C. Der heilige Bischof und seine Familie im Spiegel der Viten
499
habe ihm ein Geistlicher geöffnet; der Bischof aber habe dessen Kopf so fest mit sei-
nem Bischofsstab geschlagen, daß er sich selbst ganz mit Blut vollspritzte. Medards
Strafe folgte auf dem Fuß: Als Warinbert es wagte, mit blutbeschmierten Händen
am Grab des Heiligen zu beten, seien plötzlich seine Eingeweide aus seinem Unter-
leib hervorgetreten, und er verstarb"^". Die Zeitgenossen des 9. Jahrhunderts dürften
begriffen haben, wie schwer Warinberts Schuld wog: Ausgerechnet mit seinem
Hirtenstab hatte er zugeschlagen - mit jenem äacMÜts, den vorbildliche Bischöfe
dazu verwendeten, den Menschen Heilung zu bringen, Heiden zum Christentum
zu bekehren oder das Gut der ihnen anvertrauten Kirche zu schützen!
In einigen Viten werden darüber hinaus auch andere Insignien der bischöfli-
chen Würde in ihrer Kraft hervorgehoben. Laut der »Vita Pavatii« soll der dritte Bi-
schof von Le Mans einen menschenfressenden Drachen dadurch bezähmt haben,
daß er ihm seine eigene Stola um den Hals warf und ihn damit fesselte^. Die be-
sondere Größe des Drachens wollte der Hagiograph nicht eigens beschreiben, da
die Geschichte auch in der dowtMS cpz'scopaüs als Wandgemälde wiedergegeben sei" A
Von einem Wunder, in dem der Bischofsring eine zentrale Rolle spielte, wußte
schließlich die Vita des heiligen Arnulf von Metz zu berichten"^; sie konnte sich
hierfür aber bereits auf den »Liber de episcopis Mettensibus« des Paulus Diaconus
stützen"^.
C. Der heilige Bischof und seine Familie im Spiegel der Viten
Der kirchenrechtlichen Tradition gemäß war in den Akten der Pariser Synode von
829 und des Aachener Konzils von 836 selbstverständlich nicht eine adlige Herkunft
als Voraussetzung für die Erhebung zum Bischof gefordert worden" '. Die Viten der
Karolingerzeit stellten dagegen - ebenso wie die Bischofsviten der Merowinger-
der Ottonen- und der Salierzeit - die adlige Herkunft typischerweise als Eigen-
schaft der heiligen Bischöfe heraus: Nur ein einziger der insgesamt 34 Bischöfe, de-
ren Viten diesem Kapitel zugrunde liegen"^, wurde explizit als nicht-adlig bezeich-
net"^; für 23 Bischöfe wird die adlige Abkunft ausdrücklich in den Viten erwähnt.
232 Vita Medardi secunda, c. II, 20-21,86.
233 Vita Pavatii, c. 6, 541: ?n7n7 tunous souctMS PooociMS, occopit stoLm suam, tp/mn super Numeros n'tu
socordotoü/erehd, cum tpm et Domino 7?!i?!istn7&ot oi^ue socri/ico&oi, eom^ue inpciens in coitum droco-
nis, oiiigooit eum, ei adjuroiMm tp/osi moriMum, jocere in proedicto oio/ecit.
234 Ebd.: mogniiMdinem oero ejus, tue non descripsimus, sed ioniMm mensuroe oesiimotionem memorooi-
7MMS, picto erat in do?no episcopoii, in nosiro ur&e coMstructo.
235 Vita Arnulfi secunda, c. 7,441.
236 Paulus Diaconus, Liber de episcopis Mettensibus, 264, Z. 10-36.
237 Vgl. oben, Kapitel IV, S. 2321.
238 Die Zahl der Bischöfe liegt unter derjenigen der Texte, weil einige Bischöfe im Untersuchungs-
zeitraum mehrere Viten erhielten: Zwei einschlägige Texte sind für Austremonius von Cler-
mont erhalten (BHL 844 und 845), ebenfalls zwei für Servatius von Maastricht (BHL 7613 und
7614), drei Viten für den heiligen Liudger von Münster (BHL 493^ 4939 und 4942).
