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29. Wagner, Richard; 1813-1883. Eigh. Brief m. U. Paris, 3. XII. 1840.
1 Seite. 8".
An Laube: „Die Partitur meiner Oper (R i e n z i) ist unterwegs, sie ist mit
grässlichen Geburts-Schmerzen in die Welt gegangen, fürchterlichere Lage kann niemand
erleben, als für mich der erste und zweite dieses unglückseligen Monates waren; so weit
es möglich war, haben mir die letzten Pfennige meiner armen hiesigen Freunde gehol-
fen, den gedachten Schlag bis nächsten 15ten zu verschieben, dieser Schlag heisst un-
wiederruflich Auspfändung und Verlust meiner persönlichen Freiheit: ich habe es nicht
geglaubt, — aber es war mit zwei Haaren daran; denn ich als Ausländer habe alle
gewöhnlichen Protest-Mittel nicht zu meiner Disposition . . ." Er bittet Laube daher
flehentlich um irgendwelche Geldhilfe. — Nicht bei Altmann.
30. — Eigh. Brief m. U. „Richard". Zürich, 1. XII. 1849. 3 engbeschriebene
Seiten. 4°. Mit Adresse.
An seinen Schwager Heinrich Wolfram, jedoch für seine Schwester
Klara. Nicht bei Altmann. Dankt für die moralische und pekuniäre Hilfe, die er er-
fahren. „Euch scheint es sehr unangenehm zu sein, dass wir hier in Zürich uns auf-
halten: ich wüsste keinen Ort in Europa, au dem ich lieber verweilen möchte. Ich hatte
nur die Wahl zwischen hier und Paris . . ." Da es doch noch länger dauert, bis er etwa
eine Oper für die Pariser Oper geschrieben, hat er Zürich vorgezogen, da er „weder
Geld, noch in der Intrigue bewandert". Beides hat desto mehr „Meyerbeer, vor dem jeder
ehrliche Künstler in Paris die Waffen gestreckt hat; ich kenne viele Tüchtige unter ihnen,
die mir in Paris erklärten, sie dächten unter der gegenwärtigen Herrschaft des reichen
und intriganten Meyerbeer nicht im entferntesten mehr daran, auf der Grossen Oper
herauszutreten . . ." Er klagt darüber, dass er „mit all meinem begeisterten Streben für
die echte Kunst von je so einsam dagestanden". Auch in Dresden habe er keinen Erfolg
gehabt, nur „flüchtige Erregungen" erzeugt. „Ihr denkt nicht einmal daran, wie es mir
zu Mute sein muss, wenn ich ein Werk zwei Jahre fertig daliegen habe — wie meinen
Lohengrin — ohne dazu zu gelangen, selbst in Dresden — wo noch meine letzte Arbeit
Glück gemacht ... — sie zur Aufführung zu bringen . . ." Er will nicht ein Komponist
sein, der viele Opern schreibt, er will ein denkender Künstler sein. Für die Zukunft ver-
liert er Paris keineswegs aus dem Auge, arbeiten kann er aber in Zürich besser. Er lebt
ganz zurückgezogen, verkehrt nur mit wenigen hochstehenden Zürichern, mit dem Dres-
dener Aufstand hat er nicht das mindeste zu tun. „Minna zuliebe habe ich jetzt in
Dresden um Zurücknahme der Bezeichnung „wegen gemeiner Verbrechen" in meinem
Steckbriefe einkommen lassen; ich bereue es fast, da ich im Grunde genommen auch
diese auf mich gewälzte Gemeinheit der Dresdner Gerichte auf mir hätte sitzen lassen
können, da meine Verachtung gegen dies ganze Gesindel zu gross Ist: aber — wie gesagt
— Minna fand eine Beruhigung darin . . ."
31. - Eigh. Brief m. U. Genf, 20. VIII. 1858. 7 Seiten. 8".
