B. Reproduktion des Bischofsmodells in Texten
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wiederholt. Vor dem Hintergrund des >Pariser Modells< drängt sich eine andere
Deutung aut: Die zahlreichen Fürbitten und Gebetsaufforderungen, die kaum ge-
gen Aldrichs Willen in den Text geraten sein werden, sind ein weiterer Hinweis
darauf, wie sehr sich der Bischof angesichts der mit seinem Amt verbundenen La-
sten und Gefahren um sein eigenes Seelenheil sorgte. Sie erweisen die »Gesta Ald-
rici« in ihrer heute nur noch schemenhaft erkennbaren Frühfassung selbst als ein
Element in jenem umfassenden Bemühen um Gedenken und Gebetshilfe, das sich
auch in Aldrichs Anordnungen zu Prozessionen, Gedenktagen und Gedächtnis-
mählern manifestiert"'.
Margarete Weidemann hat jüngst wahrscheinlich gemacht, daß die chronologi-
schen Angaben der »Gesta« zu Aldrichs Werdegang verläßlich sindV Aldrich ge-
hörte demnach zu jener Generation von Geistlichen, die, um 800 geboren, in den
820er Jahren in engem Kontakt zum Hof Ludwigs des Frommen Karriere machten:
Nach seiner Ausbildung bei Hof dürfte er wohl 822 mit Ludwigs Einverständnis
seine geistliche Laufbahn in Metz begonnen haben. Im Sommer 832, in der politisch
angespannten Lage zwischen den beiden Rebellionen von 830 und 833, holte ihn
der Kaiser als seinen Beichtvater zurück an den Hof. Aldrichs Weitsicht, seine Vor-
stellungen von der politischen Ordnung und seine Auffassung über die Stellung
des Bischofs in dieser Ordnung verfestigten sich in eben jener Zeit, in der das neue
Bischofsmodell virulent geworden war. Die nur noch in ihren Umrissen greifbare
Frühform der »Gesta Aldrici« spiegelt diese Prägung wider: formal (als historiogra-
phisches Gegenstück zu den annalistisch strukturierten Herrscherbiographien
Thegans und des Astronomus), inhaltlich (mit ihrer Betonung der Leistungen des
Bischofs für sein Bistum), aber auch ganz unmittelbar: als Überrest jener Maßnah-
men, mit denen Aldrich auf die ihm von Gott auferlegte Verantwortung und damit
verbundene Gefahr für sein Seelenheil reagierte.
Z Hagiographie: Die Bischofsviten der 830er Jahre und frühen 840er Jahre
Auch in den Bischofsviten der 830er und frühen 840er Jahre schließlich sind Ele-
mente des >Pariser Modells< rezipiert und reproduziert worden. Greifbar sind sie in
D077777777S noÜ7C7*7'f, rÜ77 77CfC7*7777 SC7Ü&77S 777 C0eksÜ&MS 777777 C77777 S7777Cf7S DÖ /7*777 777 ^7*07777777*, 7pSC
pmesf777T (ä'g77efMr, cm' csf ^707707* cf glon'77 777 secM?77 secM?orM777. A77707; oder auch c. 8,124, wo die Bitte
um Seelenheil für Aldrich bezeichnenderweise unmittelbar mit der Bitte um das eigene See-
lenheil verknüpft wird: [...] cm' 0 777777'pofc77s Deus, SMpph'cüer om777MS, 777777 770&7'sc77777 f7*7Ü 7777f 7*^77777077
SC777p7fC7*7777777 Cf 177f77 777 77CfC7*7777777.
416 Dazu dürften auch jene Tituli zu rechnen sein, die nur als Kopie in der Handschrift Le Mans,
Bibliotheque Municipale, Ms. 99, überliefert sind: Demnach hat Aldrich für die Kathedralkir-
che, dort zudem speziell für den Platz über und neben seinem Bischofsthron, außerdem noch
auf einer von ihm gestifteten goldenen Patene sowie in der Kirche St. Stephan entsprechende
Verse anbringen lassen, die an seine Person und seine Stiftungen erinnerten und sein Seelen-
heil sichern sollten: Carmina Cenomanensia, Nr. 1, 623f. (Titulus für die Kathedralkirche);
Nr. 2 und 3,624 (Tituli über und neben dem Bischofsthron); Nr. 4,625 (Inschrift auf der Patene);
Nr. 6,627f. (St. Stephan).
