A. Überblick über die Texte
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stergemeinschaft in Sithiu berichtet worden warV Auf diese Weise >reduzierte< er
Audomar ganz auf seine Tätigkeit als Bischof von Therouanne.
2. Vergangenheitsorientierung
Die starke Vergangenheitsorientierung der karolingerzeitlichen Bischofsviten er-
weist sich nicht nur darin, daß diese Texte ganz überwiegend Heilige längst ver-
gangener Zeiten in den Blick nehmen. Die Mehrzahl der Hagiographen war außer-
dem sichtlich bemüht, das von ihnen geschilderte Bischofsleben zeitlich zu
verorten - ein Bestreben, das in einer Gattung, die auf ewige, zeitlose Werte abstellt,
keineswegs selbstverständlich ist. Bisweilen beschränkte sich die zeitliche Veror-
tung auf einen knappen Verweis auf die Regierungszeiten von Kaisern oder Köni-
gen: Um 860 datierte die »Vita Iuliani« aus Le Mans den Episkopat des heiligen Ju-
lian in die Zeit der Kaiser Domitian (t 96), Nerva (t 98) und Trajan (t 117)U Hildegar
von Meaux situierte die Geburt des heiligen Faro in die Zeit des Königs Theude-
rich IIA, seinen Tod in die Zeit Childerichs IIA. Dessen Zeitgenosse wiederum sei
auch der Reimser Bischof Nivardus gewesen, behauptete der Mönch Altmann in
seiner »Vita Nivardi«U Die um 890 niedergeschriebene »Vita Rigoberti« beginnt mit
einer kurzen Zeitangabe, die den Episkopat des Heiligen in die »Tage der Franken-
könige Childebert, Dagobert und Chilperich« datiert^. Die zweite Vita des Bischofs
Kunibert von Köln, die noch aus dem späteren 9. Jahrhundert stammen könnte^,
verortet den Heiligen im ersten Kapitel in die Zeit des Königs Dagobert IA.
45 Vita Audomari secunda (= BHL 767); dazu VAN DER STRAETEN, Vies 1963, 61; WATTENBAcn/
LEVisoN/LöwE, Geschichtsquellen 1973,550.
46 Vita Iuliani, 25: Aut e???'??? Jam d?'cf?;s sanctMS JuhÜMMS tempore Do????'cM???' ei Nerooe oc Troja?!?'.
47 Hildegar von Meaux, Vita Faronis, c. 11,585.
48 Ebd.,c. 109,593.
49 Altmann von Hautvillers, Vita Nivardi, c. 1,160.
50 Vita Rigoberti, c. 1, 61: A;?'f ?'?? d?'e&MS C7n7&&ert?', Dagobert?', CMpen'c? regM?n Tra??i?'ae o?'r De? R?'-
go&ertMs Mr&?'s Re???e??s?M??? ????'r?/?'cae sa??ct?'tat?'s ard??'ep?'scop?;s.
51 Die Hagiographie zu Kunibert liegt noch nicht in einer brauchbaren Edition vor. Vorarbeiten
dazu hat CoENS, Vies 1929, geleistet, der in der Überlieferung zwei Fassungen unterschied und
im Anhang (363-367) eine Rezension der ersten Fassung abdruckte, die er in das 15. Jahrhun-
dert datierte. Die zweite Fassung (BHL 2017), die von SuRius 1618, 274f., gedruckt wurde, be-
trachtete CoENS, Vies 1929, 347 als »un remaniement litteraire proprement dit«, bei dem aller-
dings wohl der Inhalt der verlorenen frühesten Vita weithin getreu wiedergegeben worden
sei. Mit aller Vorsicht datierte Coens diese zweite Fassung in das spätere 9. Jahrhundert (362);
dieser Text wird daher im folgenden zugrunde gelegt. - MÜLLER, Bischof 1987 167 spricht un-
präzise von »der« Kunibertvita, datiert sie (167) ins 9. Jahrhundert und zitiert sie (168 mit Anm.
7a) nach der - von Coens als eher unwichtig betrachteten - Rezension des 15. Jahrhunderts, die
Coens lediglich abgedruckt hatte, um seine geplante, aber nicht zustandegekommene AA SS-
Edition zu entlasten.
52 Vita Cuniberti, ed. SuRius 1618, c. 1,274; MÜLLER, Bischof 1987 173, hat zu Recht darauf hinge-
wiesen, daß Kunibert entgegen den Angaben der Vita allerdings nicht am Hof Dagoberts auf-
gewachsen sein kann: Chronologisch kommt der Hof Theudeberts II. in Metz in Frage. CoENS,
Vies 1929, 361, hat vermutet, daß Dagoberts Name erst mit der spätkarolingischen Vita in die
Kunibert-Hagiographie eingeführt worden sei, doch läßt sich diese These nicht handfest bele-
gen.