An seine Schwester Klara Wolfram. Setzt ihr ausführlich sein Verhältnis
zu Wesendoncks, namentlich zu Mathilde auseinander, schildert, wie seine Frau Minna
dieses Verhältnis roh gestört (Mitte April), wie er Minna zunächst zur Beruhigung in
einen Kurort gebracht, wo er sie 3 Monate mit der grössten Sorgfalt gepflegt, dass sich
aber nach ihrer Rückkehr herausstellte, dass die beiden Frauen nicht mehr neben ein-
ander wohnen konnten, und dass er also das schöne, mit zarter Liebe bereitete Asyl auf-
geben musste. „Jetzt bedarf ich . . . der Ruhe und vollsten Abgeschlossenheit; denn was
ich zu verschmerzen habe ist viel. Minna ist unfähig zu begreifen, welche
unglückliche Ehe wir von je geführt haben . . . ich kann diese ewige Zän-
kerei und misstrauische Laune nicht mehr um mich dulden, wenn ich noch meine Lebens-
aufgabe mutig erfüllen soll . . . Somit — getrennt. Aber in Güte und Liebe. Ich will nicht
ihre Schmach ... für jetzt lasse ich ihr die Aussicht, sobald die Amnestie eintritt nach
Deutschland zu ihr zurückzukehren . . . Bleibe also auch Du dabei, dass es jetzt nur eine
vorübergehende Trennung sein solle .... Sobald ich wieder Stimmung finde, um am
Tristan fortzukomponiercii, sehe ich mich für gerettet an . . ."
32. — Eigh. Brief m. U. „Richard". Luzern, 7. IV. 1859. 3 Seiten. 8"
An seine Schwester Klara Wolfram, die sich der leidenden Gattin Wag-
ners schwesterlich annahm. Ueber die „Julius-Rente", die Summe Geldes, die er monat-
lich seinem Bruder Julius sandte, der als Goldarbeiter in Dresden lebte. Ferner über die
von ihm nunmehr getrennt lebende Gattin Minna. „Ein Herz, das so garnicht zur Ruhe
kommen will, ist doch eine schreckliche Qual. Sie dauert mich sehr, und da ich immer
mehr einsah, dass mit Vernunft und auf Vernunft bei ihr zu wirken ganz unmöglich sei,
erkannte ich auch, dass es nur eine Wahl gäbe — sie entweder mit rücksichtvoller Täu-
schung wie spielend, immer ausweichend, immer nur beruhigend, alles von ihr Aus-
Hellmut Meyer & Ernst, Berlin W 35, Lützowstrasse 29.
29. Wagner, Richard; 1813-1883. Eigh. Brief m. U. Paris, 3. XII. 1840.
1 Seite. 8".
An Laube: „Die Partitur meiner Oper (R i e n z i) ist unterwegs, sie ist mit
grässlichen Geburts-Schmerzen in die Welt gegangen, fürchterlichere Lage kann niemand
erleben, als für mich der erste und zweite dieses unglückseligen Monates waren; so weit
es möglich war, haben mir die letzten Pfennige meiner armen hiesigen Freunde gehol-
fen, den gedachten Schlag bis nächsten 15ten zu verschieben, dieser Schlag heisst un-
wiederruflich Auspfändung und Verlust meiner persönlichen Freiheit: ich habe es nicht
geglaubt, — aber es war mit zwei Haaren daran; denn ich als Ausländer habe alle
gewöhnlichen Protest-Mittel nicht zu meiner Disposition . . ." Er bittet Laube daher
flehentlich um irgendwelche Geldhilfe. — Nicht bei Altmann.
30. — Eigh. Brief m. U. „Richard". Zürich, 1. XII. 1849. 3 engbeschriebene
Seiten. 4°. Mit Adresse.
