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VI. Der Episkopat im Spiegel der Historiographie
nun näher zu untersuchen sein. Darüber hinaus eröffnen die Texte, gerade weil sie
von einzelnen Bischöfen beeinflußt wurden, aber noch einen weiteren methodi-
schen Zugriff auf das bischöfliche Handeln: Sie sind selbst gewissermaßen Überre-
ste bischöflicher Politik. Insofern ist jeweils auch danach zu fragen, aus welchen
Anlässen heraus und mit welchen Absichten die Geistlichen die historiographi-
schen Texte anfertigen ließen bzw. selbst verfaßten.
2. Bischöfe im Spiegel der Annalistik
a. Dzä »AwwaZes Xawfewses«
Während Fulco von Reims, Prudentius von Troyes, Thegan, der Astronomus und
Nithard die Bedeutung des Episkopats gerade in der Reichskrise der 830er bzw. frü-
hen 840er Jahre herausgestellt hatten^, erwähnte Gerward in allen seinen Jahresbe-
richten von 830 bis 847 Bischöfe mit keinem Wort. Auch sonst hielt er sich in dieser
Hinsicht zurück: Als Gruppe erscheinen Bischöfe ausschließlich als Teilnehmer der
Synoden von Frankfurt 794, Aachen 809, Ingelheim 826 und der Reformsynoden
von 829A Bemerkenswert ist immerhin, daß Gerward die Wormser Versammlung
von 829 nicht - wie die heutige Forschung - als Reichsversammlung beschrieb, son-
dern als C07WC7ÜMS maywMS cptscoporMtwA
Beim Namen nannte Gerward für die Jahrzehnte von 790 bis 860 insgesamt
nicht mehr als zehn Bischöfe; sie finden zudem jeweils nur mit wenigen Worten Er-
wähnung. All das geht kaum über jene Darstellungsweise hinaus, die sich für die
Annalistik der Zeit Karls des Großen beobachten ließA Immerhin fällt auf, daß Ger-
ward den Wechsel auf der Mainzer sc&s in den Jahren 825 (von Haistulf zu Otgarü
42 Vgl. oben, Kapitel IV, S. 229-241.
43 Vgl. Annales Xantenses, a. 794, 1 (Frankfurt); a. 809, 4 (Aachen); a. 826, 6 (Ingelheim); a. 829, 7
(laut Gerward iw fnhas Zocis, tatsächlich aber an vier: Mainz, Paris, Lyon, Toulouse); a. 848
(Mainz).
44 Ebd., a. 829, 7: et mewse Aayasto in Va77yioaeas7'a7a cira'tate erat coaacatas 7aayaas episcopora7a.
Ähnlich sah es übrigens Ende der 850er Jahre auch Hinkmar von Reims in seiner »Collectio de
ecclesiis et capellis«: Vgl. oben, Kapitel V, S. 259f., mit Anm. 36.
45 Er informierte seine Leser über den Tod des Bischofs Erembert von Worms (Annales Xanten-
ses, a. 793, 1: EnaHrtas episcopas Wnyione ota'it); über zwei bischöfliche Gesandtschaften nach
Byzanz (a. 811,4: ln ipso aaao 7aittaatar at? 77aperato7T aostro ad myc7a Gmcora7a ZcyatZ ad CoastaatZ-
Mopoiim, Zd cst Haida epZscopas et aZZZ dao. Die Rückkehr der Gesandten nach Aachen wird a. 812,
4, berichtet, allerdings ohne Haito von Basel noch einmal namentlich zu nennen. Ebd., a. 828,
heißt es: LcyatZ Z7apcratorZs, Raodyer epZscopas cam sociis sais, Coastaatiaopoiia pcrmxcraat. Offen-
sichtlich ein Versehen: Als Gesandter nach Byzanz war 828 vielmehr Halitgar von Cambrai
unterwegs, wie die Annales regni Francorum, a. 828, 174, bezeugen); über Drogos Erhebung
zum Erzbischof und über die Missionsarbeit Ebos von Reims und Willerichs von Bremen bei
den Dänen (a. 823, 6: Ladewicas aaperator dedit DraoayoaZJratrZ sao reyaaen et catZ7cdra7a episcopa-
Zc7a MctcasZac ciaitatis. E&o episcopas pcryit parti&as Daaora7a aaa ca7a WZZdcrZcZ70 episcopo; von
Willerichs Beteiligung an Ebos Dänenmission weiß übrigens nur dieser Text); und schließlich
über die Absetzung Theodulfs von Orleans infolge des Bernhard-Aufstands von 817 (a. 818, 6:
H7codaZJas epZscopas deyradatas cst AamZZaaac cZra'tatZs).
46 Annales Xantenses, a. 825, 6: HaZstaZJas arcMepZscopas MayoatZac cZaZtatZs Halt, et sacccssZt Za Zo-
ca7a eZas Otycras capeZZaaas do7aZaZcas.
