sind die Wände
abgeputzt.

Ueber der Thüre ist eine Tafel angebracht, welche eine zur Bestim-
mung des Gebäudes passende Innschrift erhält, die entweder durch auf-
gemahlte oder eingegrabene Schrift ausgedrückt wird.
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