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Patzold, Steffen; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

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https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0317

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316

V. Das Wissen über Bischöfe im späteren 9. und frühen 10. Jahrhundert

keit, gestützt aut jene Dokumente, die er im Reimser Archiv fand, die Erinnerung
an Ebos Sturz auffrischte^.
Im folgenden werde ich diese Geschichte immer neuen Erinnerns an die erzbi-
schöfliche Resignation von 835 bis ins 10. Jahrhundert nachzeichnen. In dieser cause
celebre standen Kernfragen der Stellung und Aufgaben eines Bischofs zur Debatte:
Es ging um das Verhältnis von Person und Amt, um die Beziehungen eines Erzbi-
schofs zu Laien und Klerus seiner Erzdiözese, zu seinen Suffraganen und zum Kö-
nig^. Der Fall eignet sich daher, um dreierlei zu veranschaulichen: Erstens wurde,
ohne daß die Akteure gerade dies in erster Linie beabsichtigt hätten, im Zuge der
Verhandlungen - gleichsam unter der Hand - auch das in Paris 829 formulierte und
in Soissons 833 in letzter Konsequenz umgesetzte Wissen über Bischöfe angewen-
det, bekräftigt und weitervermittelt. Zweitens wird in den Streitigkeiten, die Ebos
Fall auslöste, beispielhaft deutlich, daß die Kategorien dieses Wissens in der zwei-
ten Hälfte des 9. Jahrhunderts, gerade weil sie in Konfliktsituationen zum Argu-
mentieren dienten, politisch wirksam wurden. Drittens schließlich wird die >dunkle
Seite der Macht< greifbar: Nicht allein Beratungen, Konsens, Gegenseitigkeit be-
stimmten die nun zu erzählende Geschichte immer neuer Erinnerung, sondern
ebensosehr auch politischer Druck, Zwang und Gewalt.

1. Ebos Rückkehr nach Reims 840/41
Nachdem Ludwig der Fromme am 20. Juni 840 gestorben war, rückte sein ältester
Sohn Lothar aus Italien in das Frankenreich vor. Ebo eilte ihm bis zur Stadt Worms
entgegen, begleitet von dem Abt Boso von Fleury, dessen Obhut er damals - nach
früheren Inhaftierungen in Fulda und Lisieux - anvertraut war"/ Noch im August
versammelte Lothar nur wenige Kilometer rheinabwärts, in Ingelheim, eine Synode
von 20 Bischöfen^. Von ihnen ließ der Kaiser den fünf Jahre zuvor seines Amtes
enthobenen Erzbischof von Reims wieder einsetzen; Zeugnis davon gibt ein Edikt
Lothars I., dessen Kontext freilich wörtlich dem Synodalbeschluß entsprechen
dürfte und wohl erst nachträglich mit Lothars Namen und Titel und einer - nach-
weislich falschen - Datierung versehen wurdet Überliefert ist das Edikt nicht im
Original, sondern als Abschrift in einem Codex der Bibliotheque Municipale von
Laon vom Ende des 9. Jahrhunderts, der später noch näher zu behandeln sein
wird^°. Das Edikt begründet Ebos Restitution, indem es auf die gottgefällige Buße

415 Zu Flodoard und zu seiner »Historia Remensis ecclesiae« vgl. unten, S. 353-355.
416 So bemerkt zu Recht: HEiDRicn, Ebo 1982,247.
417 Dies geht aus mehreren, allerdings deutlich späteren Dokumenten hervor - vor allem einem
Bericht Reimser Geistlicher, der wohl aus dem Jahr 866 stammt (Narratio clericorum Remen-
sium, Nr. 61, 3, 806-814, hier 808), einem Brief der Synode von Troyes von 867 an Papst Niko-
laus I. (ed. HARTMANN 1998, Nr. 24 A, 233f.) sowie einem Schreiben Karls an Nikolaus aus dem
selben Jahr (ebd., Nr. 24 B, 240); vgl. FREIHERR SCHENK zu ScHWEiNSBERG, Reims 1971,188.
418 Vgl. HARTMANN, Synoden 1989,197f.
419 Ediert ist das Stück unter dem Titel Concilium Ingelheimense, Nr. 25, 791-793; zur Kritik vgl.
WERMiNGHOFF, Text 1900,373-375.
420 Laon, Bibliotheque Municipale, Cod. 407, fol. 160 -161J zu der Handschrift vgl. unten, S. 346-
350.
 
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