VI. Der Episkopat im Spiegel der Historiographie
nun näher zu untersuchen sein. Darüber hinaus eröffnen die Texte, gerade weil sie
von einzelnen Bischöfen beeinflußt wurden, aber noch einen weiteren methodi-
schen Zugriff auf das bischöfliche Handeln: Sie sind selbst gewissermaßen Überre-
ste bischöflicher Politik. Insofern ist jeweils auch danach zu fragen, aus welchen
Anlässen heraus und mit welchen Absichten die Geistlichen die historiographi-
schen Texte anfertigen ließen bzw. selbst verfaßten.
2. Bischöfe im Spiegel der Annalistik
a. Dzä »AwwaZes Xawfewses«
Während Fulco von Reims, Prudentius von Troyes, Thegan, der Astronomus und
Nithard die Bedeutung des Episkopats gerade in der Reichskrise der 830er bzw. frü-
hen 840er Jahre herausgestellt hatten^, erwähnte Gerward in allen seinen Jahresbe-
richten von 830 bis 847 Bischöfe mit keinem Wort. Auch sonst hielt er sich in dieser
Hinsicht zurück: Als Gruppe erscheinen Bischöfe ausschließlich als Teilnehmer der
Synoden von Frankfurt 794, Aachen 809, Ingelheim 826 und der Reformsynoden
von 829A Bemerkenswert ist immerhin, daß Gerward die Wormser Versammlung
von 829 nicht - wie die heutige Forschung - als Reichsversammlung beschrieb, son-
dern als C07WC7ÜMS maywMS cptscoporMtwA
Beim Namen nannte Gerward für die Jahrzehnte von 790 bis 860 insgesamt
nicht mehr als zehn Bischöfe; sie finden zudem jeweils nur mit wenigen Worten Er-
wähnung. All das geht kaum über jene Darstellungsweise hinaus, die sich für die
Annalistik der Zeit Karls des Großen beobachten ließA Immerhin fällt auf, daß Ger-
ward den Wechsel auf der Mainzer sc&s in den Jahren 825 (von Haistulf zu Otgarü
42 Vgl. oben, Kapitel IV, S. 229-241.
43 Vgl. Annales Xantenses, a. 794, 1 (Frankfurt); a. 809, 4 (Aachen); a. 826, 6 (Ingelheim); a. 829, 7
(laut Gerward iw fnhas Zocis, tatsächlich aber an vier: Mainz, Paris, Lyon, Toulouse); a. 848
(Mainz).
44 Ebd., a. 829, 7: et mewse Aayasto in Va77yioaeas7'a7a cira'tate erat coaacatas 7aayaas episcopora7a.
Ähnlich sah es übrigens Ende der 850er Jahre auch Hinkmar von Reims in seiner »Collectio de
ecclesiis et capellis«: Vgl. oben, Kapitel V, S. 259f., mit Anm. 36.
45 Er informierte seine Leser über den Tod des Bischofs Erembert von Worms (Annales Xanten-
ses, a. 793, 1: EnaHrtas episcopas Wnyione ota'it); über zwei bischöfliche Gesandtschaften nach
Byzanz (a. 811,4: ln ipso aaao 7aittaatar at? 77aperato7T aostro ad myc7a Gmcora7a ZcyatZ ad CoastaatZ-
Mopoiim, Zd cst Haida epZscopas et aZZZ dao. Die Rückkehr der Gesandten nach Aachen wird a. 812,
4, berichtet, allerdings ohne Haito von Basel noch einmal namentlich zu nennen. Ebd., a. 828,
heißt es: LcyatZ Z7apcratorZs, Raodyer epZscopas cam sociis sais, Coastaatiaopoiia pcrmxcraat. Offen-
sichtlich ein Versehen: Als Gesandter nach Byzanz war 828 vielmehr Halitgar von Cambrai
unterwegs, wie die Annales regni Francorum, a. 828, 174, bezeugen); über Drogos Erhebung
zum Erzbischof und über die Missionsarbeit Ebos von Reims und Willerichs von Bremen bei
den Dänen (a. 823, 6: Ladewicas aaperator dedit DraoayoaZJratrZ sao reyaaen et catZ7cdra7a episcopa-
Zc7a MctcasZac ciaitatis. E&o episcopas pcryit parti&as Daaora7a aaa ca7a WZZdcrZcZ70 episcopo; von
Willerichs Beteiligung an Ebos Dänenmission weiß übrigens nur dieser Text); und schließlich
über die Absetzung Theodulfs von Orleans infolge des Bernhard-Aufstands von 817 (a. 818, 6:
H7codaZJas epZscopas deyradatas cst AamZZaaac cZra'tatZs).
46 Annales Xantenses, a. 825, 6: HaZstaZJas arcMepZscopas MayoatZac cZaZtatZs Halt, et sacccssZt Za Zo-
ca7a eZas Otycras capeZZaaas do7aZaZcas.



