Merckel, Curt
Die Ingenieurtechnik im Alterthum — Berlin, 1899

Seite: 244
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III. Strassen- und Brückenbau.

zweifellos in frühe Zeit. Die Strasse ging auf einer Brücke (Salario) über den
Anio (Teverone), welches Bauwerk in seiner ursprünglichen Form nicht bekannt
ist. Abb. 94 stellt dieselbe nach dem Wiederaufbau durch Narses dar.

Die via Nomentana überschritt gleichfalls den Anio, auch diese Brücke ist
nach ihrer Zerstörung durch Totilas von Narses wieder hergestellt worden.

Die via Tiburtina wurde auf dem Ponte Mammolo (angeblich nach der
Mutter des Alexander Severus genannt) über den Anio geführt. Das antike
Pflaster dieser Strasse ist an einzelnen Stellen noch erhalten. Eine weitere
Ueberschreitung des Anio geschah auf der Brücke von Lucano (siehe die Abb. 95),
die jedoch in ihrer ältesten Form ebenfalls unbekannt ist. In der Nähe dieser
Brücke theilte sich die Strasse in drei Wege, von welchen einer nach Frascati,
einer nach der Villa Hadriana und einer nach Tibur führte.

Auf der via Praenestina erregt in erster Linie wiederum ein Brückenbau
in der Gegend von Gabii das Interesse des Ingenieurs. Das Bauwerk besteht
aus Peperin und rothem Tuff und besitzt sieben Bogen, deren mittlerer fast
15 m hoch ist. Die Gesammtlänge beträgt 95 m. Die Pfeiler der ungleich
weiten Bogen sind durch Streben verstärkt. Die einzelnen Blöcke haben eine
Länge von theilweise über 3 m. Auf der Brücke hat sich das antike Polygon-
pflaster fast vollständig erhalten.

Nach der lateinischen Küste und den unter den Kaisern Claudius und
Trajan an der Tibermündung entstandenen Hafenanlagen führten eine von der
Appia abzweigende Strasse nach Antium, sowie die viae Ardeatina, Laurentina,
Ostiensis und Portuensis. Diese Strassen bieten nichts Erwähnenswerthes.

Nach Etrurien gingen von Rom die via Aurelia und die via Flaminia.
Bis Pyrgi bildete die erstere eine Doppelstrasse. Von der via Flaminia zweigte
ausserhalb Ponte Molle die via Cassia und von dieser bei Veji die via Claudia
oder Clodia ab. Die via Flaminia überschritt bei Falerii (Civita Castellana)
den Tiber und wandte sich dann nach Umbrien.

Die Erforschung der Römerstrassen in den ausseritalienischen Landes-
theilen (Provinzen) hat zu interessanten Ergebnissen geführt. Bei den infolge
der grossen Ausdehnung der Römerstrassen erklärlicher Weise sehr zahlreichen
Lokalforschungen kann an dieser Stelle nur auf einzelne derselben näher ein-
gegangen werden.

Nachstehend sollen Einzelheiten der römischen Strassenanlagen:

1. in den Alpen, 4. in Bosnien und in der Hercegovina,.

2. in Spanien, 5. in Serbien,

3. in Deutschland, 6. in Kleinasien und Syrien
beschrieben werden.

Die Alpen Strassen bieten in technischer Beziehung besonderes.
Interesse. Die Passhöhe der Alpen beträgt im Mittel 2340 m, und dieses
immerhin mässige Mass in Verbindung mit der günstigen Lage bewirkte,
dass die von der Natur gebotenen Vortheile frühzeitig ausgenutzt wurden
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