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Patzold, Steffen; Schneidmüller, Bernd [Bibliogr. antecedent]; Weinfurter, Stefan [Bibliogr. antecedent]
Episcopus: Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts — Mittelalter-Forschungen, Band 25: Ostfildern, 2008

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https://doi.org/10.11588/diglit.34736#0499

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498

VII. Der Episkopat im Spiegel der Bischofsviten der späteren Karolingerzeit

5. Die Insignien der Bischofswürde: Stab, Stola, Ring
Mehrere Bischofsviten des Untersuchungszeitraums berichten davon, wie die Heili-
gen mit Hilfe der Insignien ihrer Bischofswürde Wunder vollbrachten. Am häufig-
sten wird in diesem Zusammenhang der Bischofsstab erwähnt, aber auch die Stola
und der Ring spielen in Einzelfällen eine Rolle. Der heilige Julian etwa soll bei sei-
nem ersten Besuch in Le Mans eine Quelle aus trockenem Boden hervorgebracht
haben, indem er seinen äacMÜts in die Erde stieß'A Laut demselben Hagiographen
wurde eine begüterte Frau namens Aeva durch einen Dämon gequält, nachdem sie
sich geweigert hatte, dem heiligen Julian eine Schenkung zu machen - obwohl der
Bischof sie ausdrücklich darum gebeten hatte. Durch die Qualen des Strafwunders
bekehrt, schickt sie ihren Diener zu dem Heiligen; der will nicht zu dem Haus der
Dame zurückkehren, sendet aber doch einen von seinen Schülern mit seinem Stab
zu Aeva: Kaum hat er das Haus betreten, da flieht der Dämon, der Aeva befallen
hatte. Der Vitenautor aber hob eigens hervor, wie groß die Verdienste des Heiligen
bei Gott gewesen seien - da er nicht nur mit eigenen Händen, sondern auch durch
seinen Stab, den er oft getragen habe, solche Heilung zu bringen vermochte".
Ganz ähnlich soll auch der heilige Ragnobert von Bayeux einen Lahmen da-
durch geheilt haben, daß er ihm seinen Stab als Stütze überbringen ließ'A Über den
heiligen Eleutherius wiederum wußte dessen Hagiograph zu berichten, daß er in
Tournai die Erde habe erbeben lassen, indem er seinen Bischofsstab auf den Boden
stieß; auf diese Weise bekehrte er den fnÜMWMS des Ortes schließlich zum Christen-
tum"^. Im Jahre 843 hatte der Adlige Richuin von Karl dem Kahlen ein Landgut der
Reimser Kirche als äcwc/iczMwi erhalten; als nun Richuins Gemahlin Betta dort über-
nachtete, erschien ihr - laut Hinkmar von Reims - der heilige Remigius mehrfach
im Traum: Zunächst ermahnte der Heilige sie zweimal gütlich, den Ort, der ihr
nicht gehöre, zu verlassen; als Betta der Aufforderung nicht nachgekommen sei,
habe Remigius sie mit seinem Stab geschlagen - so daß sie nach schweren Qualen
wenige Tage später verstarb^". Laut der »Vita Willehadi« schließlich verehrte man
in Bremen noch in den 840er Jahren jenen äacnZns Commis sawch, den Willehad nach
»Bischofsart« stets zu führen pflegte: Als Reliquie hatte der Stab unter anderem da-
durch seine heilige Kraft bewiesen, daß er ein Feuer unbeschadet überstand' '.
Erst vor diesem Hintergrund wird eine Geschichte recht verständlich, die der
Verfasser der »Vita Medardi secunda« über Warinbert, Abt von St-Medard und Bi-
schof von Soissons, zu erzählen wußte. Der Prälat stritt mit dem Konvent von
St-Medard darüber, wem die Einkünfte eines Landguts bei Le Mans zustehen soll-
ten, das der König Sigibert einst dem Kloster geschenkt hatte. Als die Mönche ein-
mal Warinberts Abwesenheit nutzten, um eine entsprechende Lieferung von dort
ins Kloster transportieren zu lassen, da sei der Bischof wütend in die Abtei geeilt
und habe unehrerbietig gegen die Doppeltüren der Kirche geschlagen. Endlich

226 Vita Iuliani, 13.
227 Ebd., 19.
228 Vita Ragnoberti, 1141.
229 Vita Eleutherii, c. II, 6,188.
230 Hinkmar von Reims, Vita Remigii, c. 28, 324, Z. 7-21.
231 Vita Willehadi, c. 11,384.
 
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