An seinen Schwager Heinrich Wolfram, jedoch für seine Schwester
Klara. Nicht bei Altmann. Dankt für die moralische und pekuniäre Hilfe, die er er-
fahren. „Euch scheint es sehr unangenehm zu sein, dass wir hier in Zürich uns auf-
halten: ich wüsste keinen Ort in Europa, au dem ich lieber verweilen möchte. Ich hatte
nur die Wahl zwischen hier und Paris . . ." Da es doch noch länger dauert, bis er etwa
eine Oper für die Pariser Oper geschrieben, hat er Zürich vorgezogen, da er „weder
Geld, noch in der Intrigue bewandert". Beides hat desto mehr „Meyerbeer, vor dem jeder
ehrliche Künstler in Paris die Waffen gestreckt hat; ich kenne viele Tüchtige unter ihnen,
die mir in Paris erklärten, sie dächten unter der gegenwärtigen Herrschaft des reichen
und intriganten Meyerbeer nicht im entferntesten mehr daran, auf der Grossen Oper
herauszutreten . . ." Er klagt darüber, dass er „mit all meinem begeisterten Streben für
die echte Kunst von je so einsam dagestanden". Auch in Dresden habe er keinen Erfolg
gehabt, nur „flüchtige Erregungen" erzeugt. „Ihr denkt nicht einmal daran, wie es mir
zu Mute sein muss, wenn ich ein Werk zwei Jahre fertig daliegen habe — wie meinen
Lohengrin — ohne dazu zu gelangen, selbst in Dresden — wo noch meine letzte Arbeit
Glück gemacht ... — sie zur Aufführung zu bringen . . ." Er will nicht ein Komponist
sein, der viele Opern schreibt, er will ein denkender Künstler sein. Für die Zukunft ver-
liert er Paris keineswegs aus dem Auge, arbeiten kann er aber in Zürich besser. Er lebt
ganz zurückgezogen, verkehrt nur mit wenigen hochstehenden Zürichern, mit dem Dres-
dener Aufstand hat er nicht das mindeste zu tun. „Minna zuliebe habe ich jetzt in
Dresden um Zurücknahme der Bezeichnung „wegen gemeiner Verbrechen" in meinem
Steckbriefe einkommen lassen; ich bereue es fast, da ich im Grunde genommen auch
diese auf mich gewälzte Gemeinheit der Dresdner Gerichte auf mir hätte sitzen lassen
können, da meine Verachtung gegen dies ganze Gesindel zu gross Ist: aber — wie gesagt
— Minna fand eine Beruhigung darin . . ."
31. - Eigh. Brief m. U. Genf, 20. VIII. 1858. 7 Seiten. 8".
An seine Schwester Klara Wolfram. Setzt ihr ausführlich sein Verhältnis
zu Wesendoncks, namentlich zu Mathilde auseinander, schildert, wie seine Frau Minna
dieses Verhältnis roh gestört (Mitte April), wie er Minna zunächst zur Beruhigung in
einen Kurort gebracht, wo er sie 3 Monate mit der grössten Sorgfalt gepflegt, dass sich
aber nach ihrer Rückkehr herausstellte, dass die beiden Frauen nicht mehr neben ein-
ander wohnen konnten, und dass er also das schöne, mit zarter Liebe bereitete Asyl auf-
geben musste. „Jetzt bedarf ich . . . der Ruhe und vollsten Abgeschlossenheit; denn was
ich zu verschmerzen habe ist viel. Minna ist unfähig zu begreifen, welche
unglückliche Ehe wir von je geführt haben . . . ich kann diese ewige Zän-
kerei und misstrauische Laune nicht mehr um mich dulden, wenn ich noch meine Lebens-
aufgabe mutig erfüllen soll . . . Somit — getrennt. Aber in Güte und Liebe. Ich will nicht
ihre Schmach ... für jetzt lasse ich ihr die Aussicht, sobald die Amnestie eintritt nach
Deutschland zu ihr zurückzukehren . . . Bleibe also auch Du dabei, dass es jetzt nur eine
vorübergehende Trennung sein solle .... Sobald ich wieder Stimmung finde, um am
Tristan fortzukomponiercii, sehe ich mich für gerettet an . . ."
32. — Eigh. Brief m. U. „Richard". Luzern, 7. IV. 1859. 3 Seiten. 8"
An seine Schwester Klara Wolfram, die sich der leidenden Gattin Wag-
ners schwesterlich annahm. Ueber die „Julius-Rente", die Summe Geldes, die er monat-
lich seinem Bruder Julius sandte, der als Goldarbeiter in Dresden lebte. Ferner über die
von ihm nunmehr getrennt lebende Gattin Minna. „Ein Herz, das so garnicht zur Ruhe
kommen will, ist doch eine schreckliche Qual. Sie dauert mich sehr, und da ich immer
mehr einsah, dass mit Vernunft und auf Vernunft bei ihr zu wirken ganz unmöglich sei,
erkannte ich auch, dass es nur eine Wahl gäbe — sie entweder mit rücksichtvoller Täu-
schung wie spielend, immer ausweichend, immer nur beruhigend, alles von ihr Aus-
Hellmut Meyer & Ernst, Berlin W 35, Lützowstrasse 29.

