Nachtrag
zu Katalog 17 • Versteigerung am 20. Juni 1931
Hellmut Meyer & Ernst • Autograp henhandlung
Berlin W35, Lützowstraße 29
Die in dem Nachtrag aufgeführten Autographen werden in der Reihen-
folge der Nummern des Kataloges mit ausgeboten.
34a Biester, Johann Erhard, Schriftsteller; 1740—1816. Eigh. Brief
m. U. Lübeck 8. VII. 1777. 2% Seiten. 40. Mit Adresse.
An Boie „Krämern habe ich aufgetragen Ihnen zu sagen, dass
Paul Bruns izt noch in R o m ist. . . . Laut einem Brief, den er neulich von
dort geschrieben, macht er viel Aufhebens von Rom; da, sagt er, könnten
auch die Gelehrtesten noch sehr, sehr viel lernen u. da leben so grosse Männer,
dass die Herren, die in Deutschland zum berühmtesten wären, dort nur eine
sehr kleine Figur spielen würden. Das kann ich kaum glauben! . . .
Einige von Klopstocks Oden sind mir ganz unbegreiflich schwer.
Ich denke Er versteht sie selbst nicht immer, sondern nur, wenn er sich wie-
der in der Begeisterung befindet, worin er sie schrieb. Sonst, versteht sich,
halte ich sie, fast alle, für göttlich. Er ist doch gewiss weit, weif über Ramm-
lern, soweit wie immer Natur über Kunst, u. Genie über Gelehrsamkeit
ist, beynahe so weit wie Shakespeare über Ben Johnson war. — V\ enn unser
B(ü r g e r) nur als Amtmann nicht zu viel Geschäfte hat, so wird er gewiss
bald wieder rufen: „Lange mein Saitenspiel her! mein Saitenspiel!" Und
wenn er nur fleissig ist, so wird er gewiss immer besser werden, dafür ist mir
sein guter Geschmack Bürge."
69a Claudius, Matthias, Dichter und Schriftsteller, „der Wandsbecker
Bote"; 1740—1815. Eigh. Brief m. U. Wandsbeck 3. IV. 1779.
1 Seite. 8°.
An Boie „Ich danke für die 6 Louisdor und für Ihre prompte Be-
dienung. Sie hätte mir fast ein ganzes halbes Jahr und länger mit 42/3 Thlr.
der Louisdor zu wehe gethan, weil der Louisdor so lange oft keine 4 Thlr.
gegolten hat. Itzo aber kostet er wieser 41/3 Thlr. und also haben Sie mir
itzo nicht zu wehe gethan.
Ich habe nichts zu schicken, so bald ich aber etwas habe, das Ihnen passt,
sollen Sie es ganz gewiss haben. Voss ist itzo in Hamburg und will Pa-
pier kaufen ..."
73a Cramer, Johann Andreas, Theologe, Hyrnnendichter und Schrift-
steller; 1723—1788. Eigh. Brief m. U. Gotha 5. III. 1775-
4 Seiten. 8°.
An Boie, dem er den Überbringer des Briefes empfiehlt „einen Dänen,
wie wenig Dänen sind, gut und frey gesinnt. Sie werden sich auch gleich
Hsllmut Meyer & Ernst, Berlin W 35, Lützowstr. 29*
^NSTBIBLIOTHEK
Staatliche Museen
. zu Berlin
zu Katalog 17 • Versteigerung am 20. Juni 1931
Hellmut Meyer & Ernst • Autograp henhandlung
Berlin W35, Lützowstraße 29
Die in dem Nachtrag aufgeführten Autographen werden in der Reihen-
folge der Nummern des Kataloges mit ausgeboten.
34a Biester, Johann Erhard, Schriftsteller; 1740—1816. Eigh. Brief
m. U. Lübeck 8. VII. 1777. 2% Seiten. 40. Mit Adresse.
An Boie „Krämern habe ich aufgetragen Ihnen zu sagen, dass
Paul Bruns izt noch in R o m ist. . . . Laut einem Brief, den er neulich von
dort geschrieben, macht er viel Aufhebens von Rom; da, sagt er, könnten
auch die Gelehrtesten noch sehr, sehr viel lernen u. da leben so grosse Männer,
dass die Herren, die in Deutschland zum berühmtesten wären, dort nur eine
sehr kleine Figur spielen würden. Das kann ich kaum glauben! . . .
Einige von Klopstocks Oden sind mir ganz unbegreiflich schwer.
Ich denke Er versteht sie selbst nicht immer, sondern nur, wenn er sich wie-
der in der Begeisterung befindet, worin er sie schrieb. Sonst, versteht sich,
halte ich sie, fast alle, für göttlich. Er ist doch gewiss weit, weif über Ramm-
lern, soweit wie immer Natur über Kunst, u. Genie über Gelehrsamkeit
ist, beynahe so weit wie Shakespeare über Ben Johnson war. — V\ enn unser
B(ü r g e r) nur als Amtmann nicht zu viel Geschäfte hat, so wird er gewiss
bald wieder rufen: „Lange mein Saitenspiel her! mein Saitenspiel!" Und
wenn er nur fleissig ist, so wird er gewiss immer besser werden, dafür ist mir
sein guter Geschmack Bürge."
69a Claudius, Matthias, Dichter und Schriftsteller, „der Wandsbecker
Bote"; 1740—1815. Eigh. Brief m. U. Wandsbeck 3. IV. 1779.
1 Seite. 8°.
An Boie „Ich danke für die 6 Louisdor und für Ihre prompte Be-
dienung. Sie hätte mir fast ein ganzes halbes Jahr und länger mit 42/3 Thlr.
der Louisdor zu wehe gethan, weil der Louisdor so lange oft keine 4 Thlr.
gegolten hat. Itzo aber kostet er wieser 41/3 Thlr. und also haben Sie mir
itzo nicht zu wehe gethan.
Ich habe nichts zu schicken, so bald ich aber etwas habe, das Ihnen passt,
sollen Sie es ganz gewiss haben. Voss ist itzo in Hamburg und will Pa-
pier kaufen ..."
73a Cramer, Johann Andreas, Theologe, Hyrnnendichter und Schrift-
steller; 1723—1788. Eigh. Brief m. U. Gotha 5. III. 1775-
4 Seiten. 8°.
An Boie, dem er den Überbringer des Briefes empfiehlt „einen Dänen,
wie wenig Dänen sind, gut und frey gesinnt. Sie werden sich auch gleich
Hsllmut Meyer & Ernst, Berlin W 35, Lützowstr. 29*
^NSTBIBLIOTHEK
Staatliche Museen
. zu Berlin