417 WEIDEMANN, Geschichte 2002,120f.
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wiederholt. Vor dem Hintergrund des >Pariser Modells< drängt sich eine andere
Deutung aut: Die zahlreichen Fürbitten und Gebetsaufforderungen, die kaum ge-
gen Aldrichs Willen in den Text geraten sein werden, sind ein weiterer Hinweis
darauf, wie sehr sich der Bischof angesichts der mit seinem Amt verbundenen La-
sten und Gefahren um sein eigenes Seelenheil sorgte. Sie erweisen die »Gesta Ald-
rici« in ihrer heute nur noch schemenhaft erkennbaren Frühfassung selbst als ein
Element in jenem umfassenden Bemühen um Gedenken und Gebetshilfe, das sich
auch in Aldrichs Anordnungen zu Prozessionen, Gedenktagen und Gedächtnis-
mählern manifestiert"'.
Margarete Weidemann hat jüngst wahrscheinlich gemacht, daß die chronologi-
schen Angaben der »Gesta« zu Aldrichs Werdegang verläßlich sindV Aldrich ge-
hörte demnach zu jener Generation von Geistlichen, die, um 800 geboren, in den
820er Jahren in engem Kontakt zum Hof Ludwigs des Frommen Karriere machten:
Nach seiner Ausbildung bei Hof dürfte er wohl 822 mit Ludwigs Einverständnis
seine geistliche Laufbahn in Metz begonnen haben. Im Sommer 832, in der politisch
angespannten Lage zwischen den beiden Rebellionen von 830 und 833, holte ihn
der Kaiser als seinen Beichtvater zurück an den Hof. Aldrichs Weitsicht, seine Vor-
stellungen von der politischen Ordnung und seine Auffassung über die Stellung
des Bischofs in dieser Ordnung verfestigten sich in eben jener Zeit, in der das neue
Bischofsmodell virulent geworden war. Die nur noch in ihren Umrissen greifbare
Frühform der »Gesta Aldrici« spiegelt diese Prägung wider: formal (als historiogra-
phisches Gegenstück zu den annalistisch strukturierten Herrscherbiographien
Thegans und des Astronomus), inhaltlich (mit ihrer Betonung der Leistungen des
Bischofs für sein Bistum), aber auch ganz unmittelbar: als Überrest jener Maßnah-
men, mit denen Aldrich auf die ihm von Gott auferlegte Verantwortung und damit
verbundene Gefahr für sein Seelenheil reagierte.
Z Hagiographie: Die Bischofsviten der 830er Jahre und frühen 840er Jahre
Auch in den Bischofsviten der 830er und frühen 840er Jahre schließlich sind Ele-
mente des >Pariser Modells< rezipiert und reproduziert worden. Greifbar sind sie in
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um Seelenheil für Aldrich bezeichnenderweise unmittelbar mit der Bitte um das eigene See-
lenheil verknüpft wird: [...] cm' 0 777777'pofc77s Deus, SMpph'cüer om777MS, 777777 770&7'sc77777 f7*7Ü 7777f 7*^77777077
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416 Dazu dürften auch jene Tituli zu rechnen sein, die nur als Kopie in der Handschrift Le Mans,
Bibliotheque Municipale, Ms. 99, überliefert sind: Demnach hat Aldrich für die Kathedralkir-
che, dort zudem speziell für den Platz über und neben seinem Bischofsthron, außerdem noch
auf einer von ihm gestifteten goldenen Patene sowie in der Kirche St. Stephan entsprechende
Verse anbringen lassen, die an seine Person und seine Stiftungen erinnerten und sein Seelen-
heil sichern sollten: Carmina Cenomanensia, Nr. 1, 623f. (Titulus für die Kathedralkirche);
Nr. 2 und 3,624 (Tituli über und neben dem Bischofsthron); Nr. 4,625 (Inschrift auf der Patene);
Nr. 6,627f. (St. Stephan).
417 WEIDEMANN, Geschichte 2002,120f.



