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Patzold, Steffen; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0267

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266

V. Das Wissen über Bischöfe im späteren 9. und frühen 10. Jahrhundert

B. Das Wissen über Bischöfe im Spiegel normativer Texte der
späteren Karolingerzeit

1. Synodalakten
Das Fortleben und die Weiterentwicklung der gelasianischen Zweigewaltenlehre in
den Synodalakten der späteren Karolingerzeit bis hin zur Synode von Fismes von
881 hat bereits Hans Hubert Anton untersucht^. Schon der von ihm herausgearbei-
tete Befund legt nahe, daß sich in den Jahrzehnten nach den Bruderkriegen von
841/42 in den fränkischen Konzilsakten nicht nur ein auf der Pariser Grundlage
aufbauendes »politisches Konzept« ^ wiederfindet, sondern auch ein entsprechen-
des Wissen über Bischöfe. Tatsächlich läßt sich, wie im folgenden zu zeigen sein
wird, ein solches Wissen in diesen Quellen in hoher Dichte nachweisen, allerdings
nicht in allen Regionen des Frankenreichs in gleicher Intensität. Seit 843 war das
Reich politisch zunächst in drei, nach 855 in fünf, nach 876 zeitweilig in noch mehr
Teile zergliedert^. Die Kontakte zwischen diesen Teilreichen (und zumal zwischen
ihren Bischöfen) blieben jedoch vorerst zahlreich und eng. Schon deshalb ist es we-
nig sinnvoll, nur nach Sonderentwicklungen im Wissen über Bischöfe in bezug auf
die verschiedenen Reiche zu fragen. Es wird sich vielmehr erweisen, daß auch in-
nerhalb der Teilreiche in einzelnen Regionen das >Pariser Modelh je unterschiedlich
virulent war.

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Unübersehbar ist das in Paris grundgelegte Wissen über den Bischof in jener Re-
forminitiative, mit der der Episkopat des Westreiches und Lotharingiens in den Jah-
ren von 843 bis 846 mit Synoden in Yütz, Ver-sur-Launette, Loire (Lauriere?), Meaux
und Paris auf die Nöte reagierte, die der Brüderkrieg mit sich gebracht hatte'/ Im
Oktober 844 trafen sich Ludwig der Deutsche, Karl der Kahle und Lothar I. in Yütz
bei Thionville; parallel dazu tagte unter dem Vorsitz des Erzbischofs Drogo von
Metz eine Bischofsversammlung, deren Teilnehmer allerdings nicht namhaft zu
machen sind / Sie formulierten sechs Kapitel, in denen sie an das Modell von 829

73 ANTON, Konzept 1979; zuvor auch schon DERS., Fürstenspiegel 1968, mit dem Fazit, 245: »Für
die Herrscherethik konnte der fortwirkende Einfluß der Synoden von 829 und 836 klar erwie-
sen werden«; vgl. außerdem KNABE, Zweigewaltentheorie 1936,62f., zur häufigen Verwendung
der gelasianischen Zweigewaltenlehre inbesondere im Umkreis Hinkmars von Reims.
74 So der Titel der Studie von ANTON, Konzept 1979.
75 Dazu grundlegend SCHNEIDER, Brüdergemeine 1964; SCHLESINGER, Auflösung 1965; PENN-
DORF, Problem 1974.
76 Zum Brüderkrieg vgl. NELSON, Search 1996, 87-114; zu Karls des Kahlen Handeln 841-843:
KRÄH, Anerkennung 2004; zu Lothars I. Rolle dabei: ScREEN, Importance 2003; zur Schlacht
von Fontenoy zuletzt ausführlich KRÄH, Entstehung 2000, 77-86, mit weiterer Literatur.
77 HARTMANN, Synoden 1989,199-201; außerdem SCHNEIDER, Brüdergemeine 1964,18f.; ANTON,
Fürstenspiegel 1968, 231-234; DERS., Konzept 1979, 87-96; Loi/HALPHEN, Regne 1909,123-126,
 
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