239 Liudolf von Mainz, Vita Severi, c. 4, 290.
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habe ihm ein Geistlicher geöffnet; der Bischof aber habe dessen Kopf so fest mit sei-
nem Bischofsstab geschlagen, daß er sich selbst ganz mit Blut vollspritzte. Medards
Strafe folgte auf dem Fuß: Als Warinbert es wagte, mit blutbeschmierten Händen
am Grab des Heiligen zu beten, seien plötzlich seine Eingeweide aus seinem Unter-
leib hervorgetreten, und er verstarb"^". Die Zeitgenossen des 9. Jahrhunderts dürften
begriffen haben, wie schwer Warinberts Schuld wog: Ausgerechnet mit seinem
Hirtenstab hatte er zugeschlagen - mit jenem äacMÜts, den vorbildliche Bischöfe
dazu verwendeten, den Menschen Heilung zu bringen, Heiden zum Christentum
zu bekehren oder das Gut der ihnen anvertrauten Kirche zu schützen!
In einigen Viten werden darüber hinaus auch andere Insignien der bischöfli-
chen Würde in ihrer Kraft hervorgehoben. Laut der »Vita Pavatii« soll der dritte Bi-
schof von Le Mans einen menschenfressenden Drachen dadurch bezähmt haben,
daß er ihm seine eigene Stola um den Hals warf und ihn damit fesselte^. Die be-
sondere Größe des Drachens wollte der Hagiograph nicht eigens beschreiben, da
die Geschichte auch in der dowtMS cpz'scopaüs als Wandgemälde wiedergegeben sei" A
Von einem Wunder, in dem der Bischofsring eine zentrale Rolle spielte, wußte
schließlich die Vita des heiligen Arnulf von Metz zu berichten"^; sie konnte sich
hierfür aber bereits auf den »Liber de episcopis Mettensibus« des Paulus Diaconus
stützen"^.
C. Der heilige Bischof und seine Familie im Spiegel der Viten
Der kirchenrechtlichen Tradition gemäß war in den Akten der Pariser Synode von
829 und des Aachener Konzils von 836 selbstverständlich nicht eine adlige Herkunft
als Voraussetzung für die Erhebung zum Bischof gefordert worden" '. Die Viten der
Karolingerzeit stellten dagegen - ebenso wie die Bischofsviten der Merowinger-
der Ottonen- und der Salierzeit - die adlige Herkunft typischerweise als Eigen-
schaft der heiligen Bischöfe heraus: Nur ein einziger der insgesamt 34 Bischöfe, de-
ren Viten diesem Kapitel zugrunde liegen"^, wurde explizit als nicht-adlig bezeich-
net"^; für 23 Bischöfe wird die adlige Abkunft ausdrücklich in den Viten erwähnt.
232 Vita Medardi secunda, c. II, 20-21,86.
233 Vita Pavatii, c. 6, 541: ?n7n7 tunous souctMS PooociMS, occopit stoLm suam, tp/mn super Numeros n'tu
socordotoü/erehd, cum tpm et Domino 7?!i?!istn7&ot oi^ue socri/ico&oi, eom^ue inpciens in coitum droco-
nis, oiiigooit eum, ei adjuroiMm tp/osi moriMum, jocere in proedicto oio/ecit.
234 Ebd.: mogniiMdinem oero ejus, tue non descripsimus, sed ioniMm mensuroe oesiimotionem memorooi-
7MMS, picto erat in do?no episcopoii, in nosiro ur&e coMstructo.
235 Vita Arnulfi secunda, c. 7,441.
236 Paulus Diaconus, Liber de episcopis Mettensibus, 264, Z. 10-36.
237 Vgl. oben, Kapitel IV, S. 2321.
238 Die Zahl der Bischöfe liegt unter derjenigen der Texte, weil einige Bischöfe im Untersuchungs-
zeitraum mehrere Viten erhielten: Zwei einschlägige Texte sind für Austremonius von Cler-
mont erhalten (BHL 844 und 845), ebenfalls zwei für Servatius von Maastricht (BHL 7613 und
7614), drei Viten für den heiligen Liudger von Münster (BHL 493^ 4939 und 4942).
239 Liudolf von Mainz, Vita Severi, c. 4, 290.



