Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Patzold, Steffen; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0180

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
C.Fazit

179

»daß ihr diese Last der Hirtensorge (ottMS cttrc pasforah's) von mir nehmt, weil meine
Wenigkeit sie so nicht erfüllen kann und es viel nützlicher ist, daß ich von dieser
Sorge befreit werde, als daß durch das Vertrauen in meine aMcforüas so viele Schafe
des Herrn durch das Verderben in äußerster Not zugrunde gehen«^. Hier nutzte
Frothar nicht nur einen weiteren Schlüsselbegriff der »Ordinatio« von 823/25, den
Begriff der bischöflichen aMcfonfas, sondern zeigte zugleich jenes Bewußtsein einer
Verantwortung für das Wohl und Wehe seiner Gemeinde, das die Pariser Konzils-
väter von 829 dazu brachte, dem Episkopat gemeinsam mit dem Herrscher die Lei-
tung der Christenheit bei Rechenschaftspflicht gegenüber Gott zuzuschreiben.

C. Fazit

Die »Capitula Neustrica prima«, Frothars Briefe, Frechulfs Chronik, Jonas' »Vita
Hugberti« - alle diese Texte zeigen in ihrer je eigenen Darstellungsform, wie sich in
den 820er Jahren allmählich neue Kategorien zur Erfassung bischöflichen Wirkens
herauskristallisierten. So unterschiedlich aber die Darstellungsformen in Kapitula-
rien und Capitula episcoporum, in einem hagiographischen Text, einer Chronik
und in Konzilsakten auch waren - die in diesem Kapitel analysierten Schriften stan-
den in mannigfaltigen Beziehungen zueinander. Bischof Jonas von Orleans und
Frechulf von Lisieux nahmen beide 829 an der Pariser Synode teil. Der Erzkapellan
Hilduin von St-Denis - ebenfalls in Paris anwesend - erhielt mehrere Briefe Frothars
von Toul. Brieflich, aber sicher auch persönlich stand Frothar zudem in Kontakt mit
dem Erzbischof Hetti von Trier, der geradeso wie Ebo von Reims zu jenen Missi ge-
hörte, die Ludwigs »Ordinatio« im Reich bekannt machen sollten. Der Blick auf die
Teilnehmer des Pariser Konzils und auf die Adressaten der »Vita Hugberti«, die im
Auftrag Waltcauds von Lüttich entstand, mag den Trägerkreis des bis Ende der
820er Jahre ausgeformten Bischofsmodells noch einmal vergrößern; und doch bleibt
dieser Kreis vorerst überschaubar - auch wenn Ludwig seine Königsboten beauf-
tragt hatte, die »Ordinatio« im gesamten Reich bekannt zu machen. Die einschlägi-
gen überlieferten Texte stammen vorerst nur aus den Kirchenprovinzen von Sens,
Reims, Köln und Trier.
Das Modell des Miteinanders von Kaiser, Bischöfen und Volk, das dieser recht kon-
kret benennbare, einflußreiche Personenkreis in den 820er Jahren erstmals explizit
formulierte und propagierte, ähnelt in bemerkenswerter Weise demjenigen, das
sich im voranstehenden Kapitel in historiographischen, hagiographischen, urkund-
lichen und normativen Texten des späten 9. und frühen 10. Jahrhunderts hat nach-
weisen lassen: Hier wie dort ging man - gelasianisch inspiriert - davon aus, daß die
Christenheit gemeinschaftlich von König und Bischöfen geleitet werde; hier wie

486 Frothar, Ep. 11, ed. PARissE 1998,112/114 (= ed. HAMPE 1899, Nr. 9,283): Atto^am ppr mp tpsam ad
prapsputtam dom?n tmppraton's pt opstram prapsputtam sapphcttpr o&spcra&o, Mt t?oc owas carp pastora-
h's a mp SM&moMpah's, tpa'a dtad mpa parm'tas tah'tpr/prrp mm aatpt, pt aa?& Mtdtas pst mp a& tsttasmodt
cara SM&moMpn, tyaam ppr mpap aacton'tatts /tdattam tot oops Domna pxttto dtscn'mtm's mtpn'rp.
 
Annotationen