Schneidmüller, Bernd [Hrsg.]; Weinfurter, Stefan [Hrsg.]
Otto III. - Heinrich II.: eine Wende? — Mittelalter-Forschungen, Band 1: Sigmaringen, 1997

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JOACHIM EHLERS

Magdeburg - Rom - Aachen - Bamberg
Grablege des Königs und Herrschaftsverständnis in ottonischer Zeit

Ein Zusammenhang zwischen den Bestattungsorten mittelalterlicher Herrscher
und deren politischen Absichten, herrschaftstheoretischen Vorstellungen und spiri-
tuellen Möglichkeiten wird allgemein und gern unterstellt, ist aber so gut wie nie in
seiner Funktionalität beschrieben oder gar nachgewiesen wordenk Leicht scheinen
sich Quellenzeugnisse und Befunde in sinnvolle Ordnungen zu fügen, die dann ih-
rerseits als Argumente für weitreichende und langlebige Synthesevorschläge die-
nen müssen. So könnte man alle Grablegeorte der ottonischen Könige durch eine
Linie verbinden, die absteigend endet: Von der Kanonissenstiftskirche in Quedlin-
burg würde sie zunächst steil aufwärts führen, über die Kathedrale des Magdebur-
ger Metropoliten auf die Gipfel Rom und Aachen, um sich dann zur Bamberger
Bischofskirche wieder abzusenken. Dieser Verlauf läßt sich ebenso vordergründig
wie möglicherweise tiefsinnig erklären, denn er spiegelt die im allgemeinen histori-
schen Bewußtsein stets präsente Logik der frühmittelalterlichen Reichsgeschichte:
Von der durch Heinrich I. gelegten sächsischen Basis liudolfingischen Königtums

1 Das gilt selbst für die seit der Merowingerzeit genutzte Grablege der französischen Könige in
St-Denis, deren Funktion für das überdynastische Kollektiv der Monarchen evident ist, während
individuelle Explikationen weitgehend fehlen. Sie wären gerade angesichts der prominenten
Ausnahmen (Karl d. Gr./Aachen, Ludwig d. Fr./Metz, Ludwig II./Compiegne, Karl IH./Peron-
ne, Ludwig IV. /Reims, Lothar/Reims, Ludwig V. /Compiegne) wünschenswert. Über die An-
fänge KARL HEINRICH KRÜGER, Königsgrabkirchen der Franken, Angelsachsen und Langobarden
bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts (Münstersche Mittelalter-Schriften 4), München 1971, S. 171 ff.
und 416 ff.; zum archäologisch-kunsthistorischen Befund ALAIN ERLANDE-BRANDENBURG, Le roi est
mort. Etüde sur le funerailles, les sepultures et les tombeaux des rois de France jusqüä la fin du
XHIe siede (Bibliotheque de la Societe Franqaise d'Archeologie 7), Genf 1975; JOACHIM EHLERS,
Kontinuität und Tradition als Grundlage mittelalterlicher Nationsbildung in Frankreich, in: DERS.,
Ausgewählte Aufsätze (Berliner Historische Abhandlungen 21), Berlin 1996, S. 288-324; hier
S. 308 ff. (mit Literatur). Für die seit dem 16. Jahrhundert veränderte Situation RALPH E. GlESEY, Le
roi ne meurt jamais. Les obseques royales dans la France de la Renaissance, Paris 1987 (in Einzel-
heiten verbesserte Übersetzung der amerikanischen Ausgabe von 1960). Entsprechendes gilt für
Reims: RICHARD HAMANN-MAC LEAN, Die Reimser Denkmale des französischen Königtums im
12. Jahrhundert. Saint-Remi als Grabkirche im frühen und hohen Mittelalter, in: Beiträge zur Bil-
dung der französischen Nation im Früh- und Hochmittelalter, hg. v. HELMUT BEUMANN (Nationes
4), Sigmaringen 1983, S. 93-259. Zu Tod und Herrscherbeisetzung grundsätzlich: Death in the
Middle Ages, hg. v. H. BRAET/W. VERBEKE (Mediaevalia Lovaniensia, Serie 1: Studia 9), Löwen
1983; ferner OuviA BLAND, The Royal Way of Death, London 1985; MICHAEL BORGOLTE, Artikel
»Grablege«, in: Lexikon des Mittelalters 4,1989, Sp. 1628 f.; für Deutschland JOACHIM EHLERS, Grab-
lege und Bestattungsbrauch der deutschen Könige im Früh- und Hochmittelalter, in: Jahrbuch der
Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, 1990, S. 39-74. Zur Kunstgeschichte KURT
BAUCH, Das mittelalterliche Grabbild, Berlin 1976.
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