D.Fazit
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ger und Verwandten sogar ermorden^. Das Beispiel warnt davor, aus dem Faktum
der Verwandtschaft zwischen mehreren Bischöfen eines Bistums ohne weiteres auf
eine dahinterstehende gezielte Machtpolitik einer Adelsfamilie zu schließen: Aus
Sicht der Zeitgenossen des 9. Jahrhunderts waren Familien jedenfalls nicht zwangs-
läufig machtpolitische Monolithen.
D. Fazit
Die Heiligenviten der späteren Karolingerzeit gewähren Einblick in das Bischofs-
ideal ihrer Verfasser, zugleich aber auch in deren Vorstellungen von Heiligkeit. So
ist es wenig verwunderlich, daß die in diesem Kapitel herausgearbeiteten Befunde
denjenigen ähneln, die sich aus der Analyse der »Gesta episcoporum« ergeben ha-
ben: Auch diese Texte schilderten das Leben - zumeist - heiliger Bischöfe und skiz-
zierten auf diese Weise eine vorbildhafte bischöfliche Amtsführung. Stärker als die
Bischofsgesten allerdings betonen die Viten, ihrem hagiographischen Charakter
entsprechend, die Schutzfunktion des Bischofs. Und es ist bezeichnend, daß in der
Zeit nach 840 hierbei insbesondere der Schutz der czüzYas vor Übergriffen von >Bar-
baren< im Mittelpunkt der Darstellungen stand. Dem entspricht das überaus häufig
verwendete und im Vergleich zu früheren Vitenfassungen oftmals noch stärker
hervorgehobene Bild des Bischofs als Hirten: Er hatte zuvorderst die Aufgabe, seine
>Herde< vor den >reißenden Wölfen< zu schützen.
Genauer als die »Gesta episcoporum« äußern sich die Heiligenviten auch über
die soziale Herkunft der Geistlichen. Die Zeitgenossen des 9. Jahrhunderts erwarte-
ten dabei von einem heiligen Bischof, daß er dem Adel, oft sogar dem hohen, kö-
nigsnahen Adel entstammte, sich in seiner Lebensführung und seiner Frömmigkeit
dieser hohen Abkunft aber auch würdig erwies. Zu den in den Viten gespiegelten
Idealvorstellungen gehörte es dagegen nicht, daß eine Adelsfamilie ein und das-
selbe Bistum über mehrere Generationen kontrollierte: Einzelne Viten erwähnten
zwar die Verwandtschaft zweier Bischöfe derselben sc&s, doch bleiben explizite
Hinweise dieser Art selten. Statt dessen zeigen die Texte, daß im Wissen der Zeitge-
nossen andere Beziehungen für die Nachfolge im Bischofsamt von größerer Bedeu-
tung waren: Lehrer-Schüler-Verhältnisse etwa oder eine Patenschaft.
In Hinblick auf die Reproduktion des >Pariser Modells< schließlich fügen sich die
Ergebnisse dieses Kapitels durchaus zu den bisherigen Befunden. Bischofsviten
sind in den Jahren zwischen 840 und dem Beginn des 10. Jahrhunderts kaum zufäl-
lig in besonderer Dichte aus dem Norden des westfränkischen Reiches und aus Lo-
tharingien überliefert. Und soweit sie aus diesen Regionen stammten, griffen sie
auch Kernelemente des in normativen Quellen virulenten Bischofsmodells auf. Die
Phasenverschiebung in der Entwicklung des Wissens über Bischöfe zwischen dem
Westen des Reiches und den ostrheinischen Gebieten deutete sich zumindest in ei-
284 Herard von Tours, Vita Chrodegangi, c. 1,6-9, 769.
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ger und Verwandten sogar ermorden^. Das Beispiel warnt davor, aus dem Faktum
der Verwandtschaft zwischen mehreren Bischöfen eines Bistums ohne weiteres auf
eine dahinterstehende gezielte Machtpolitik einer Adelsfamilie zu schließen: Aus
Sicht der Zeitgenossen des 9. Jahrhunderts waren Familien jedenfalls nicht zwangs-
läufig machtpolitische Monolithen.
D. Fazit
Die Heiligenviten der späteren Karolingerzeit gewähren Einblick in das Bischofs-
ideal ihrer Verfasser, zugleich aber auch in deren Vorstellungen von Heiligkeit. So
ist es wenig verwunderlich, daß die in diesem Kapitel herausgearbeiteten Befunde
denjenigen ähneln, die sich aus der Analyse der »Gesta episcoporum« ergeben ha-
ben: Auch diese Texte schilderten das Leben - zumeist - heiliger Bischöfe und skiz-
zierten auf diese Weise eine vorbildhafte bischöfliche Amtsführung. Stärker als die
Bischofsgesten allerdings betonen die Viten, ihrem hagiographischen Charakter
entsprechend, die Schutzfunktion des Bischofs. Und es ist bezeichnend, daß in der
Zeit nach 840 hierbei insbesondere der Schutz der czüzYas vor Übergriffen von >Bar-
baren< im Mittelpunkt der Darstellungen stand. Dem entspricht das überaus häufig
verwendete und im Vergleich zu früheren Vitenfassungen oftmals noch stärker
hervorgehobene Bild des Bischofs als Hirten: Er hatte zuvorderst die Aufgabe, seine
>Herde< vor den >reißenden Wölfen< zu schützen.
Genauer als die »Gesta episcoporum« äußern sich die Heiligenviten auch über
die soziale Herkunft der Geistlichen. Die Zeitgenossen des 9. Jahrhunderts erwarte-
ten dabei von einem heiligen Bischof, daß er dem Adel, oft sogar dem hohen, kö-
nigsnahen Adel entstammte, sich in seiner Lebensführung und seiner Frömmigkeit
dieser hohen Abkunft aber auch würdig erwies. Zu den in den Viten gespiegelten
Idealvorstellungen gehörte es dagegen nicht, daß eine Adelsfamilie ein und das-
selbe Bistum über mehrere Generationen kontrollierte: Einzelne Viten erwähnten
zwar die Verwandtschaft zweier Bischöfe derselben sc&s, doch bleiben explizite
Hinweise dieser Art selten. Statt dessen zeigen die Texte, daß im Wissen der Zeitge-
nossen andere Beziehungen für die Nachfolge im Bischofsamt von größerer Bedeu-
tung waren: Lehrer-Schüler-Verhältnisse etwa oder eine Patenschaft.
In Hinblick auf die Reproduktion des >Pariser Modells< schließlich fügen sich die
Ergebnisse dieses Kapitels durchaus zu den bisherigen Befunden. Bischofsviten
sind in den Jahren zwischen 840 und dem Beginn des 10. Jahrhunderts kaum zufäl-
lig in besonderer Dichte aus dem Norden des westfränkischen Reiches und aus Lo-
tharingien überliefert. Und soweit sie aus diesen Regionen stammten, griffen sie
auch Kernelemente des in normativen Quellen virulenten Bischofsmodells auf. Die
Phasenverschiebung in der Entwicklung des Wissens über Bischöfe zwischen dem
Westen des Reiches und den ostrheinischen Gebieten deutete sich zumindest in ei-
284 Herard von Tours, Vita Chrodegangi, c. 1,6-9, 769.



