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III. Der Umbruch der 820er Jahre
die dort gefaßten Beschlüsse in Normen für die Alltagspraxis der Landgeistlichen
ihrer Diözese umzusetzen - und sei es auch nur in Form von mündlichen Erläute-
rungen und Ermahnungen.
3. Weitere Hinweise auf das Modell
In ihrer Komplexität und ihrem grundlegenden Anspruch stechen Ludwigs »Ordi-
natio« und die Pariser Akten aus der übrigen Überlieferung der späteren 820er
Jahre hervor. Immerhin verwenden aber auch einige andere Texte jener Zeit Katego-
rien, die dem neuen Modell der Aufgaben und der Stellung der Bischöfe entspre-
chen. Beispiele hierfür sind vor allem die »Vita et Translatio s. Hucberti« aus der
Feder des Bischofs Jonas von Orleans und die Weltchronik Frechulfs von Lisieux;
beide Verfasser waren an dem Pariser Konzil beteiligt, Jonas als wofan'Ms sogar ent-
scheidend. Daneben lassen sich Elemente des Modells in den Briefen des Bischofs
Frothar von Toul erkennen. Die Analyse dieser Texte gewährt zugleich noch etwas
genaueren Aufschluß über den Kreis derjenigen Personen, die die neuen Auffas-
sungen in den 820er Jahren debattierten und propagierten.
a. Dzä »VzYa ef TrawsZah'o sawcü HMcäerü« des Jowas uow Orleans
Zwischen dem 21. und dem 30. September des Jahres 825 ließ der Bischof Waltcaud
von Lüttich - ausgebildet am HoW und wie Haito von Basel und der 829 in Paris
anwesende Jesse von Amiens einer der Unterzeichneten des Karls-Testaments von
SipM _ (-pg Reliquien eines seiner Amtsvorgänger, des Bischofs Hugbert, in das Klo-
ster Andagium überführen, das später nach diesem Heiligen den Namen St-Hubert
führen sollte^. Wohl kurz darauf, sicher aber vor 83Pü überarbeitete Jonas von Or-
leans die ältere Vita dieses Heiligen, die bald nach 743 entstanden war% und fügte
seiner Neufassung einen Bericht über die jüngst vollzogene Translation an.
In seinem Widmungsbrief an Waltcaud behauptete Jonas, er habe den Auftrag
gehabt, die Vita sprachlich zu überarbeiten, den Inhalt aber unangetastet zu lassen.
Demgemäß habe er sich darauf beschränkt, den Stil aufzupolieren. Die Aussagen
des älteren Textes dagegen habe er getreu übernommen: wcc ah'a cMdz'wiMS ijMam aä
cjMS miah'oMC Tatsächlich folgt seine Vita von ihrem Aufbau und ihrem
413 Nach Jonas, Vita secunda sancti Huberti, Epistola dedicatoria, 806, verfügte Waltcaud über
palatina scholasticorum facundia. Zu seiner Person vgl. DEPREUX, Prosopographie 199/^ 410,
der ihn jedoch nicht zur »Entourage« Ludwigs des Frommen zählt; außerdem DiERKENS, Chri-
stianisation 1990,328.
414 Einhard, Vita Karoli, c. 33,41.
415 Zu dieser Translation vgl. zuletzt TADA, Creation 2003, bes. 218f., GALLONi, Sant'Uberto 2000,
35f. und 39, sowie DiERKENS, Christianisation 1990,323f.
416 Zur Datierung: DiERKENS, Christianisation 1990, 320.
417 Vita Huberti prima, ed. LEVisoN 1913; zur Datierung auch TADA, Creation 2003,211.
418 Jonas, Vita secunda sancti Huberti, Epistola dedicatoria, 806 E; dazu auch HEENE, Hagiogra-
phy 1989,423; TADA, Creation 2003,220.
III. Der Umbruch der 820er Jahre
die dort gefaßten Beschlüsse in Normen für die Alltagspraxis der Landgeistlichen
ihrer Diözese umzusetzen - und sei es auch nur in Form von mündlichen Erläute-
rungen und Ermahnungen.
3. Weitere Hinweise auf das Modell
In ihrer Komplexität und ihrem grundlegenden Anspruch stechen Ludwigs »Ordi-
natio« und die Pariser Akten aus der übrigen Überlieferung der späteren 820er
Jahre hervor. Immerhin verwenden aber auch einige andere Texte jener Zeit Katego-
rien, die dem neuen Modell der Aufgaben und der Stellung der Bischöfe entspre-
chen. Beispiele hierfür sind vor allem die »Vita et Translatio s. Hucberti« aus der
Feder des Bischofs Jonas von Orleans und die Weltchronik Frechulfs von Lisieux;
beide Verfasser waren an dem Pariser Konzil beteiligt, Jonas als wofan'Ms sogar ent-
scheidend. Daneben lassen sich Elemente des Modells in den Briefen des Bischofs
Frothar von Toul erkennen. Die Analyse dieser Texte gewährt zugleich noch etwas
genaueren Aufschluß über den Kreis derjenigen Personen, die die neuen Auffas-
sungen in den 820er Jahren debattierten und propagierten.
a. Dzä »VzYa ef TrawsZah'o sawcü HMcäerü« des Jowas uow Orleans
Zwischen dem 21. und dem 30. September des Jahres 825 ließ der Bischof Waltcaud
von Lüttich - ausgebildet am HoW und wie Haito von Basel und der 829 in Paris
anwesende Jesse von Amiens einer der Unterzeichneten des Karls-Testaments von
SipM _ (-pg Reliquien eines seiner Amtsvorgänger, des Bischofs Hugbert, in das Klo-
ster Andagium überführen, das später nach diesem Heiligen den Namen St-Hubert
führen sollte^. Wohl kurz darauf, sicher aber vor 83Pü überarbeitete Jonas von Or-
leans die ältere Vita dieses Heiligen, die bald nach 743 entstanden war% und fügte
seiner Neufassung einen Bericht über die jüngst vollzogene Translation an.
In seinem Widmungsbrief an Waltcaud behauptete Jonas, er habe den Auftrag
gehabt, die Vita sprachlich zu überarbeiten, den Inhalt aber unangetastet zu lassen.
Demgemäß habe er sich darauf beschränkt, den Stil aufzupolieren. Die Aussagen
des älteren Textes dagegen habe er getreu übernommen: wcc ah'a cMdz'wiMS ijMam aä
cjMS miah'oMC Tatsächlich folgt seine Vita von ihrem Aufbau und ihrem
413 Nach Jonas, Vita secunda sancti Huberti, Epistola dedicatoria, 806, verfügte Waltcaud über
palatina scholasticorum facundia. Zu seiner Person vgl. DEPREUX, Prosopographie 199/^ 410,
der ihn jedoch nicht zur »Entourage« Ludwigs des Frommen zählt; außerdem DiERKENS, Chri-
stianisation 1990,328.
414 Einhard, Vita Karoli, c. 33,41.
415 Zu dieser Translation vgl. zuletzt TADA, Creation 2003, bes. 218f., GALLONi, Sant'Uberto 2000,
35f. und 39, sowie DiERKENS, Christianisation 1990,323f.
416 Zur Datierung: DiERKENS, Christianisation 1990, 320.
417 Vita Huberti prima, ed. LEVisoN 1913; zur Datierung auch TADA, Creation 2003,211.
418 Jonas, Vita secunda sancti Huberti, Epistola dedicatoria, 806 E; dazu auch HEENE, Hagiogra-
phy 1989,423; TADA, Creation 2003,220.



