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Patzold, Steffen; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0200

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B. Reproduktion des Bischofsmodells in Texten

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sündige Menschheit mit Gott auszusöhnen und das irdische Wohl wie das jensei-
tige Heil der Menschen herbeizuführen.
Die bisherige Forschung, zumal in Deutschland, hat die Ereignisse von 830/33
meist unter dem Blickwinkel der Einheit bzw. Teilung des Reiches betrachtet^, als
machtpolitische Auseinandersetzung zwischen Ludwig und seinen Söhnen aufge-
faßt^ oder aber als Ringen zwischen >Kirche< und >Staat< interpretiert^. Keines die-
ser Deutungsmuster wird jedoch den Kategorien der zeitgenössischen Quellen
ganz gerecht. Die damaligen Texte sind Überreste aus dem Prozeß der Ausbildung
eines neuen Wissens, demzufolge die Bischöfe gemeinsam mit dem Kaiser, aber in
Verantwortung auch für ihn, das ihnen von Gott anvertraute Reich zu leiten, das
heißt die Menschen mittels Predigt, Beichte, Buße und Exkommunikation zum Heil
zu führen hatten und für ihr diesbezügliches Handeln Gott Rechenschaft würden
ablegen müssen. Zugespitzt formuliert: In den Jahren 833/34 stritten Ludwig der
Fromme und seine Söhne um die Macht im Reich; aber die zeitgenössische Darstel-
lung dieses Konflikts war strukturiert durch die Kategorien der >Verantwortung<
für das irdische und jenseitige >Heil< des christlichen Volkes<, das in seiner Gesamt-
heit den >Leib Christh, die >Kirche< bildete. Wie rasch das Modell gemeinsamer Ver-
antwortung von König und Episkopat von den politischen und intellektuellen Eli-
ten des Reiches in den 830er Jahren rezipiert wurde, das zeigen diejenigen Texte, die
im folgenden Abschnitt vorgestellt werden.

B. Reproduktion des Bischofsmodells in Texten

1. Das Mahnschreiben des Bischofs Jonas von Orleans an Pippin von Aquitanien
Wohl im Herbst 831 verfaßte der Bischof Jonas von Orleans - vielleicht im Auftrag
einer Versammlung, die in Thionville zusammengetreten waW - ein Werk, in dem
er König Pippin von Aquitanien über sein Amt und die damit verbundenen Anfor-
derungen und Pflichten belehrte und ermahnte^. Die Lage im Reich (und gerade
auch in Orleans) war angespannt: Im Jahr zuvor hatte Ludwig der Fromme den er-
sten Aufstand seiner Söhne überwinden müssen; erst im Februar 831 hatte sich
seine Gemahlin auf einer Reichsversammlung in Aachen von den ihr vorgeworfe-
nen Vergehen per Eid gereinigt; nun, in Thionville, sollte eigentlich der letzte Akt

82 So etwa BosnoF, Einheitsidee 1990, passim, mit der älteren Literatur.
83 So ScniEFFER, Krise 195/^ 12; BosHOF, Ludwig 1996,192; vgl. auch ScHiEFFER, Karolinger 1992,
132f.
84 So etwa SucHAN, Kirchenpolitik 2000.
85 Zum ereignisgeschichtlichen Hintergrund vgl. CoLLiNS, Pippin 1990, 382f.
86 Jonas, De institutione regia, ed. DuBREUCQ 1995; zur Datierung und zum Zusammenhang mit
der Versammlung von Thionville vgl. zusammenfassend ebd., 45-49. WERMiNGHOFF, MGH
Conc. II, 2,1908, 670, Anm. 1, hielt mit AMELUNG, Leben 1888,40, auch eine Entstehung im Jahr
834 für möglich; dagegen wandten sich mit guten Argumenten REViRON, Idees 1930, 52f.;
SCHARF, Studien 1961, 368-370; ANTON, Fürstenspiegel 1968, 24. - CoLLiNS, Pippin 1990, 36/(
hält die Frage der Datierung für offen.
 
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