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Patzold, Steffen; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

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https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0354

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C. Die Kontingenz der Ereignisse und die Vermittlung des Wissens über Bischöfe 353

gen Bußort die Aufsicht übernommen habe'"'. Immerhin hatte dieser Bischof den
Kaiser Theodosius exkommuniziert - geradeso wie Ebo selbst Ludwig den From-
men aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen hattet Für die Frage nach
der Erinnerung an Ebo in der Erzdiözese Reims in der zweiten Hälfte der 870er
Jahre wäre die Passage dann - gerade weil sie mit einer derartigen knappen Anspie-
lung auskommt - von um so größerer Bedeutung: Offenbar war noch hinreichend
bekannt, weshalb Ebo im Jenseits Qualen zu erleiden hatte; Hinkmar mußte das gar
nicht eigens erklären. Daß für die Zeitgenossen ein Zusammenhang zwischen der
»Visio Bernoldi« und der cause celebre des Erzbischofs Ebo bestand, erweist im üb-
rigen ein Zeugnis, das wir der Arbeit Jacques Sirmonds verdanken: Er fand in ei-
nem heute verlorenen Codex nicht nur die spätere, überarbeitete Fassung des soge-
nannten »Apologeticum Ebonis«, sondern auch die »Visio Bernoldi«^. Beide Texte
gehörten aus mittelalterlicher Sicht zusammen.

8. Flodoards Darstellung des Falles in der »Historia Remensis ecclesiae«
Über Flodoards Herkunft und Jugend ist nur wenig bekannt. Seine Geburt dürfte
in die Jahre 893/94 fallen^; wahrscheinlich entstammte er nicht dem Hochadel,
sondern einer jener Familien, die als mddus dem Reimser Erzbischof dienten^. Seine
früheste Ausbildung genoß er bei einem gewissen Gundacer, einem sonst nicht nä-
her identifizierbaren Geistlichen in Reims'"'. Erst um 919 dürfte Flodoard selbst als
Kanoniker in den näheren Umkreis des Erzbischofs Heriveus von Reims gelangt
seirfü fortan jedenfalls war er so gut über das politische Geschehen informiert, daß
er beginnen konnte, Annalen abzufassen'A In den Jahren 936/37 mit einer Reise
nach Ronüü 951 mit einer Gesandtschaft zu Otto I. betraut^", könnte Flodoard
Propst gewesen seirG/ Seine Werke verraten zudem seine gründliche Kenntnis des
Archivs und der Bibliothek des Domstifts^". Flodoard starb am 28. März 966^.

671 Laut Hinkmar von Reims, Visio Bernoldi, c. 2,142 [A], sagt Ebo: >Us^ue modo m'mis durum cusfo-
dem et custodtam grauem, samt Had'sti, dadutmus; modo dademus domuum Amdrostum custodem et
teuem cHstodmm.< - CAROzzi, Voyage 1994, geht auf diesen Umstand ebensowenig ein wie Soi,
L'experience 1990, und VAN DER LuGT, Tradition 1994.
672 Daß das Vorbild des Theodosius prinzipiell bekannt war, zeigt die Darstellung des Astrono-
mus zur Buße Ludwigs des Frommen in Attigny: Vgl. oben, Kapitel IV S. 237 mit Anm. 361.
673 Paris, Bibliotheque Nationale, nouv. acq. lat. 469, bietet fol. 117-121 die Forma posterior des
»Apologeticum Ebonis«, und zwar laut ebd., fol. 121": Ex codice Efen'uald's, & cum codice codatum;
und direkt im Anschluß, fol. 123-125", die »Visio Bernoldi« (auch sie, ebd., fol. 125v: Ex codice
Efen'uald's, et cum codice codatum).
674 JACOBSEN, Flodoard 1978,2; Soi, Historien 1993,44.
675 So Soi, Historien 1993,45; JACOBSEN, Flodoard 1978, 3, rechnet die Familie »zur Vasallenschaft
des Erzbischofs«.
676 Soi, Historien 1993,45f.; JACOBSEN, Flodoard 1978,5.
677 Soi, Historien 1993,46.
678 Flodoard, Annales, ed. LAUER 1905.
679 Dazu Soi, Historien 1993,48.
680 Ebd., 49.
681 Ebd., 52.
682 Ebd., 53; JACOBSEN, Flodoard 1978,5; auch SiRATMANN, Königs- und Privaturkunden 1996,1.
683 Die Belege finden sich bei Soi, Historien 1993,44.
 
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