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Patzold, Steffen; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0429

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VI. Der Episkopat im Spiegel der Historiographie

die adlige Abkunft dieser Geistlichen so selbstverständlich, daß Berthar das gar
nicht erst erwähnenswert fand. Offensichtlich aber gehörte die adlige Geburt - an-
ders als die politische Nähe zum König - zumindest nicht zu den wichtigsten Krite-
rien, an denen der Verduner Kanoniker die Qualität eines Bischofs bemessen wis-
sen wollte.

4. Fazit
Während die Annalen von etwa 840 an deutlich detailreicher über das Wirken von
Bischöfen berichten und diese Geistlichen als geschichtsmächtige Größen präsen-
tieren, bieten die »Gesta episcoporum« seit ca. 860 ein differenziertes Bild bischöfli-
chen Handelns auf Diözesanebene, konzentrieren sich dabei aber zwangsläufig fast
ganz auf die Bischöfe jeweils einer einzelnen sc&s. Indem sich alle drei Werke -
wenn auch verschieden eng - am Vorbild des »Liber pontificalis« orientieren, indem
sie alle den Blick zurück bis auf die Anfänge der apostolischen Sukzession richten
und indem sie die früheren, heiligen Bischöfe in ihrem Amt vorführen, vollziehen
sie von ihrer Grundstruktur her einen Kerngedanken des >Pariser Modells< nach:
den Gedanken, daß die Würde des Bischofs nicht in seinen persönlichen Qualitä-
ten, sondern in seinem Amt, in seiner Nachfolge der Apostel und der alten, heiligen
Bischöfe ruhe. Indem sie in kurzen biographischen Notizen >gute<, aber auch
>schlechte< Bischöfe der eigenen sc&s behandeln, lassen die drei Texte darüber hin-
aus erkennen, an welchen Kriterien die Verfasser den Episkopat ihrer Zeit maßen.
Vorbildlich waren aus dieser Sicht diejenigen Bischöfe, die den Aufgaben nachka-
men, die an den bischöflichen Dienst (mmisfcrzMm) für Gott gekoppelt waren; nach-
zueifern galt es jenen Bischöfen, die die ihnen »anvertraute« Kirche bewahrten, ver-
größerten, bereicherten, die für das irdische Wohl der Gemeinden (und besonders
der Kanoniker) Sorge trugen, bei alledem jedoch nicht ihre geistlichen Aufgaben
vernachlässigten, sondern mit Wort und vorbildlichem Handeln das ihnen anver-
traute Volk zum Seelenheil führten. Damit finden sich wichtige Elemente des Pari-
ser Modells< in dieser historiographischen Gattung wieder. Hierzu fügt es sich, daß
die drei Texte aus dem (nördlichen) Westfrankenreich und aus Lotharingien, aus
Bistümern der Provinzen Tours, Sens und Trier stammen.
Daß sich demnach für die Gattung der »Gesta episcoporum« eine stärkere
Nähe zu den aus normativen Quellen gewonnenen Befunden konstatieren läßt als
für die Annalistik, erklärt sich leicht: Anders als die erzählenden Annalen nehmen
die drei hier analysierten Texte - trotz ihrer biographischen Grundstruktur - nicht
so sehr einzelne, politisch einflußreiche Bischofspersönlichkeiten in den Blick, son-
dern das Bischofsamt. Ihr Ziel war es nicht zuletzt, ein Bischofsideal vorzuführen
und die Bischöfe der eigenen sc&s an diesem Ideal zu messen. Wenn sich in den
»Gesta« andeutet, daß das anhand der normativen Quellen herausgearbeitete Bi-
schofsmodell auch unter den Kanonikern in drei Domkapiteln des Westfranken-
reichs und Lotharingiens Verbreitung gefunden hatte, so gilt es gleichwohl zu dif-
ferenzieren: Ihrer Darstellungsabsicht entsprechend, reproduzieren die »Gesta
episcoporum« vornehmlich diejenigen Bestandteile des Modells, die das Verhältnis
eines Bischofs zu Gott und zum Klerus und Volk seiner Diözese betrafen.
 
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