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stergemeinschaft in Sithiu berichtet worden warV Auf diese Weise >reduzierte< er
Audomar ganz auf seine Tätigkeit als Bischof von Therouanne.
2. Vergangenheitsorientierung
Die starke Vergangenheitsorientierung der karolingerzeitlichen Bischofsviten er-
weist sich nicht nur darin, daß diese Texte ganz überwiegend Heilige längst ver-
gangener Zeiten in den Blick nehmen. Die Mehrzahl der Hagiographen war außer-
dem sichtlich bemüht, das von ihnen geschilderte Bischofsleben zeitlich zu
verorten - ein Bestreben, das in einer Gattung, die auf ewige, zeitlose Werte abstellt,
keineswegs selbstverständlich ist. Bisweilen beschränkte sich die zeitliche Veror-
tung auf einen knappen Verweis auf die Regierungszeiten von Kaisern oder Köni-
gen: Um 860 datierte die »Vita Iuliani« aus Le Mans den Episkopat des heiligen Ju-
lian in die Zeit der Kaiser Domitian (t 96), Nerva (t 98) und Trajan (t 117)U Hildegar
von Meaux situierte die Geburt des heiligen Faro in die Zeit des Königs Theude-
rich IIA, seinen Tod in die Zeit Childerichs IIA. Dessen Zeitgenosse wiederum sei
auch der Reimser Bischof Nivardus gewesen, behauptete der Mönch Altmann in
seiner »Vita Nivardi«U Die um 890 niedergeschriebene »Vita Rigoberti« beginnt mit
einer kurzen Zeitangabe, die den Episkopat des Heiligen in die »Tage der Franken-
könige Childebert, Dagobert und Chilperich« datiert^. Die zweite Vita des Bischofs
Kunibert von Köln, die noch aus dem späteren 9. Jahrhundert stammen könnte^,
verortet den Heiligen im ersten Kapitel in die Zeit des Königs Dagobert IA.
45 Vita Audomari secunda (= BHL 767); dazu VAN DER STRAETEN, Vies 1963, 61; WATTENBAcn/
LEVisoN/LöwE, Geschichtsquellen 1973,550.
46 Vita Iuliani, 25: Aut e???'??? Jam d?'cf?;s sanctMS JuhÜMMS tempore Do????'cM???' ei Nerooe oc Troja?!?'.
47 Hildegar von Meaux, Vita Faronis, c. 11,585.
48 Ebd.,c. 109,593.
49 Altmann von Hautvillers, Vita Nivardi, c. 1,160.
50 Vita Rigoberti, c. 1, 61: A;?'f ?'?? d?'e&MS C7n7&&ert?', Dagobert?', CMpen'c? regM?n Tra??i?'ae o?'r De? R?'-
go&ertMs Mr&?'s Re???e??s?M??? ????'r?/?'cae sa??ct?'tat?'s ard??'ep?'scop?;s.
51 Die Hagiographie zu Kunibert liegt noch nicht in einer brauchbaren Edition vor. Vorarbeiten
dazu hat CoENS, Vies 1929, geleistet, der in der Überlieferung zwei Fassungen unterschied und
im Anhang (363-367) eine Rezension der ersten Fassung abdruckte, die er in das 15. Jahrhun-
dert datierte. Die zweite Fassung (BHL 2017), die von SuRius 1618, 274f., gedruckt wurde, be-
trachtete CoENS, Vies 1929, 347 als »un remaniement litteraire proprement dit«, bei dem aller-
dings wohl der Inhalt der verlorenen frühesten Vita weithin getreu wiedergegeben worden
sei. Mit aller Vorsicht datierte Coens diese zweite Fassung in das spätere 9. Jahrhundert (362);
dieser Text wird daher im folgenden zugrunde gelegt. - MÜLLER, Bischof 1987 167 spricht un-
präzise von »der« Kunibertvita, datiert sie (167) ins 9. Jahrhundert und zitiert sie (168 mit Anm.
7a) nach der - von Coens als eher unwichtig betrachteten - Rezension des 15. Jahrhunderts, die
Coens lediglich abgedruckt hatte, um seine geplante, aber nicht zustandegekommene AA SS-
Edition zu entlasten.
52 Vita Cuniberti, ed. SuRius 1618, c. 1,274; MÜLLER, Bischof 1987 173, hat zu Recht darauf hinge-
wiesen, daß Kunibert entgegen den Angaben der Vita allerdings nicht am Hof Dagoberts auf-
gewachsen sein kann: Chronologisch kommt der Hof Theudeberts II. in Metz in Frage. CoENS,
Vies 1929, 361, hat vermutet, daß Dagoberts Name erst mit der spätkarolingischen Vita in die
Kunibert-Hagiographie eingeführt worden sei, doch läßt sich diese These nicht handfest bele-
gen.



